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Bilfinger Ist Roland Koch Antreiber oder Getriebener?

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Showdown in Mannheim

Aktionäre stehen bei der Hauptversammlung des Dienstleistungs- und Bauunternehmens Bilfinger vor einem Logo des Konzerns Quelle: dpa

Nun aber ist Koch an der Aufgabe gescheitert, die BIS-Identifikationsfigur Töpfer einzubinden. Ihn zu halten, sagt ein Insider, habe Koch „lange versucht“ – aber Töpfer lehnte Kochs Pläne für die Strukturreformen ab. Die Aufgabe, Töpfers Mannschaft zu überzeugen, wird für Koch und Koonen nun umso schwieriger. Am „bisher selbstverständlichen Ressort-Egoismus bei Bilfinger“, den ein Insider konstatiert, könnte der Jungmanager scheitern.

Fraglich ist, ob Koch mehr Antreiber ist oder Getriebener. Der skandinavische Finanzinvestor Cevian hat seinen Anteil an Bilfinger peu à peu auf inzwischen fast 19 Prozent gesteigert und erwartet gewöhnlich, dass sich seine Investments schnell rentieren. Schon beim Lastwagenbauer Volvo, beim Versicherer Skandia und beim Rückversicherer Munich Re erstritt Cevian Korrekturen der Strategie. Vergangene Woche stockte Cevian seinen Anteil an ThyssenKrupp auf 5,2 Prozent auf. Koch versucht womöglich vorauseilend, die Wünsche des aggressiven Anteilseigners zu erfüllen. Zum einen, bevor es womöglich Krach gibt auf der nächsten Hauptversammlung. Zum anderen mit Blick auf die von Koch erwünschte und keineswegs sichere Verlängerung seines Vertrages für noch einmal fünf Jahre ab 2016.

Der jüngst verkündete Personalabbau wird von Cevian und der Börse jedenfalls goutiert. 14 von 21 Bilfinger-Analysten empfehlen derzeit die Aktie zum Kauf. Das Hamburger Analysehaus Warburg Research etwa hält wenige Tage nach dem Showdown in Mannheim am Kursziel von 92 Euro fest. Derzeit notiert die Aktie knapp unter 80 Euro. Der Schritt in Richtung einer zentralisierten Managementstruktur sei sinnvoll, urteilt Warburg-Analyst Frank Laser.

Berater von Boston Consulting hatten dem Bilfinger-Vorstand im Sommer eine bestellte Studie vorgelegt und Doppelstrukturen sowie eine überbordende Verwaltung attestiert. Hintergrund: „Aus der Not heraus“, sagt ein Betriebsrat, „haben zum Beispiel die Teilkonzerne in der Vergangenheit eigene IT-Abteilungen aufgebaut, weil es keine zentrale IT gab.“ Folglich kämpft Bilfinger bis heute mit nicht kompatibler Technik.

In Arbeit
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Dass 1250 Verwaltungsstellen wegfallen sollen, ist weitgehend konsensfähig bei Bilfinger. „Zehn Prozent allgemeine Verwaltungskosten sind zu viel“, sagte Koch im August. Aber wo sie abzubauen sind, auch daran schieden sich womöglich die Geister. Überproportional viele sollen es in Töpfers Industrieservicebereich sein, mutmaßen Betriebsräte. Dort bisher eigenständig erledigte Aufgaben werden künftig in die Mannheimer Zentralverwaltung integriert.

Anders als in Essen, wo der spanische Hochtief-Chef Marcelino Fernández ohne Rücksicht auf sein Image ein wahres Blutbad im Management angerichtet hat, muss Koch aber sein Vorgehen intern plausibel machen. Der Vorstandschef ist auch Arbeitsdirektor bei Bilfinger und legt wie ein guter Politiker Wert auf Nähe zur Basis.

So lädt seit 2011 das Chefsekretariat alle paar Wochen zum „Kantinengespräch mit Roland Koch“. Am 23. Oktober werden wieder sieben Mitarbeiter mit dem Chef zusammen Hausmannskost vertilgen. Für den, der sich traut, eine seltene Gelegenheit, Koch persönlich zu fragen, warum eigentlich sein hochgelobter und verdienter Kollege Töpfer Bilfinger verlassen muss.

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