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BrandIndex

Lufthansa und Germanwings: Ungleiche Partner

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Die Lufthansa gibt innerdeutsche und -europäische Strecken nach und nach an Germanwings ab. Doch ihr zwar angekratztes, aber immer noch gutes Image wird sie nicht so leicht auf die Tochter übertragen können.

Die weltbesten Fluglinien
Die First Class in einem A340 von Emirates Quelle: AP
Ein Flugzeug der Turkisch Airlines Quelle: REUTERS
Eine Frau beim Check in bei Qantas Quelle: Presse
Zwei Flugzeuge der Air New Zealand Quelle: AP
Ein Flugzeug von Etihad Airways Quelle: AP
Flugzeuge von Thai Airways Quelle: REUTERS
Ein Paar in der First Class der Cathay Pacific Airways Quelle: Presse

Rote Zahlen seit Jahren – damit soll jetzt Schluss sein. Die Lufthansa verschiebt einen Großteil ihrer Kurzstrecken-Verbindungen zu ihrer Billig-Airline Germanwings. Gespart wird unter anderem beim Personal. Ab Juli will Germanwings sich neu aufstellen, doch der gerade in Kraft getretene Sommerflugplan gibt schon die Richtung vor. Das macht sich vor allem in Hamburg bemerkbar, von wo Germanwings jetzt 15 europäische Ziele ansteuert. Wer Lufthansa gebucht hatte, wird automatisch umgebucht. Doch Passagieren ist es nicht egal, mit welcher Fluggesellschaft sie unterwegs sind.

Was die Deutschen nervt
Die weltweit größte Reise-Website TripAdvisor hat in einer aktuellen Umfrage unter 1045 Nutzern das Flugverhalten deutscher Reisender unter die Lupe genommen. Neben Handy- und Internetnutzung während des Fluges standen auch Flugpreise und die Buchung im Fokus der Befragung. Quelle: dpa
Befragt wurden die Reisenden nach konkreten Fällen: Störend oder nicht? Ziemlich eindeutig fiel die Antwort auf die Frage aus, ob das Telefonieren mit dem Handy im Flugzeug erlaubt sein sollte. 913 der 1.045 Befragten befürworten das bestehende Handy-Verbot an Bord, nur 132 wollen auch während des Fluges auf ihre Erreichbarkeit nicht verzichten. Quelle: picture-alliance
Anders verhält es sich dagegen mit der Internetnutzung an Bord. Knapp mehr als die Hälfte (528) wünschen sich ein W-LAN-Angebot in den Maschinen, um auch während des Fluges auf ihre Mails, Facebook oder Twitter zugreifen zu können. Im Gegensatz zu 106 weiteren Umfrage-Teilnehmern würde die Mehrheit für W-LAN allerdings keinen Aufpreis zahlen. Mit 411 Befragten lehnt hingegen gut ein Drittel die Internetnutzung im Flugzeug kategorisch ab. Quelle: Reuters
Die meisten Reisenden sehen das Fliegen sehr pragmatisch als eine Möglichkeit, schnell und problemlos von nach A nach B zu gelangen (490 Befragte). Nur 29 von 1.045 Nutzern gaben an, unter Flugangst zu leiden, ebenso viele sind froh, wenn der Flug einfach nur schnell vorbei geht. Quelle: dpa
Etwas überraschend fiel dagegen die Antwort aus, worauf Kunden bei der Auswahl der Fluggesellschaft am meisten Wert legen. Verblüffend: Nur ca. 58 Prozent gaben die Sicherheit als entscheidendes Kriterium an. Mehr Wert legen Fluggäste dagegen offenbar auf einen günstigen Flugpreis (73 Prozent), komfortable Flugzeiten (62 Prozent) und ausreichend Beinfreiheit (60 Prozent). Quelle: dapd
Die Zeiten, in denen sich über Billig-Airlines wirkliche Schnäppchen ergattern ließen, sind nach Meinung der Befragten offenbar vorbei. Da Airlines wie Ryanair Angebote wie Bordverpflegung und Gepäckmitnahme, die bei anderen Fluggesgellschaften im Flugpreis meist inbegriffen sind, extra berechnen, sehen nur noch wenige einen Kostenvorteil (837 Befragte). Mit 200 Nutzern ist nur noch knapp ein Fünftel von der Preisgestaltung der Billigflieger überzeugt. Quelle: dpa
Schnäppchen lassen sich heute vor allem über den Vergleich verschiedener Anbieter erzielen. Zu diesem Zweck finden sich im Internet zahlreiche Vergleichsportale wie opodo.de, momondo.de oder swoodoo.com, die sich bei den Nutzern großer Beliebtheit erfreuen. 60 Prozent der Befragten gaben an, vor der Flugbuchung grundsätzlich im Internet Preise zu vergleichen, etwa 36 Prozent nutzen diese Möglichkeit zumindest manchmal. Immerhin 4,6 Prozent halten einen Vergleich vorab für überflüssig und verzichten auf die Dienste der Internetportale. Quelle: dpa

