Bilfinger Per Utnegaards Kronprinz im Bilfinger-Vorstand

Jochen Keysberg ist der einzige Überlebende der Ära Koch im neuen Bilfinger-Vorstand. Kämpfen muss er, um den gesunden Geschäftsbereich Gebäudemanagement vor überzogenen Spar- und Strukturmaßnahmen zu schützen.

Das Logo des Bau- und Dienstleistungskonzerns Bilfinger Quelle: dpa

Die Abgänge im Bilfinger-Vorstand kamen spät, aber sie kamen: Per Utnegaard, der neue Chef des abgestürzten ehemaligen M-Dax-Glanzlichts, hat Ende Juni den Niederländer Pieter Koolen entlassen, der für die leidende Industriedienstleistungssparte zuständig war, und Joachim Enenkel, der die Verantwortung für die katastrophal abgestürzte Kraftwerkdivision hatte.

Die Verkleinerung des Führungsgremiums auf nur noch drei Köpfe lenkt den Blick auf das einzige überlebende Vorstandsmitglied aus der Ära Koch: Jochen Keysberg. Quelle: Bilfinger

Die Verkleinerung des Führungsgremiums auf nur noch drei Köpfe lenkt den Blick auf das einzige überlebende Vorstandsmitglied aus der Ära Koch: Jochen Keysberg. Der 49-Jährige kann in Mannheim an Bord bleiben, weil sein Geschäftsbereich Building and Facility die Eingriffe des früheren Vorstandschef Roland Koch nicht nur überlebte, sondern mit seiner Performance die anderen Geschäftsbereiche inzwischen deutlich überstrahlt. Das Gebäudemanagement und die Reste des Baugeschäfts steigerten im ersten Halbjahr 2015 die Leistung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent auf 1,372 Millionen Euro. Das EBITA des Geschäftsfelds legte um 27 Prozent auf 52 Millionen Euro zu. Das ist erstmals mehr als das größere Geschäftsfeld Industrial erwirtschaftete, das bei 1,781 Millionen Euro Leistung im ersten Halbjahr 2015 nur 49 Millionen Euro zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beitrug.

Keysberg hatte schon Utnegaards Vor-Vorgänger Herbert Bodner in schwierigem Umfeld aus der Bredouille geholfen: beim Kölner Desaster 2009. Das Stadtarchiv dort stürzte ein, vermutlich weil eine unter anderem von Bilfinger geführte U-Bahn-Baustelle unbemerkt das Fundament unter dem Gebäude beschädigt hatte. Zwei Menschen starben, Kulturgut im Milliardenwert versank im Schlamm. Bodner tauchte ab, Keysberg aber erklärte souverän in der aufgewühlten Stimmung den Medien die technischen Gegebenheiten von Schlitzwänden und Schubhaken, ohne eine Schuld des Bilfinger-Baukonsortiums anzuerkennen. Keysberg war in Köln das smarte und zugleich seriöse Gesicht des Konzerns. Jetzt wird er so etwas wie Utnegaards Kronprinz.

Der promovierte Bauingenieur ist seit 1997 bei dem früheren Baukonzern tätig und seit Kochs Rücktritt Mitte 2014 auch Arbeitsdirektor. Die verunsicherte Bilfinger-Belegschaft fragt sich und den langjährigem Weggefährten nun, ob dieser seinen erfolgreichen Bereich vor den noch unkonkreten Restrukturierungsmaßnahmen des neuen Chefs Utnegaard schützen kann. Der Norweger mit dem schweizerisch angehauchten Deutsch sagte am heutigen Mittwoch in der Telefonkonferenz: „Wir werden Kosten in allen Bereichen reduzieren. Für eine strategische Neupositionierung müssen wir uns alles anschauen. Betonung auf „alles“. Man müsse Bürokratie abbauen, Bilfinger sei „viel zu kompliziert konstruiert. Wir werden mehr von weniger machen“.

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Die Gefahr ist dabei, dass die Gebäudemanagementsparte wie schon unter Koch in die Pflicht genommen wird für Sparaktionen, die die sanierungsbedürftigen Geschäftsbereiche verbessern sollen, bei Building and Facility aber an gesunde Substanz gingen. Aus dem Unternehmen mehren sich deshalb Stimmen, dass Keysbergs Sparte eine bessere Zukunft außerhalb Bilfingers hätte. Utnegaard müsse den einzigen gesunden Bilfinger-Bereich stärken – auch durch Zukäufe – um intern Vertrauen zu schaffen. Kronprinz Keysberg kämpft – zusammen mit seinem Top-Manager Otto Kajetan Weixler – um eine gute Zukunft. Ob diese aber innerhalb oder außerhalb von Bilfinger stattfindet, wissen beide vermutlich selber noch nicht.

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