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Billig-Hotels Ikeas erstes Hotel bisher nur in der Phantasie

Ikea will nun auch Hotels bauen und sucht dafür schon nach geeigneten Grundstücken. Aber wie realistisch sind die Spekulationen um eine neue Ikea-Hotelkette?

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Ikea Quelle: REUTERS

Der schwedische Möbelriese will in Deutschland eine neue Billig-Hotelkette aufziehen, ein Partner sei schon gefunden, war kürzlich zu lesen. Wer sich schon länger mit der Hotellerie beschäftigt, erinnert sich: Das wollte Aldi vor vier Jahren auch schon mal. Zusammen mit der Franchise-Kette Travelodge sollten neben den Supermärkten Hotels für den kleinen Geldbeutel entstehen.

Geworden ist daraus offenbar nichts: Wer Aldi-Hotels googelt, landet bei einem ziemlich modernen Hotel Aldi in Pristina – das aber mit der Discounter-Kette nicht das Geringste zu tun hat. Und wer im Travelodge-Hotelverzeichnis an den beiden damals genannten Pilotstandorten Middlesbrough an der Ostküste Englands und Newquay in Cornwell sucht, wird ebenfalls nicht so richtig fündig. Zwar gibt es ein Travelodge-Hotel in Middlesbrough, aber ob das neben einem Aldi-Supermarkt steht oder ob sonst irgendeine Verbindung zu den Billig-Läden besteht, ist nicht erkennbar.

Nichts Konkretes

Und jetzt Ikea. Festzuhalten ist dazu erst einmal: Vorausgesetzt, das Gerücht stimmt überhaupt – was angesichts der Dementis von Seiten der Schweden nicht so ganz klar ist – müsste man noch mal genau nachschauen, welche Rolle Ikea bei dem Hotelprojekt überhaupt spielen soll (oder will). Sind die Schweden nur Investoren für die Immobilien oder wollen sie sich in ein gänzlich neues Geschäftsfeld wagen und auch gleich noch den Betreiber spielen? Was mutig wäre – Hotels zu betreiben, gar eine neue Kette und eine neue Marke aufzubauen, wo es schon heute an jeder Ecke eine Herberge gibt, ist ein anderes Business als Möbelhäuser mit einem weltweiten, starken Brand zu betreiben. Branchenexperten wie Stephan Gerhard, Chef der Hotelberatung Treugast, halten es darum für eher unwahrscheinlich, dass das Möbelhaus seine Hotels (so sie denn tatsächlich kommen) selbst betreiben würde, „dazu fehlt das notwendige Knowhow.“ 

Vielleicht ist das ganze eh eine im Sommerloch zur Welt gekommene Medienente. Denn bisher hat Ikea offenbar noch mit keiner der in Frage kommenden Betreibergesellschaften Kontakt aufgenommen: „Wir haben uns umgehört, aber bisher weiß keiner etwas Konkretes über die Ikea-Pläne“, sagt Gerhard. Sicher ist dafür aber: Die angeblich schon in deutschen (und anderen europäischen) Metropolen nach geeigneten, zentral gelegenen Grundstücken suchenden Ikea-Scouts haben einen mühsamen Job übernommen: „Für so ein Hotel sind mindestens 2500 Quadratmeter notwendig und die dürften in Innenstadtlagen kaum zu finden sein“, glaubt Berater Gerhard.

Schwieriges Segment

Die zehn umsatzstärksten Möbelhäuser
Platz 10: Schaffrath
Platz 9: Otto Quelle: dpa
Platz 8: Dänisches Bettenlager Quelle: dpa
Platz 7: Segmüller Quelle: dpa
Platz 6: Poco-Domäne Quelle: Presse
Platz 5: Roller / Tejo (Tessner-Gruppe) Quelle: dpa
Platz 5: Porta Quelle: dpa

Last-but-least: Die angeblich von Ikea entdeckte Marktlücke ist zumindest hier in Deutschland mit Motel One, Accor ibis und etlichen anderen Markenhotels ziemlich gut besetzt – von den vielen Marken-ungebundenen Herbergen vom Typ Hotel zur Post mal ganz abgesehen. „Eine Lücke sehe ich eher in der 1- oder 2-Sterne-Kategorie“, so Gerhard. Dieses Hostel-Segment gilt allerdings als schwierig: Für Innenstadtlagen reichen in aller Regel die erzielbaren Preise nicht aus, damit ein lukratives Geschäft aus so einem Plan werden könnte. Obendrein hat das in Deutschland ohnehin vergleichsweise niedrige Preisniveau in der Hotellerie hat dazu geführt, dass auch in der niedrigsten Kategorie bestimmte Komfortstandards nicht unterschritten werden dürfen, will man seine potenziellen Gäste nicht vergraulen.

Accor hat das mit seinen hierzulande erfolglosen Etap-Hotels erfahren müssen: Anders als etwa im Accor-Heimatmarkt Frankreich sind deutsche Billig-Gäste nicht bereit, Dusche und Klo mit anderen zu teilen. Würde Ikea sich mit seinem Konzept auf Zimmer mit Bett und Waschgelegenheit beschränken, wie gerüchteweise schon zu hören war, wäre das von vornherein ein Riesenhandicap.

Dienstleister



Noch viele Fragen

Bei Hotels mit kleinen Komplettzimmern sähe die Sache schon anders aus – wenn die Schweden sich kompetente Partner als Betreiber suchen würden. Sollte sich Ikea für das Hostel-Segment entscheiden, gäbe es  erfahrene Betreiber. A&O Hostels hat eine mittlerweile eingeführte Marke in diesem Segment und ist mit elf Standorten in Deutschland, zwei in Österreich und einem in der Tschechei der größte Betreiber in der Hostel-Kategorie, Meininger ist zwar weniger bekannt, mit Häusern in neun Städten aber ebenfalls erfahren. In Frage käme auch noch die Hamburger Superbude. Die besetzt zwar bisher erst zwei Standorte, trifft mit ihrem stylischen Design aber am besten den Zeitgeist und wäre so gesehen der ideale Partner für die Billy-Schweden.

Fazit: Bevor das erste Ikea-Hotel zwischen Flensburg und Passau seine Pforten öffnet und den etablierten Betreibern Konkurrenz macht, sind noch viele Fragen zu klären und darum wird wohl noch einige Zeit bis dahin vergehen. Ein anderer Newcomer ist da schon wesentlich weiter: Das Reiseportal Travel24, Teil der Online-Gruppe Unister und erst jüngst wieder wegen einiger Verstöße gegen geltendes Wettbewerbsrecht in die Schlagzeilen geraten, will demnächst selbst eine neue Billig-Hotelkette aufziehen. Die Marke Travel24 ist bekannt, auch genug Geld ist in der Kasse. Die Mutter Unister hat gerade gut 40 Prozent des Reiseportals an die Frankfurter Privatbank Metzler und die Loet Trading AG aus der Schweiz verkauft. Mit dem Geld soll der Aufbau der Hotelkette finanziert werden: „Das könnte klappen“, glaubt Gerhard.

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