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„Besser als erwartet“ FlixBus feiert gelungenen Start in den USA

Exklusiv
In den USA kommen die grünen Fernbusse von FlixBus vor allem bei Studenten gut an. Quelle: FlixMobility GmbH

Die Erfolgsgeschichte des Mobilitäts-Start-ups FlixMobility geht weiter. In Europa übernimmt das Unternehmen den Konkurrenten Eurolines. Und in den USA kommen die grünen Fernbusse vor allem bei Studenten gut an.

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Für Frühbucher gibt es noch Schnäppchen. Eine Fahrt von San Francisco ins 600 Kilometer entfernte Los Angeles kostet im Juli an manchen Tagen nur 12,50 Euro. Eine Fahrt von San Antonio in Texas ins drei Stunden entfernte Houston sogar nur 4,50 Euro. FlixMobility aus München ist vor gut einem Jahr in den USA an den Start gegangen – und hat mit seinen günstigen Preisen und grünen Bussen offenbar einen Nerv getroffen.

FlixBus bewertet seinen Einstieg in den US-Markt jedenfalls als geglückt. Das Geschäft in Kalifornien laufe „viel besser als erwartet“, sagte Gründer André Schwämmlein der WirtschaftsWoche. Aktuell fahren rund 20 Busunternehmen im Auftrag von FlixMobility mehr als 75 Ziele in Kalifornien, Nevada, Utah, Arizona, New Mexico, Texas, Mississippi und Louisiana an. Im Sommer 2019 kommen Stationen an der Ostküste wie New York hinzu. Außerdem ist eine Expansion in den Nordwesten der USA um Seattle und Portland geplant. „Wir wollen sehr schnell die Nummer zwei in den USA werden, nach Greyhound“, sagt Schwämmlein.

FlixBus habe neue Zielgruppen erschlossen, fast 65 Prozent aller Passagiere in den USA seien vorher noch nie mit dem Fernbus gereist. Vor allem Studenten sind eine Zielgruppe, die FlixBus in den USA besonders umwirbt und die sich von dem Versprechen „bus travel in the US from just 2,99 Dollar“ besonders angesprochen fühle. Derzeit baue das Unternehmen „viel Overhead für eine spätere Expansion in den USA“ auf, sagt Schwämmlein. Ohne diese Kosten für das Headquarter in Los Angeles würde das Geschäft in dem wichtigsten Markt Kalifornien „wahrscheinlich profitabel – nach nur einem Jahr“, erwartet Schwämmlein.

Die Erfolgsgeschichte des Münchener Start-ups geht also weiter. 2015 fusionierte FlixBus mit dem Berliner Konkurrenten MeinFernbus. Seitdem ist FlixBus unangefochtener Marktführer im deutschen Fernbusmarkt. Wettbewerber wie die Fernbusse von der Deutschen Bahn, Megabus und der Deutschen Post haben sich aus dem hart umkämpften Terrain zurückgezogen. Teilweise hat FlixBus die Busse und Strecken der einstigen Konkurrenten übernommen. Es folgte die Expansion in andere europäische Länder wie Frankreich, Italien und Osteuropa. 2018 kamen dann die USA hinzu.

Der seit Jahrzehnten liberalisierte Fernbusmarkt in den Vereinigten Staaten hat eine lange Tradition. Allerdings haben Fernbusse vor allem an der Westküste kein gutes Image. FlixBus hat vor allem in den Universitätsstädten daher für das eigene Angebot geworben: günstige Tickets, umweltfreundliche Mobilität, WLAN an Bord. Damit kommt das Unternehmen offenbar an.

Spannend wird nun der nächste Schritt: die Expansion an die Ostküste. In Bundesstaaten wie New York, Pennsylvania und Virginia hat der Fernbus als Verkehrsmittel ein besseres Image als etwa in Kalifornien. Außerdem ist dort der Wettbewerb auf einzelnen Strecken höher. Eine Fahrt von der Hauptstadt Washington nach New York bieten sowohl nationale Player wie Megabus und Greyhound als auch lokale Anbieter wie Vamoose und OurBus an. Außerdem fahren auf der Strecke teils auch Züge des Bahnbetreibers Amtrak. FlixBus ist dennoch zuversichtlich. „Wir haben den Beweis: Wir können es“, sagt Schwämmlein. „Jetzt können wir Gas geben.“

Den amerikanischen Fernbusmarkt unterteilen Experten in sieben bis acht regionale Märkte. Mit Kalifornien und Texas spielt FlixBus bereits auf zwei Teilmärkten eine führende Rolle. Noch in diesem Jahr soll die Ostküste als dritter Markt folgen. Außerdem will das Unternehmen bald auch im US-Bundesstaat Washington an den Start gehen. Städte wie Seattle und Portland sind knapp 300 Kilometer entfernt. Für Fernbusse gilt diese Distanz als ideale Route. FlixBus schickt sich damit an, ein nationaler Player im US-Fernbusmarkt zu werden.

Unter den Investoren hatte der Einstieg in den USA 2017 heftige Diskussionen ausgelöst. An FlixMobility sind zahlreiche Kapitalgeber wie General Atlantic, die von der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck gegründete Holtzbrinck Ventures, Silver Lake und Daimler Mobility Services beteiligt. Einigen Geldgebern kam der Start in den USA zu früh. Inzwischen dürfte die Skepsis gewichen sein.

Branchengerüchte und Spekulationen über den Kauf von Wettbewerbern wie Greyhound oder Megabus reißen nicht ab. Gerade hat das Unternehmen den europäischen Wettbewerber Eurolines übernommen. Derzeit würden jedoch keine konkreten Pläne für Übernahmen in den USA verfolgt, heißt es aus der FlixMobility-Zentrale in München. Allerdings schieben die Unternehmensgründer nach: Akquisitionen gehörten zur DNA von FlixBus.

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