Bertelsmann: RTL verkauft nach gescheiterter TV-Fusion Sender M6 doch nicht – Aktien fallen
Die Zentrale der französischen TV-Gruppe M6 bei Paris.
Foto: ReutersNach der gescheiterten Fernsehfusion in Frankreich will RTL seinen TV Sender M6 nun doch nicht verkaufen. Man halte an der 48,3 prozentigen Beteiligung fest, teilte die Bertelsmann-Tochter am Montagabend mit. Die Aktien von M6 sind im frühen Handel in Paris um fast sieben Prozent gefallen. RTL-Titel geben 2,1 Prozent nach.
Die RTL Group sei seit 35 Jahren ein strategischer Anteilseigner der Groupe M6, erklärte Thomas Rabe, der sowohl Chef von RTL als auch von Bertelsmann ist. „Wir werden unsere Strategie fortsetzen, nationale Mediengruppen aufzubauen, die groß genug sind, um mit den US-Plattformen zu konkurrieren.“
RTL halte jedoch die rechtlichen Risiken und Unsicherheiten aufgrund der erforderlichen Genehmigungsverfahren der Kartell- und Medienbehörden für zu hoch. Das Unternehmen verwies zudem auf den Zeitpunkt der anstehenden Lizenzverlängerung für M6.
Die RTL Group hatte gemeinsam mit dem französischen Mischkonzern Bouygues Mitte September das Vorhaben gestoppt, die M6 Group und TF1 zu einem nationalen Fernseh-Champion zu fusionieren. Bouygues und RTL zogen zurück, weil angebotene Zugeständnisse der französischen Wettbewerbsbehörde nicht ausgereicht hätten.
RTL bekam gute Angebote für M6-Beteiligung
Demnach hätten die Kartellwächter wohl nur bei einem Verkauf des Hauptsenders TF1 oder M6 grünes Licht gegeben. Damit wiederum sei das Schmieden eines Schwergewichts im Fernseh- und Video-Streaming-Markt – als Antwort auf die globale Konkurrenz von Netflix und anderen Diensten – strategisch nicht mehr sinnvoll.
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Nach dem Abblasen der Fusion hätten sie einige finanziell attraktive Kaufangebote von Interessenten für die M6-Beteiligung bekommen, erklärte RTL. Dennoch verkaufen sie M6 nun nicht. Wegen des Auslaufens der Sendelizenz hätte ein Deal bis Frühjahr 2023 über die Bühne gehen müssen.
Denn nach der dann anstehenden Erneuerung der Lizenz hätte der Hauptanteilseigner seine Aktien fünf Jahre lang nicht verkaufen dürfen. Interessiert an M6 waren Insidern zufolge ein Konsortium französischer Unternehmer, darunter der Milliardär Rodolphe Saade, Stephane Courbit von der Fernsehproduktionsgruppe Banijay und der Investor Marc Ladreit de Lacharriere.
Zudem hatten italienische Sender MediaForEurope und der französische Milliardär Xavier Niel ein gemeinsames Angebot abgegeben, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten.