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Billigairlines Lufthansa steigt stärker ins Billiggeschäft ein

Die Lufthansa muss in einem schwierigen Marktumfeld 2015 beweisen, dass sie auch billig kann. Billiges Kerosin gibt zusätzlichen Rückenwind, doch die Piloten stellen sich weiterhin quer.

Die besten Billigflieger der Welt
Platz 10: ScootDie Billigtochter der renommierten Singapore Airlines gibt es erst seit 2011. Die Fluggesellschaft reagierte damit auf die Starke Konkurrenz im Tiefpreissegment. Offenbar höchst erfolgreich. Scoot schafft es unter die Top Ten im Skytrax-Ranking der besten Billigflieger der Welt. Scoot bedient von Singapur aus zahlreiche Ziele in Ostasien und Australien wie etwa Bangkok, Nanjing, Seoul, Sydney, Taipei und Tokyo. Quelle: Screenshot
Platz 9: Jetstar AsiaDer 2004 gegründete Billigflieger ist eine Tochter der gleichnamigen australischen Fluggesellschaft. Jetstar Asia ist zu 49 Prozent in Besitz der australischen Qantas Airways. Wie auch Scoot fliegt Jetstar Asia seine Ziele von Singapur aus an. Derzeit gibt es über 20 Destinationen in Ostasien und zehn weitere in Australien, sowie Städte in Neuseeland und auf Hawaii.
Platz 8: Virgin America Ebenfalls im Jahr 2004 gründete die US-amerikanische Virgin Group einen Billigableger. Allerdings gingen die ersten Jets nach diversen Finanzierungschwierigkeiten erst 2007 an den Start. Heute verbindet Virgin America ein gutes Dutzend amerikanische Großstädte an der Ost- und Westküste miteinander. Quelle: AP
Platz 7: WestjetDie Kanadier stiegen schon 1995 ins Geschäft mit den günstigen Fluglinien nach Vorbild der Southwest Airlines ein. Mit einer Flotte von über 100 Flugzeugen und knapp 8000 Mitarbeitern lässt Chef Gregg Saretsky von Calgary und Toronto aus vor allem innerkanadische Ziele anfliegen. Einige Destinationen führen auch in die USA wie Phoenix, Las Vegas oder Honolulu aber auch nach Mexiko und auf die Cayman Inseln. Quelle: REUTERS
Platz 6: EasyjetDer britische Billigflieger ist nach Ryanair die zweitgrößte europäischen Billigfluggesellschaft und unterhält 22 Basen in ganz Europa. Von dort aus fliegt die Airline mehrere hundert Routen in Europa, nach Nordafrika, aber auch in die Türkei, Jordanien und Israel. Die Flotte umfasst mehr als 230 Flugzeuge. Mehr als 8000 Menschen arbeiten für Europas umsatzstärksten Billigflieger. Quelle: dpa
Platz 5: Indigo (Indien)Low Cost in Indien, das klang für Vielflieger lange Zeit nach einer argen Geduldsprobe. Schließlich waren selbst die vermeintlichen Top-Linien des Landes Air India oder Kingfisher lange Zeit für ihre Zumutungen am Kunden gefürchtet. Doch Indigo erreicht mit seiner Masche „karg aber solide“ praktisch überall westlichen Low-Cost-Standard. Zudem überzeugt die Line mit - zumindest für indische Verhältnisse – hoher Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. Bei Marktforschern gilt sie deshalb als eine der besten Billiglinie Asiens. Das honorieren die Kunden. Sie folgten dem versteckten Aufruf Indi-Go (Frei übersetzt: „Indien, beweg dich“) und machten das Unternehmen zur einzigen profitablen Linie des Riesenlandes. Mit knapp 80 Jets fliegt Indigo aktuell 36 Ziele an, darunter Bombay, Kalkutta, Chennai. Quelle: Screenshot
Platz 4: Jetstar (Australien)Als der australische Marktführer Qantas seine Billigtochter gründete, sollte Jetstar eigentlich nur die anderen Flugdiscounter des fünften Kontinents im Schach halten. Die Mutter wollte sich ungestört auf die profitable Langstrecke konzentrieren können. Doch als der Siegeszug der Fluglinien vom Golf Qantas in die roten Zahlen trieb, wurde der einst ungeliebte Ableger plötzlich zum Retter der Gruppe. Dank der Erfahrung mit den langen Strecken im riesigen Heimatland traute sich Jetstar schließlich auch auf Langstrecken in Richtung Asien - siehe Jetstar Asia auf Rang 9. Quelle: dpa

Global gesehen stehen der Luftverkehrsindustrie rosige Zeiten bevor, sagt zumindest der Airline-Verband IATA. 7 Prozent mehr Passagiere, eine stabile Weltwirtschaft und dauerhaft billiges Kerosin sollen die Gewinne der Fluggesellschaften 2015 um mehr als ein Viertel auf 25 Milliarden US-Dollar (20,5 Mrd Euro) steigen lassen, hat IATA-Präsident Tony Tyler im Dezember verkündet. Doch damit ist noch nichts darüber gesagt, wer am Ende zu den Gewinnern gehören wird. Gerade die deutschen Fluggesellschaften starten in ein schwieriges und möglicherweise entscheidendes Jahr.

