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Bird, Lime, Voi, Tier Wer gewinnt den Wettkampf der E-Scooter-Verleiher?

Seit Juni vergangenen Jahres sind die elektrisch angetriebenen Roller auf den deutschen Straßen erlaubt. Quelle: imago images

Nach der Übernahme des E-Scooter-Verleihers Circ durch Konkurrenten Bird verschärft sich der Konkurrenzkampf der verbliebenen Tretroller-Unternehmen. Mit Abo-Modellen und neuen Rollern schalten sie auf Angriff.

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Die E-Scooter rollten erst seit einigen Wochen auf den deutschen Straßen, da sagte einer der ambitioniertesten Verleihdienste bereits eine Marktbereinigung voraus: „Es ist kein Geschäft für 20 konkurrierende Anbieter“, antwortete Circ-Gründer Lukas Gadowski auf der Tech-Konferenz TAO im vergangenen Juli auf die Frage nach den größten Herausforderungen. Ironie der Start-up-Geschichte: Jetzt ist Gadowski selbst der erste, der aufgeben muss.

Spekulationen über eine Marktbereinigung gab es schon länger, seit Anfang der Woche ist es offiziell: Gadowski gibt die Eigenständigkeit von Circ auf. Das Start-up mit Sitz in Berlin wird vom Konkurrenten Bird übernommen – die ehemaligen Circ-Gesellschafter erhalten im Gegenzug Anteile an dem US-Unternehmen, müssen dafür offenbar aber auch noch ein paar Millionen nachschießen.

Bird war in Deutschland vergleichsweise spät und in bislang nur sechs Städten gestartet und hat sich laut Brancheninsidern bereits länger nach einem Übernahmeziel umgesehen. Zum Volumen des Deals äußern sich beide Unternehmen nicht. Wie Bird auf Nachfrage mitteilte, wird Circ vorerst als Marke erhalten bleiben. Man kann aber davon ausgehen, dass die orangefarbenen Roller früher oder später aus dem Straßenbild verschwinden.

Für den erfolgsverwöhnten Seriengründer Gadowski, der unter anderem StudiVZ und Delivery Hero mitaufgebaut hatte, ist das ein Rückschlag: Mehrfach hatte er zum Marktstart von Circ – das Unternehmen hieß damals noch Flash – betont, das Verleihgeschäft nicht amerikanischen Konkurrenten überlassen zu wollen. Doch offenbar konnten die Geschäftszahlen nach einer initialen Finanzierung über 55 Millionen Euro keine Geldgeber mehr überzeugen.

Parallelen zum Fernbus-Start

Neben Bird bleiben in Deutschland vorerst noch der US-Anbieter Lime, Voi aus Schweden und Tier Mobility aus Berlin übrig. Hinzu kommt eine Vielzahl kleinerer Verleihdienste. Erleichterung über das Ausscheiden eines Wettbewerbers herrscht in der Branche aber nur bedingt. Denn: Bei potenziellen Investoren dürfte das schnelle Ausscheiden von Circ dazu führen, auch bei den verbliebenen Anbietern genauer hinzusehen.

Seit Juni vergangenen Jahres sind die elektrisch angetriebenen Roller auf den deutschen Straßen erlaubt. Gestartet waren die meisten Anbieter mit Dutzenden Millionen Euro von Investoren. Doch nach der ersten Euphorie im Sommer folgte der kalte und ertragsärmere Winter. Die Frage ist nun, welches E-Scooter-Start-up seine Akkus wieder aufladen kann.

Vergleiche mit dem Fernbusmarkt drängen sich auf. Als 2013 eine Gesetzesänderung die Fahrten innerhalb Deutschlands erlaubte, drängten Dutzende Unternehmen in den neuen Markt. Schon nach kurzer Zeit kam es zu ersten Fusionen. Bald dominierte Flixbus dank vieler Zukäufe. „Beide Märkte haben vergleichsweise niedrige Eintrittshürden“, sagt Kersten Heineke, Mobilitäts-Experte und Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey in Frankfurt. „Das lockt viele Start-ups an.“

Ein wesentlicher Unterschied: Während es für bei Fernbusfahrten lästig ist, je nach Reiseziel einen passenden Anbieter zu suchen, ist die Wechselbereitschaft der Scooter-Fahrer groß. „Kunden können mühelos eine weitere App herunterladen, wenn sie einmal nicht auf ihren Stammanbieter treffen“, sagt Heineke. Er erwarte deswegen, dass es zwar zu weiteren Übernahmen kommt – sich aber durchaus mehrere Anbieter durchsetzen können.

McKinsey ist dabei grundsätzlich optimistisch, was das Geschäftsmodell der Verleihdienste angeht. Vor einem Jahr hatte die Beratung durchgerechnet, dass ein einzelner E-Scooter schon nach vier Monaten Gewinn abwerfen kann. Angenommen wurden dabei fünf Verleihvorgänge pro Tag.

Teure Expansion in die Provinz

Andere Branchenexperten bezweifeln indes, dass sich mit einem E-Scooter-Verleih auf absehbare Zeit überhaupt Geld verdienen lässt. „Das Geschäftsmodell funktioniert nur in ausgewählten Metropolen“, sagt etwa Friedemann Brockmeyer, Experte für neue Mobilitätsangebote bei Civity. Das auf den Verkehrssektor spezialisierte Hamburger Beratungsunternehmen hatte den E-Scooter-Markt in einer im Herbst veröffentlichten Studie genau angesehen – und kam zu dem Schluss, dass die Anbieter ihr Geschäft vor allem mit Touristen in Großstädten machen. Brockmeyer sagt daher eine Konsolidierungswelle voraus: „In den kommenden ein, zwei Jahren werden weitere Anbieter ausscheiden.“

Zwar beteuern alle Start-ups, sich auf profitable Standorte konzentrieren zu wollen. Im Ringen um Marktanteile und Bekanntheit treiben sie aber ungebrochen ihre Expansion voran. Der Wettbewerb hat auch Kleinstädte erreicht. So ist in dieser Woche mit Voi vor wenigen Tagen der zweite Anbieter in Fürth gestartet. Besonders offensiv expandiert Tier Mobility: Das Berliner Unternehmen hat seine grünen Tretroller bereits in 33 deutschen Städten platziert. Allein in diesem Jahr kamen – trotz des trüben Januarwetters – schon sechs hinzu. Bei Voi und Lime sind es knapp halb so viele deutsche Standorte, Circ ist in zehn Städten aktiv.

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