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Biocopy Dieser Mann will künftig Mutationen vorausahnen

Biocopy-CEO Günter Roth Quelle: imago-images/PR

Erst Alpha, dann Delta, jetzt Omikron. Immer wieder tauchen neue Mutationen auf. Können wir uns darauf nicht besser vorbereiten? Dieses kleine Unternehmen aus der Nähe von Freiburg will genau da ansetzen.

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Ein Innovations-Förderantrag beim Land Baden-Württemberg ist bereits gestellt. Das kleine Unternehmen Biocopy (30 Mitarbeiter) aus dem baden-württembergischen Emmendingen bei Freiburg plant Großes: Biocopy will künftige Corona-Mutationen oder zumindest Teile davon vorab finden – und zudem die Wirkung potenzieller Impfstoffe auf diese Mutationen untersuchen. CEO Günter Roth erklärt das Prinzip: „Wir werden teils simulieren und teils messen, welche Mutationen am wahrscheinlichsten auftreten könnten und stellen entsprechende Proteine her. Durch Labortests wollen wir dann künftig Teile oder gesamte Mutationen vorab finden.“

Wie das funktioniert? Bereits jetzt gilt Biocopy als Spezialist für Mutationen. Das Unternehmen kann insgesamt 100 Corona-Mutationen auf einen Schlag untersuchen. Die Basis der Innovation von Biocopy ist eine spezielle Kopiertechnologie, die im Falle der Impfstoffentwicklung die DNA eines Erregers zu Proteinen kopiert. Die Kopiertechnologie gilt als weltweit einzigartig und ist durch zahlreiche Patente abgesichert.

Zur Kundschaft zählen etwa eine Handvoll Unternehmen, die Corona-Impfstoffe entwickeln – darunter auch einige Start-ups, die erst kürzlich in die Forschung eingestiegen sind. Um welche Unternehmen es sich handelt, will und darf CEO Günter Roth nicht verraten. Die Kunden erhalten von Biocopy diverse Diagramme mit insgesamt hundert Punkten, auf denen sie ablesen können, wie viele Antikörper ihr möglicher Impfstoff erzeugt und wie gut diese gegen Mutationen wirken. Je weiter unten im Neutralisierungs-Diagramm die Punkte angesiedelt sind, desto weniger kann das Virus andocken und umso besser wirkt der Impfstoff. Ein roter Punkt bedeutet, dass der Impfstoff gegen diese Mutation nicht wirkt.



Zur Messung nutzt Biocopy einen selbstentwickelten Kavitätenchip – eine daumengroße Platte mit kleinen isolierten Hohlräumen, in denen Fragmente der genetischen Information des Mutations-Erregers verteilt sind. Je nach Kopiervorgang kann dann DNA, RNA oder Protein auf einer Messoberfläche erzeugt werden. Befinden sich auf der Messoberfläche Corona-Mutanten, reichen drei bis vier Tropfen Blut von Probanden aus, um zu sehen, wo wie viele Antikörper binden und wie gut der Schutz ist. Der Test kann sogar unterscheiden, ob die Person geimpft oder gesundet ist, da eine gesundete Person ein anderes Antikörpermuster zeigt. Die Mutation lässt sich auch mit Tierblut untersuchen – damit gäbe es schon früh einen Hinweis darauf, ob ein Impfstoff wirkt.

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    „Die gesamte Messung dauert aufgrund unserer Mikrofluidik eine halbe Stunde und wir erhalten für jede Sekunde einen Messwert“, erläutert Roth, „mit den klassischen, deutlich größeren Mikrotiterplatten, wie sie in Labors verwendet werden, brauchen Sie einen ganzen Tag, weil die Reaktionen dort sehr viel langsamer ablaufen und man für einzelne Teilschritte schon jeweils mehr als eine halbe Stunde braucht.

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    Der große Durchbruch für Biocopy steht allerdings noch aus. Das Unternehmen, eine Ausgründung der Universität Freiburg, will in zwei Jahren die Gewinnschwelle erreichen. Die Geldgeber bleiben vorerst im Hintergrund – es sind, wie Roth andeutet, Investoren aus dem deutschsprachigen Raum, insbesondere aus der Schweiz.

    Mehr zum Thema: Weltweit forschen Wissenschaftler daran, wie gut Impfstoffe gegen die Omikron-Variante wirken. Omikron-Proteine werden zum Verkaufsschlager und Biontech-Chef Ugur Sahin hat eine schlechte Nachricht – und ein paar gute.

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