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Bilanz des Erzbistums Köln Wie sich die Kirche arm rechnet

Finanz- und Missbrauchsskandale zwingen den Klerus zu mehr Transparenz. Das Erzbistum Köln will Vorreiter sein und zieht erstmals öffentlich Bilanz. Dabei setzt es auf Understatement.

Kölner Dom Quelle: dpa

Wie reich die Kirche ist, haben wir jetzt schriftlich: Knapp 3,4 Milliarden Euro Vermögen besitzt allein das Erzbistum Köln laut seines am Mittwoch veröffentlichten Jahresabschlusses für 2013. Die Kölner sind mit gut zwei Millionen Kirchenmitgliedern das größte von den knapp 30 Bistümern der katholischen Kirche in Deutschland – und nicht zuletzt wegen der damit verbundenen hohen Steuereinnahmen wohl auch das reichste. Je Mitglied wurden im Berichtsjahr 278 Euro Kirchensteuer eingenommen, insgesamt rund 573 Millionen Euro und etwa fünf Prozent mehr als 2012.

Dabei ist Reichtum für die Kirche ein schwieriger Begriff, soll sie doch in der öffentlichen Wahrnehmung auf der Seite der Armen stehen und anders als Wirtschaftsunternehmen keine Gewinn- oder Vermögensmaximierung betreiben. Die Angst der Geistlichkeit vor einem reichen Image ist nachvollziehbar, denn je reicher die Gläubigen ihre Kirche wähnen, desto niedriger fällt die Spendenbereitschaft aus. Warum hat dann ausgerechnet das finanziell bestens dastehende Erzbistum Köln nun seine Bilanz offen gelegt?

So viel Geld hat die Kirche
Gesamtzahl der Kirchenmitglieder in Millionen
Kirchensteueraufkommen in Milliarden Euro
Staatsleistungen an die Kirche
Einnahmen der evangelischen Kirche

„Mit unserer Bilanzvorlage lösen wir das Versprechen umfassender Transparenz der Finanzen ein“, sagt Generalvikar Stefan Heße. Nach Missbrauchs- und Finanzskandalen der Vergangenheit müssen die Kirchen sich öffnen, um das Vertrauen der Gläubigen und der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen.

Das Erzbistum Köln kann wegen seiner modernisierten Rechnungslegung dabei eine Vorreiterrolle spielen. Besonders in Deutschland gilt ein nachvollziehbarer Umgang mit dem Geld als Maßstab für Vertrauen in einflussreiche Institutionen, was die breite Empörung über die explodierten Baukosten der Residenz des anschließend zurückgetretenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst gezeigt hat.