Bei der Lufthansa liegen die Pläne auf dem Tisch, der neue Chef Carsten Spohr muss nun liefern, auch gegen heftigen Widerstand in der Belegschaft. Der erst im Mai 2014 angetretene Vorstandschef setzt auf eine Mischung aus mehr Exklusivität bei der Stammmarke und neuen Billigangeboten. Wachstum wird bei Europas größtem Luftverkehrskonzern auf Sicht nur noch im Service- und Billigflugsegment stattfinden. Während die Servicetöchter etwa für Flugzeugwartung (Lufthansa Technik) und Catering (LSG) als Weltmarktführer den Wettbewerb prägen, befindet sich Lufthansa bei den Billigfliegern bestenfalls im Verfolgerfeld.

Das soll sich bei der Lufthansa verändern

Nach der IATA-Prognose bleibt Europa ohnehin der schwierigste Markt auf dem Globus. Das billige Kerosin hilft zwar auch den Airlines auf dem alten Kontinent, doch harter Wettbewerb, ineffiziente Infrastruktur, hohe Verwaltungskosten und Steuern dämpfen die Gewinne. Im kommenden Jahr sollen sie dennoch auf 4 Milliarden Dollar (3,2 Mrd Euro) steigen nach 2,7 Milliarden Dollar im abgelaufenen Jahr 2014. Vom weltweiten Durchschnitts-Nettogewinn von sieben Dollar pro Passagier bleiben die Europäer mit 4,27 Dollar aber trotz sehr hoher Auslastung ihrer Maschinen weit entfernt.

Mit jungen, einheitlichen und effizienten Flotten sowie billigem Personal fliegen europäische Gesellschaften wie Easyjet, Ryanair und Vueling seit Jahren von Erfolg zu Erfolg. Lufthansa krempelt ihr zunächst auf deutsche Heimatflughäfen begrenztes Konzept der „Germanwings“ schon wieder um und will perspektivisch unter der einheitlichen Billig-Marke „Eurowings“ in ganz Europa unterwegs sein, möglichst mit noch weiter abgesenkten Personalkosten. Selbst ein Eurowings-Billigangebot auf der Langstrecke will Spohr 2015 etablieren und setzt dort Crews der deutsch-türkischen Lufthansa-Beteiligung SunExpress ein.

Was die Lufthansa beim Service verbessern will

Die Lufthansa-Piloten der „Vereinigung Cockpit“ laufen Sturm gegen immer neue Billignischen im Konzern. Bei ihren bislang zehn Streikwellen ging es zwar offiziell immer um die Übergangsrenten, hinter den Kulissen wurde aber erbittert um die künftige Billigstrategie gestritten. Beigelegt ist der Konflikt noch längst nicht: Verschiedene Schlichtungsvorschläge haben bislang nichts gefruchtet und auch bei den Flugbegleitern regt sich für das kommende Jahr Widerstand gegen den Spohr-Kurs.

Welche Rechte Fluggäste bei Streik haben

Große Sorgen muss sich Air Berlin als die deutsche Nummer Zwei machen. Die von der arabischen Etihad unterstützte Airline muss einen Rekordverlust von mindestens 350 Millionen Euro verkraften und endlich ein schlüssiges Geschäftsmodell mit Gewinnperspektive vorlegen.

Ab Februar übernimmt mit Stefan Pichler ein neuer Chef das Ruder, der den bereits eingeschlagenen Schrumpf- und Sparkurs wohl fortsetzen wird. Großaktionär Etihad steht dabei unter kritischer Beobachtung durch die Konkurrenz und die Politik. Sollten die Araber Air Berlin mehrheitlich beherrschen, verlöre Air Berlin seine kostbaren Start- und Landerechte an deutschen Flughäfen.

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Auch auf der Langstrecke setzen arabische Herausforderer den alten europäischen Platzhirschen weiter mit zusätzlichen Kapazitäten zu. Unter besten Bedingungen päppelt das Emirat Dubai seine Flughäfen und die Airline „Emirates“ zum kommenden Weltmarktführer, der immer mehr Fluggäste aus Asien, Afrika und Europa über sein Drehkreuz in der Wüste lenkt. Emirates ist mit seiner schnell wachsenden Flotte auch an den Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg und Düsseldorf präsent.

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