Bilfinger Aufsichtsrat akzeptiert Rücktritt von Roland Koch

Bei Bilfinger ist die Ära Koch zu Ende. Der Aufsichtsrat des Bau- und Dienstleistungskonzerns hat das Rücktrittsgesuch angenommen. Montag muss der kriselnde Konzern seine Halbjahreszahlen präsentieren.

Roland Koch verlässt Bilfinger. Quelle: dpa

Nach gut drei Jahren als Vorstandschef des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger ist die Ablösung Roland Kochs nun auch offiziell besiegelt. Der Aufsichtsrat bestätigte am Donnerstag mit einem formalen Beschluss die Pläne des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten. Das Gremium dankte ihm „für seinen maßgeblichen Beitrag zur Unternehmensentwicklung“.

Wie der MDax-Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung mitteilte, soll Kochs Vorgänger Herbert Bodner nach Ablauf der Woche übergangsweise bis zum 31. Mai 2015 das Ruder übernehmen. Der neue alte Chef kennt das Geschäft gut: Vor dem Amtsantritt Kochs Mitte 2011 hatte er zwölf Jahre an der Bilfinger-Spitze gestanden und die Umwandlung vom Baukonzern zum Dienstleister für Wartungen rund um Industrieanlagen, Kraftwerke und Immobilien eingeleitet. Diesen Kurs hatte Koch mit weiteren Zukäufen fortgesetzt und zuletzt forciert.

Am kommenden Montag legt der Konzern Zahlen zum ersten Halbjahr vor. Diese dürften aus Sicht von Analysten nach den Gewinnwarnungen und Verkaufsplänen für das Tiefbaugeschäft schwach ausfallen. Kochs Abgang dürfte das Zahlenwerk aber klar überstrahlen.

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Der scheidende Chef wandte sich derweil in einer E-Mail an seine Mitarbeiter und informierte sie über die Hintergründe seines Weggangs. „Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, heißt es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt und aus dem zunächst der „Mannheimer Morgen“ (Donnerstag) zitierte.

Seine Aufgabe habe ihm große Freude gemacht. „Wir sind auch einen beachtlichen Teil des nötigen Weges schon erfolgreich gegangen“, schrieb Koch. „Aber ich muss auch feststellen, dass unsere Fähigkeit als Gesamtorganisation mit schwieriger werdenden Märkten umzugehen, trotz aller Fortschritte noch immer zu schwach entwickelt ist.“

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Dies führe nicht nur zu Ergebnisrückgängen, sondern vor allem zu unpräzisen Prognosen. „So etwas sollte keinesfalls passieren“, erklärte Koch. „Wenn wir auch direkte persönliche Konsequenzen im betroffenen Bereich schon gezogen haben, so bleibt es doch meine Gesamtverantwortung, und ich habe in meinem Leben gelernt, diese zu tragen.“ Ein Neuanfang sei im Interesse des Unternehmens, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Der Führungswechsel könnte aus Sicht eines Experten des Analysehauses Warburg Research, Frank Laser, der erste Schritt zum Besseren sein. Alsterresearch-Experte Alexander Zienkowicz hält den Wechsel mitten in der Transformationsphase unterdessen für einen „gewagten Schritt“. Er biete aber auch die Chance, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

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