Bettina Röhl direkt

Was steckt hinter dem großen Springer-Funke-Deal?

Bettina Röhl Publizistin

Axel Springer hat vor wenigen Tagen diverse Medientitel an die Funke-Gruppe verkauft. Doch was ist der tiefere Sinn dieses Geschäftes und wohin will Springer steuern?

Der Springer Konzern wurde in den vergangenen Jahren immer digitaler. Nun wurde bekannt, dass sich der Verlag von zahlreichen Regionalzeitungen trennen wird Quelle: REUTERS

Das Internet ist "Neuland". Mit diesem Satz handelte sich Angela Merkel unlängst viel Spott ein. Und doch hatte sie recht. 20.000 Jahre Menschheitsgeschichte fanden ohne das World Wide Web statt und die Totalvernetzung der Menschen ist ein Phänomen der letzten 15 Jahre. Würde man das Netz abschaffen, würde die Wirtschaft, würde die Gesellschaft, würden die Staaten zusammenbrechen. Das ist eine Binsenweisheit, auch wenn es manche vielleicht noch nicht wahrhaben wollen. Aber der Fortschritt der Technik lässt das Netz immer breiter und immer tiefer in das Leben eindringen, und es revolutioniert immer neu das Geschehen.

Dieser Tatsache geschuldet ist auch ein rapider Wandel im Bereich der Massenmedien. Die gute alte Zeitung war, trotz des vor sechzig Jahren auf die Bühne tretenden Fernsehens und etwas früher des Radios, die Informationsquelle der Bürger. Und die Anzeigenteile der Zeitungen waren oft genug ein oder sogar der primäre Kaufgrund. Von der Kleinanzeige, "Verkaufe Sofa", "Suche günstige Mingvase" über die Gebrauchtwagenanzeigen, Wohnungsanzeigen, Annoncen für Eigentumswohnungen oder Häuser, über die Stellenanzeigen bis hin zu den seriösen und den schrägen Kontakt- Heirats- oder Sexanzeigen - was das Herz begehrte, alles stand in der Zeitung.

Was Zeitung ausmacht

Es gehörte regelrecht zum Sport in Managerkreisen beispielsweise die FAZ oberflächlich zu durchblättern und sich stattdessen auf die Stellenanzeigen zu stürzen. Und dies im Wesentlichen, um den eigenen Marktwert während der Mittagspause durch eine vergleichende Lektüre der Stellenanzeigen zu ermitteln, ähnlich, wie es manche glücklichen Eheleute machen, die Heiratsanzeigen studierten, einfach so um zu sehen, was noch drin wäre. Das alles ist weg gefallen und ins Internet gewandert.

Dort ist der Datendurchsatz aktueller, schneller, diverser und interaktiv aufbereitet. Ein wesentlicher Teil dessen, was Zeitung ausmachte, ist unwiederbringlich weggebrochen. Die signifikant rückläufigen Auflagen der Tageszeitungen ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass das Netz die politischen, die wirtschaftlichen und die kulturellen Nachrichten bietet, sondern auch der Tatsache,  dass die Anzeigen in den Tageszeitungen schlicht nicht mehr vorhanden sind und auch nicht mehr sein können. So jedenfalls die Tendenz. 

Axel Springer und die digitalen Medien

Die Axel Springer Verlags AG, die sich vor zehn Jahren sinnigerweise in Axel Springer AG umtaufte, hat früh erkannt, dass Zeitungmachen heute bedeutet, digitale Anzeigenportale zu eröffnen und zu betreiben. Diese können heute viel mehr als ihre gedruckten Vorfahren, in dem sie nämlich nicht nur Bekanntmachungen liefern, sondern vor allem als Makler und Händler daherkommen, die interaktiv für mehr oder weniger satte Provisionen die Interessenten zusammen führen.

Die Grenze zwischen Makler und Händler verschwimmt, siehe Amazon oder Ebay. Suchmaschinen werden zum neuen, globalen Supermarktplatz. Während die Innenstädte veröden und die Einkaufszentren auf der grünen Wiese oft auch nicht mehr der Hit sind, blüht der Internethandel und diktiert vor allem die Preise. Vergleichen lohnt sich, und dabei helfen eilfertige Internetportale. Ein Klick auf Idealo.de. Schon gibt's Produktinfos, Preise und die besten Händler. Und noch ein Klick und die Badehose oder der Küchenmixer sind bestellt und Idealo kassiert die Provision.

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