Boston Consulting Group Wie bei der Piratenpartei

Rich Lesser, künftiger Chef der zweitgrößten Unternehmensberatung der Welt, steht für einen Neuanfang. Er will integrieren und an alte liberale Traditionen anknüpfen.

Die Top-Beratungsmarken der Manager
Unternehmensberatung Quelle: Fotolia.com
Platz 15: Cap Gemini - der Pionier in der Kombination von IT und Change Management
Platz 14: Oliver Wyman, aus Mercer wurde 2007 Oliver Wyman – doch das hat nicht jeder Manager auch mitbekommen. Quelle: PR
Platz 13: A.D. Little ist wieder im Aufwind Quelle: Reuters
Platz 12: Deloitte ist die Beratungssparte eines globalen Wirtschaftsprüfungsgiganten Quelle: dapd
Platz 11: KPMG schaffte es als Beratungsmarke aus dem Stand heraus auf Platz 11 Quelle: AP
Platz 10: Accenture - führende Beratungsmarke für IT in Deutschland Quelle: Screenshot
Platz 9: Horváth & Partners sammelt mit seinen Controllingpäpsten Punkte Quelle: PR
Platz 8: Booz & Company - hatte einen Marken-Relaunch zu verdauen1914 von dem Diplom-Psychologen Edwin G. Booz in Chicago gegründet, trennte sich die Beratung Booz Allen & Hamilton 2008 von ihrer tragenden Säule, dem Geschäft mit den Regierungsbehörden in den USA. Die US-Government-Sparte firmierte weiter unter der Traditionsmarke „Booz Allen & Hamilton“. Doch auch die rund 200 Partner und 3300 Mitarbeiter des Strategieberaterzweigs wollten nicht ganz auf den Traditionsnamen ihrer Firma verzichten und tauften sich in „Booz & Company“ um. Dass es sich seit der Trennung um zwei verschiedene Häuser handelt, ist bis heute allerdings noch nicht vollends im Markt durchgedrungen. Warum es den Markenspezialisten der US-amerikanischen Managementberatung überdies nicht aufgefallen ist, das “boozy“ (zu Deutsch: „versoffen“) eher negativ konnotiert ist, bleibt deren eigenes Geheimnis. Booz & Company ist ein Vollsortimenter – also als eine international aufgestellte Beratung, die Unternehmen aus allen Branchen sowie die öffentliche Hand in puncto Strategie berät. „Ruf und Bekanntheit der Marke sind hoch, etwas durchschnittlicher fallen die erzielten Ergebnisse zur Erhöhung des Betriebsergebnisses beim Kunden aus“, sagt Höselbarth. Die Booz-Berater gelten als besonders teamorientiert. Der Zusammenschluss mit A.T. Kearney soll unter anderem an unterschiedlichen Vorstellungen darüber gescheitert sein, in welcher Art und Weise Projekte durchgeführt werden. Beeindruckend an Booz & Company ist die sehr hohe Internationalität der Berater und Beraterinnen. Bekanntheitsgrad: 81 Prozent Ruf: zu 19 Prozent positiv Betriebsergebnis-Steigerung: Note: 2,52 (Skala 1 = gering bis 5 = stark) Foto: Steffen Leistner, Geschäftsführer und Vizepräsident bei Booz & Company Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche
Platz 7: Simon Kucher & Partners - kein Hidden Champion mehr, sondern der Champion für Pricing Quelle: Uli Reinker für WirtschaftsWoche
Platz 6: A.T. Kearney – eine Hands-on-Beratung steigert ihren Bekanntheitsgrad
Platz 5: Bain & Company - der Shooting Star im Beratermarken-Ranking 2011 Quelle: PR
Platz 4: PricewaterhouseCoopers platzierte sich direkt hinter McKinsey, BCG und Roland Berger Quelle: dpa
Platz 3: Roland Berger ist die bedeutendste internationale Unternehmensberatung deutschen Ursprungs Quelle: dpa
Platz 2: McKinsey – keine zweite Beratermarke polarisiert so stark Quelle: obs
Platz 1: The Boston Consulting Group ist die führende Beratungsmarke Deutschlands 2011 Quelle: Bert Bostelmann für WirtschaftsWoche

Nach neun Jahren unter dem Deutschen Hans-Paul Bürkner steht von 2013 an mit Rich Lesser wieder ein Amerikaner an der Spitze der Boston Consulting Group (BCG). Kein zweites Beratungshaus leistet sich so viel Basisdemokratie: „Bei uns ist es fast wie bei der Piratenpartei“, sagt ein Partner über das wochenlange Auswahlverfahren für den künftigen Chef. „Jede Partner-Stimme wiegt gleich schwer, und die intensiven Diskussionen über den zukünftigen Kurs hatten eine große selbstreinigende Wirkung.“

Der 49 Jahre alte Wahl-New-Yorker, bisher Leiter des Amerika-Geschäfts, ist in den Top-Etagen der US-Konzerne bestens verdrahtet. Lesser gilt als integrativ und teamorientiert. Und er bringt mit, was BCG nach Bürkner braucht. Der hatte es zwar geschafft, den Umsatz von 1,5 auf 3,5 Milliarden Dollar mehr als zu verdoppeln. Die BCG-Kultur der liberalen Vielfalt und Partnerschaft nahm dabei aber Schaden. Lesser steht für einen Neuanfang. Er will an die alte BCG-Tradition der intellektuell brillanten Strategieberatung mit sozialem Gewissen anknüpfen.

Stärken und Schwächen

„New York, New York – if I can make it there, I’ll make it anywhere.“ Der Sinatra-Song könnte fürs Erste zu Lessers Lebensmotto werden. Zwar leitet er schon seit 2009 das Nord- und Südamerika-Geschäft von BCG, viel Erfahrung im Umgang mit Europäern und Asiaten kann er aber nicht vorweisen. Der smarte Ostküstenliberale dürfte aber weltoffen genug sein, um auch das internationale Parkett zu erobern. Zumal er dem gängigen Berater-Klischee des gegelten, hosenträgertragenden und nassforschen Besserwissers so gar nicht entspricht. Lesser ist eher der Gegenentwurf, der mehr bringt als erwartet: „Der Mann ist kein Charismatiker, er schafft es aber, die Menschen für die Sache zu begeistern“, lobt ein Kollege.

Ziele und Visionen

Rich Lesser glaubt fest an neue Wachstumschancen für Amerika und Europa. „Die Lohnkosten in China steigen, die Fabriken kehren zu uns zurück“, sagt er. Der steigende Lebensstandard in den Schwellenländern würde innovativen Unternehmen neue Wachstumschancen bescheren. Diese für seine Kunden herauszuarbeiten und damit für mehr Wohlstand rund um den Globus zu sorgen sieht Lesser als Hauptziel von BCG.

Wachstum um des Wachstums willen – wie Kritiker es seinem Amtsvorgänger Bürkner vorwarfen – ist von Lesser nicht zu erwarten. Bürkner-Schelte betreibt er aber auch nicht. Der habe „eine wunderbare Plattform hinterlassen, auf der wir jetzt aufbauen können“. Der 49-Jährige will die Expertise seiner weltweit 8400 Berater verbreitern und „die einzigartige Unternehmenskultur von BCG und das Erbe des innovativen Vordenkertums bewahren“, schwärmt er. Für die Bürkner-Gegner in den eigenen Reihen dürfte das Balsam für die Seele sein.

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