Papst Franziskus, Fürsprecher der Armen
Der neue Papst Jorge Mario Bergoglio ähnelt in seinem bescheidenen Lebensstil seinem italienischen Namenspatron Franziskus aus dem 13. Jahrhundert, der freiwillig in Armut lebte und einen Bettelorden gründete. Quelle: AP/dpa
Bergoglio ist der 266. Pontifex der Kirchengeschichte, aber der erste Papst aus Lateinamerika und der erste Jesuit auf dem Heiligen Stuhl. Er wurde am 17. Dezember 1936 als Sohn italienischer Einwanderer geboren - dies dürfte eine enge Verbindung zu seiner neuen Heimat im Vatikan schaffen. Quelle: AP/dpa
Nach einer Ausbildung als Chemietechniker entschied er sich für das Priesteramt und wurde 1969 zum Priester geweiht. Schon nach vier Jahren wurde er 1973 zum Provinzial des Jesuitenordens für Argentinien gewählt und leitete dann bis 1979 den Orden in dem lateinamerikanischen Land. Während dieser Zeit begann die Militärdiktatur, in deren Verlauf rund 30.000 Menschen verschleppt und ermordet wurden. In seiner Heimat wurde der Vorwurf erhoben, Bergoglio habe als Jesuiten-Provinzial während der Militärdiktatur Ordensbrüdern nicht ausreichend Rückendeckung gegeben. Quelle: REUTERS
1992 wurde Bergoglio von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt. Sechs Jahre später wurde er Erzbischof des Bistums. Quelle: AP/dpa
Bei der Papst-Wahl 2005 war Bergoglio der Hauptkonkurrent von Joseph Ratzinger, der sich allerdings durchsetzte und als Papst Benedikt XVI. acht Jahre die römisch-katholische Kirche führte. Damals wurde der Argentinier von den moderaten Kardinälen als Gegengewicht zum dogmatischen damaligen Leiter der Glaubenskongregation unterstützt. Quelle: AP/dpa
Von seiner Biografin Francesca Ambrogetti wird der 76-Jährige als Mann des Ausgleichs mit großem Verhandlungsgeschick und einem ausgeprägten sozialen Gewissen beschrieben. Er wurde auch "Kardinal der Armen" genannt. Bergoglio gilt als bescheiden und volksnah. Auch als Kardinal war sich der Argentinier nicht zu schade, den Bus oder die U-Bahn zu nehmen statt einer Limousine. Statt in der erzbischöflichen Residenz wohnte er in einem einfachen Apartment. So entstand etwa im Jahr 2008 dieses Foto des Jesuitenpaters in der U-Bahn in Buenos Aires. Quelle: AP/dpa
Bergoglio begrüßt 2008 Argentiniens Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner. Mit Politikern spricht er Klartext, weshalb seine Beziehungen zur Präsidentin und ihrem verstorben Mann und Vorgänger Nestor Kirchner nicht immer störungsfrei waren. Dass Bergoglio aus seinen konservativen Einstellungen keinen Hehl macht, zeigt eine Episode aus dem Jahr 2010, als er die argentinische Regierung wegen der Legalisierung der Homo-Ehe angriff. "Wir dürfen nicht naiv sein. Das ist kein einfacher politischer Kampf, das ist der Versuch, Gottes Plan zu zerstören", schrieb er in einem Brief wenige Tage vor Verabschiedung des Gesetzes. Kirchner entgegnete damals, dass sie sich an „mittelalterliche Zeiten und die Inquisition“ erinnert fühle. Quelle: REUTERS

Kein Wunder, dass die Kirchenfunktionäre bemüht sind, ihren Reichtum zu relativieren. So weisen die Kölner angesichts ihrer fetten Eigenkapitaldecke von rund 74 Prozent eindringlich darauf hin, dass große Teile des Kapitals für künftige Belastungen reserviert seien – etwa für Renovierungskosten und Pensionsverpflichtungen – und daher nicht frei zur Verfügung stünden. So hat Finanzdirektor Herrmann J. Schon allein für die Instandhaltung meist denkmalgeschützter Kirchengebäude 596 Millionen Euro zurückgelegt.

Und obwohl bereits gesetzliche Rückstellungen für Pensionen in Höhe von 470 Millionen Euro für 4.000 anspruchsberechtigte Beschäftigte gebildet wurden, hat das Erzbistum nochmal zusätzlich knapp 405 Millionen Euro Pensionsverpflichtungen in die zum Eigenkapital zählenden Rücklagen gepackt. Pro Person steht damit der üppige Betrag von durchschnittlich rund 218.000 Euro Anspruch an Altersvorsorge in der Bilanz.

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Die Bistumsbilanz demonstriert eindrucksvoll die üppigen Finanzreserven kirchlicher Organisationen. Das Kölner Vermögen steckt größtenteils in leicht liquidierbaren Wertpapieren im Volumen von 2,3 Milliarden Euro wie Anleihen, Aktien- oder Immobilienfonds. An dieses Geld kommen die Finanzmanager der Geistlichkeit bei Bedarf jederzeit heran. Kirchliche Immobilien, oft in Bestlagen, stehen dagegen mit einem Ansatz von nur 612 Millionen Euro in der Bilanz. Sie sind aber nicht weniger wert, sondern nur schwer zu bewerten. Dass im deutschen Handelsrecht das Vorsichtsprinzip gilt, wonach im Zweifel eher ein niedrigerer Vermögenswert anzusetzen ist, dürfte die Kirche bei ihrem Bemühen unterstützen, sich nicht als übermäßig reich darzustellen.

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