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Bettina Röhl direkt

Was steckt hinter dem großen Springer-Funke-Deal?

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Interesse an der Scoutfamilie

Die Funke Mediengruppe hat vom Springer-Verlag zahlreiche Zeitungen gekauft. Aber warum? Quelle: dpa

Das ist der Grund, weshalb Springer diesen Internetdienst betreibt. Und Springer betreibt eine ganze Reihe solcher Dienste, missverständlicherweise in der aktuellen Diskussion auch digitale Medien genannt. Wer einen neuen Job sucht, frequentiert vielleicht eines der sogenannten Rubrikenportale, zum Beispiel StepStone, eine private Online-Jobbörse, die ebenfalls zum Springer-Imperium gehört. Und die Provision fließt in die Springerkasse.

Zum Portfolio Springer gehört eine Reihe weiterer Suchmaschinen der genannten Art und Springer wird ein vehementes Interesse nachgesagt die Scoutfamilie (Immobilienscout, Auto scout, Friendscout24 und andere Spurensucher) von der verkaufswilligen deutschen Telekom jetzt käuflich zu erwerben.

Springer will wachsen

Mit all dem holt sich Springer verloren gegangenes Zeitungsterrain auf digitale Weise zurück. Wenn Springer jetzt also ankündigt noch mehr in das digitale Mediengeschäft einzusteigen, muss ein weit verbreiteter Irrtum aufgeklärt werden, nämlich dass die digitalen Rubrikportale nichts mit den meist defizitären Online-Ausgaben der Tageszeitungen zu tun haben. Digitale Rubrikmedien haben mit Journalismus und Nachrichten genauso viel oder wenig zu tun, wie früher die Anzeigenteile der Tageszeitungen mit dem redaktionellen mit deren redaktionellen Teil. Springer will wachsen. Das ist das gute Recht des Unternehmens und eine wohlverstandene unternehmerische Pflicht.

Kleiner Gag am Rande: Mit seinen Verkaufsmodellen der Online-Zeitungen und seinen Verkaufs-und Dienstleistungsportalen avanciert Springer zu einer Art NSA im Staate, in dem personenbezogene Daten gesammelt werden, die detaillierte digitale Profile der Vertragspartner ermöglichen.

Mächtig und gesellschaftsrelevant

Der übergroße Mittelständler Springer, eines der bekanntesten Familienunternehmen der Republik, handelt nicht mit Autoreifen oder Industriegasen, sondern mit Presseerzeugnissen. Die Pressefreiheit wird in Deutschland, von den öffentlich-rechtlichen Medien abgesehen, von privaten Firmen und Konzernen ausgeführt und garantiert. Springer ist im Vergleich zu den großen deutschen Dax-Konzernen ein Zwerg, auch was seine volkswirtschaftliche Bedeutung anbelangt,  aber die Kanzlerin weiß schon, warum sie eine besondere "Freundschaft" zu Friede Springer, der Mehrheitsaktionärin des Medienkonzerns, unterhält. Ein Medienunternehmen ist eben als Beeinflusser der öffentlichen Meinung weitaus mächtiger und gesellschaftsrelevanter als es den Umsatzzahlen entspricht.

Springer hat gut 13.000 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von ca. 3,3 Milliarden Euro und ist Marktführer auf dem Segment der Tageszeitungen mit einem Marktanteil von fast 20 Prozent. Da gehört es zur journalistischen Pflicht jede unternehmerische Entscheidung des Konzerns zu bewerten und zu hinterfragen. Und Springer hat gerade eine Reihe weitreichender unternehmerischer Entscheidungen getroffen.

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