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Billig-Airlines Der Preiskampf über Deutschland

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Attraktiver denn je

Diese Zeiten sind vorbei. Nach der Billigexpansion der vergangenen Jahre sind in Italien, Spanien und Frankreich nicht nur die meisten lukrativen Strecken vergeben. Die Marktführer schlagen auch zurück, entweder mit dem Geld neuer Investoren wie Alitalia mit den Petrodollars von Etihad aus Abu Dhabi oder mit effizienten Billigtöchtern wie Iberia mit Vueling oder Air France mit Transavia.

Der deutsche Markt aber ist attraktiver denn je. Während Reisende im Rest Europas eher sparen, leisten sich die Deutschen dank der soliden Konjunktur mehr Flugreisen und zahlen gern einen Aufpreis, wenn sie nahe an ihrem Wohnort von einem Großflughafen abheben können, statt zu abgelegenen Billigflugplätzen reisen zu müssen.

Zudem präsentieren Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Air-Berlin-CEO Stefan Pichler den Billigfliegern ihre Kundschaft fast auf dem Silbertablett: Denn sie haben in den vergangenen Jahren an ihren Stammflughäfen im großen Stil Platz gemacht, weil sie sich verlustbringende Flüge angesichts zu hoher Betriebskosten und des harten Wettbewerbs durch Golflinien nicht mehr leisten konnten.

Unfreiwillig billig

Und beide haben ihren Kunden die Billigangst genommen, etwa durch eigene Service-Kürzungen. Dazu gibt Lufthansa immer mehr Flüge an Germanwings oder Eurowings ab und Air-France-KLM-Chef Alexandre de Juniac an seine Linien Hop und Transavia. „Damit flogen viele Statuskunden unfreiwillig billig und merkten, das ist meist besser“, freut sich Easyjet-Chefin McCall. Zumal die Billiganbieter oft clevere Extras bieten. Norwegian hat seit Jahren Gratis-WLAN an Bord. Und bei Easyjet dürfen Vielflieger künftig kostenlos umbuchen.

Überangebot im Anflug: Flugzeugbestellungen ausgewählter Fluglinien bis 2020. (zum Vergrößern bitte anklicken)

Zu guter Letzt sind auch die Flughäfen den Billigfliegern entgegengekommen. Denen waren bisher die Gebühren der Groß-Airports zu hoch. Doch seit die Provinzflughäfen auf Druck der EU-Wettbewerbshüter Fluglinien kaum noch mit Subventionen locken dürfen, ist der Unterschied geschrumpft, zumal viele Airports den Neulingen die Marketingzuschüsse nur in den ersten Jahren gewährten. So kostet viele Billigflieger die Landung in den Metropolen kaum mehr als in der Provinz. „Und den verbliebenen Rest dürften die höheren Ticketpreise in den Großstädten mehr als wettmachen“, sagt René Steinhaus, Branchenspezialist der Beratung A.T. Kearney.

Wie der Luftkampf über Deutschland ausgeht, ist aber noch keineswegs entschieden. Zwar haben Ryanair und Co. nach einer Übersicht der Capa-Marktforscher neben der höchsten Rendite in Europa auch die niedrigsten Kosten. Um einen Passagier einen Kilometer weit zu fliegen, zahlt der ungarische Ultra-Billigflieger Wizz Air mit 3,8 Cent nur 40 Prozent dessen, was Air France ausgibt. „Doch der Abstand hat sich wegen Sparmaßnahmen der etablierten Linien verringert“, so Berater Steinhaus.

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