Germanwings mit starker Konkurrenz

Das zeigt der YouGov-Markenmonitor BrandIndex überdeutlich. Rund 150 Imagepunkte trennen die bestangesehene und die am schlechtesten bewertete Fluggesellschaft auf der 200 Punkte umfassenden Skala: Ryanair bleibt sich als Tiefflieger unter den im BrandIndex vertretenen Fluggesellschaften mit aktuell -68 Punkten treu. Ganz oben hingegen findet sich die Lufthansa mit +80 Punkten. Germanwings landet im Mittelfeld und kann mit der Muttergesellschaft nicht mithalten. Der Billigflieger rangiert auf rund +20 Punkten – ein himmelweiter Abstand zur Lufthansa. Dazwischen liegen Wettbewerber wie Air Berlin (+33) und TUIfly (+55). Der Konzern riskiert also, dass Kunden, die nicht mehr von Lufthansa bedient werden, bei der Konkurrenz einchecken, statt in eine Germanwings-Maschine zu steigen.

Lufthansa leidet unter Streiks und Chaos

Das Image der größten deutschen Airline hat im vergangenen Jahr deutlich gelitten. Schlechte Zahlen, Streiks und Chaos durch die Verzögerungen beim Berliner Flughafenbau ließen die Lufthansa in der Gunst der Kunden sinken. Condor und Swiss, die auf dem Level zwischen +60 und +70 Imagepunkten um Rang 2 und 3 wetteifern, genossen im September und Oktober 2012 sogar kurzzeitig ein besseres Image als die Lufthansa. Zwar hat sie sich inzwischen erholt, doch die Verschiebung der meisten Kurzstrecken – und Stammkunden – zu Germanwings dürfte das Image kaum weiter steigen lassen.

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Auch Germanwings geriet 2012 in Turbulenzen und büßte Punkte ein. Es wurden Zwischenfälle bekannt, bei denen es zu Gas- oder Rauchbildung im Cockpit gekommen war. Sonst beständig deutlich im Plus, näherte sich Germanwings im Oktober 2012 gefährlich negativen Imagewerten. Wie die Muttergesellschaft hat sich die Marke aber vergleichsweise schnell wieder von den Rückschlägen erholen können.

Wie schwach Germanwings derzeit positioniert ist, zeigen auch die anderen Dimensionen des BrandIndex. So überrascht, dass Germanwings in Sachen Preis-Leistungsverhältnis nicht besonders gut abschneidet - Muttermarke Lufthansa schneidet in diesem Punkt interessanterweise wesentlich besser ab. Ähnliches gilt auch für die Qualitätswahrnehmung der Verbraucher, was jedoch weniger verwundert.

Ob die neue Strategie also letztlich wirklich den gewünschten Erfolg zeigen wird, dürfte auch maßgeblich davon abhängen, welche Kommunikationsmaßnahmen die Lufthansa in Sachen Markenpositionierung treffen wird.

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