BrandIndex

Air Berlin ist Preis-Leistungs-Sieger

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Die angeschlagene Fluglinie Air Berlin scheint sich zu erholen. Das Sparprogramm greift, es werden neue Strecken eröffnet, die Flugzeuge sollen mit Internet ausgestattet werden. Das honorieren die Kunden heute schon.

Aufstieg und Niedergang von Air Berlin
Kim Lundgren (l), Mitgründer und Präsident der 'Air Berlin Inc.' und Pilot, mit seinem Sohn Shane Lundgren, ebenfalls Pilot bei Air Berlin Inc. Quelle: airberlin
Joachim Hunold Quelle: airberlin
Einstieg ins Linienfluggeschäft Quelle: airberlin
Service an Bord von Air Berlin 2003 Quelle: airberlin
Niki Lauda (2009) Quelle: dpa
Airbus A 320 (2005) Quelle: airberlin
dba Air Berlin Quelle: AP

Der Jahreswechsel muss Air Berlin gefreut haben. Denn die im Jahr 2014 vernehmbaren Meldungen gehen plötzlich in eine ganze andere Richtung als noch die Hiobs-Botschaften im vergangenen Jahr. Jetzt liest man Nachrichten, dass Air Berlin und die Partner-Airline Etihad ihr gemeinsames Streckennetz ausbauen, ihr touristisches Angebot erweitern und ihren Kunden demnächst auch Internet und ein erweitertes Entertainment-Angebot bieten wollen. 2013 war noch von Verlust, negativem Eigenkapital und Umsatz unter den Vorjahreswerten die Rede.

Dass es mit Air Berlin aufwärts geht, scheint gerade nicht nur von verschiedenen Medien so gesehen zu werden: Im Markenmonitor BrandIndex des Marktforschungsinstituts YouGov ist der Aufschwung messbar, etwa im Buzz. Er zeigt an, wie positiv oder negativ eine Marke derzeit im öffentlichen Gespräch ist. Air Berlin legte hier im vergangenen halben Jahr kräftig zu.

Mehr Markenkenner entscheiden sich für Air Berlin

Die Aktivitäten von Air Berlin – Sparprogramm, Streichen unrentabler Strecken, Investition in Service und Qualität – scheinen aber nicht nur zu bewirken, dass über die Fluglinie wieder besser gesprochen wird. Die Menschen wollen auch wieder vermehrt mit ihr fliegen. So geben heute 28 Prozent aller Air-Berlin-Kenner an, Air Berlin in die engere Wahl zu ziehen, wenn eine Entscheidung für eine Fluglinie ansteht. Vor einem halben Jahr waren es noch zwei Prozentpunkte weniger. Nur Lufthansa wird noch häufiger genannt, doch stagniert. Auch andere Fluglinien wie Germanwings, Emirates, Singapore Airlines und Swiss Air konnten hier nicht dazu gewinnen.

Wirbel um kinderfreie Zonen
Das Deutsche Institut für Service-Qualität wollte es wissen: Mit welchen Airlines fliegen die Deutschen am liebsten? Für das Ranking wurden 1186 Personen zu der Fluggesellschaft befragt, die sie in den letzten zwölf Monaten am häufigsten genutzt haben. Im Mittelpunkt stand die Meinung zu Service und Flugangebot sowie zu Zuverlässigkeit/Sicherheit und Preis-Leistungs-Verhältnis. Darüber hinaus flossen Ärgernisse und die Weiterempfehlungsbereitschaft in die Wertung ein. Nicht dabei ist Air Asia, die allerdings auch nicht mehr nach Europa fliegt. Malaysias Billig-Linie sorgt aktuell mit kinderfreien Zonen für Schlagzeilen. Die ersten sieben Economy-Reihen der Air Asia-Jets sind für Kinder unter zwölf Jahren tabu. Erwachsene, die in der ruhigen Zone sitzen wollen, müssen einen Aufschlag zahlen. Die Airline verspricht „Frieden und Stille“ für ein paar Euro und verbannt die Familien in den hinteren Flugzeugteil. In Internet-Foren findet sich viel Empörung. Deutsche Fluggesellschaften versichern, es gebe keine Pläne für kinderfreie Zonen. Quelle: dpa
Michael O'Leary (M), Chef des Billig-Fliegers Ryanair, mit zwei Stewardessen Quelle: dpa/dpaweb
Check-In Automaten der Lufthansa und von Germanwings Quelle: dpa
Flugzeuge der Gesellschaft airberlin Quelle: dpa
Fluggäste des britischen Billigflieger "easyjet" Quelle: dpa/dpaweb
Modell einer Boeing 737-800 mit dem neuen Schriftzug TUIfly.com steht am Freitag (12.01.2007) in Hannover der bisherige HLX-Chef Roland Keppler. Quelle: dpa
Eine Stewardess zeigt am 21.11.2012 in München (Bayern) am Flughafen im Business-Class-Bereich einer Boeing 747-8 Intercontinental die Sitze. Quelle: dpa

Und auch bei der Frage, für welche Fluglinie man sich konkret entscheiden würde, hat sich Air Berlin deutlich verbessert. Sagte vor einem halben Jahr noch jeder 18. Markenkenner, Air Berlin sei die erste Wahl, so ist es heute jeder zwölfte. Wenn sich die Umfrageergebnisse direkt in Kundenzahlen niederschlagen würden, hieße das: 50 Prozent mehr Passagiere.

Qualität nicht das ausschlaggebende Kriterium

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Das Hauptargument für Kunden, mit Air Berlin zu fliegen, ist deutlich erkennbar. Es ist nicht die Qualität – hier konnte sich die Fluglinie zwar verbessern, liegt aber deutlich hinter anderen großen Fluglinien wie Lufthansa, Emirates und Condor zurück. Es ist das Preis-Leistungs-Verhältnis, in dem Air Berlin ungeschlagen ist. Die Marke erreicht hier +21 Punkte (auf einer Skala von -100 bis +100 Punkte). Sie verbessert sich damit seit Mitte 2013 um fünf Punkte. Zum Vergleich: Lufthansa (aktuell +17 Punkte), Germanwings (+14) und Condor (+13) werden von den Befragten ein deutlich schlechteres Preis-Leistungs-Verhältnis zugeschrieben.

Air Berlin könnte damit seine Marktlücke gefunden haben: Relativ günstige Flüge mit einer ordentlichen Qualität. In der Kategorie Qualität wird die Airline die Marktführer Lufthansa und Emirates wohl kaum einholen können. Das ist aber anscheinend auch nicht nötig, denn potenzielle Kunden, die sich für Air Berlin entscheiden würden, werden mehr.

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