WiWo App Jetzt gratis testen!
Anzeigen
BrandIndex

McDonald's und Co. leiden unter Gesundheitshype

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

McDonald's macht mehr Umsatz als früher. Trotzdem ist die Stimmung gedrückt: weniger Gäste, schlechteres Image. Doch das geht nicht nur McDonald's so. Die Fast-Food-Branche verliert insgesamt an Ansehen. Eine Trendwende?

Das Erfolgsrezept von McDonald's
"Golden Arches" Quelle: dapd
Ray Kroc Quelle: dpa
Der McDonalds-Clown Quelle: AP
McDonald's in Deutschland
McDrive Quelle: AP
Günter Wallraff Quelle: dapd
McCafé Quelle: REUTERS

„Scharf? Kennste? Kennste scharf? Kennste nich? Dann kommste und probierste.“ Ungefähr so bewirbt der Comedian Mario Barth zurzeit die scharfe Currywurst, die seit ein paar Wochen bei McDonald’s erhältlich ist. Und das ist nur eine der Werbeaktionen, mit denen McDonald’s derzeit versucht positiv aufzufallen. So lässt sich auf der Website „Mein Burger“ gerade wieder der eigene Burger zusammenstellen.

Mit solchen Aktionen will McDonald’s wohl dem Gästeschwund entgegenwirken. Zwar ist der Umsatz im Jahr 2012 im Vergleich zu 2011 um gute 50 Millionen Euro gestiegen, doch insgesamt wurden die Fast-Food-Filialen von weniger Gästen besucht. Das Umsatzplus ist laut der Fachzeitschrift „Food Service“ darauf zurückzuführen, dass die Gäste pro Besuch mehr Geld ausgeben.

Auch McCafé verliert an Ansehen

McDonald’s sieht sich aktuell nicht nur mit Gästeschwund, sondern auch mit sinkenden Imagewerten konfrontiert. Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex sinkt das Image innerhalb eines Jahres um knapp neun Punkte. McDonald’s erreicht jetzt -5 Imagepunkte. Das ist noch nicht dramatisch schlecht – allerdings heißt dieser Wert, dass jetzt mehr Menschen die Marke generell negativ bewerten als positiv – vor einem Jahr war das noch anders herum.

Was Sie im Restaurant bestellen – und was Sie bekommen
MineralwasserWer ein Mineralwasser bestellt, bekommt unter Umständen auch einfach nur aufgesprudeltes Leitungswasser oder billiges Wasser vom Discounter - umgefüllt in schicke Flaschen teurer Marken. Der Grund ist klar: So lässt sich Geld sparen. Wer nur "ein Wasser" bestellt, anstatt explizit ein Mineralwasser, darf leider auch nicht mehr erwarten. Diese und weitere Schummeleien in der Gastronomie prangert die Verbraucherzentrale Hamburg in ihrer Mogelliste an. Quelle: dpa
SchafskäseStatt Feta beziehungsweise Schafskäse wird gerne der billigere Hirtenkäse aus Kuhmilch serviert. Im schlimmsten Fall landet das bis zu 40 Prozent billigere Schafskäseimitat auf dem Teller. Es enthält unter anderem Wasser, Pflanzenfett, Geschmacksverstärker und Milcheiweiß. Erkennen kann der Gast diesen Betrug an der Konsistenz des vermeintlichen Käses. Wo das Original eher porös ist, besteht das Imitat aus einer homogenen, schnittfesten Masse. Quelle: dapd
KäseAuch beim Käse auf Pizza oder sonstigen überbackenen Gerichten wird gern geschummelt. So findet sich laut Verbraucherschützern in Restaurants gerne Analogkäse, also ebenfalls eine Mischung aus Wasser, Pflanzenfett und Milcheiweiß, auf Aufläufen und Co. Prinzipiell müsste dies in der Speisekarte als "Pizzabelag mit Pflanzenfett" gekennzeichnet werden. Wirte, die nur "überbacken" auf die Karte schreiben, umgehen den Hinweis auf die Mogelpackung und sind somit rechtlich abgesichert. Welche Lebensmittelkennzeichnungen noch alle legal sind, erfahren Sie übrigens hier. Quelle: dapd
SchinkenGleiches gilt für den Schinken auf der Pizza, im Salat oder zum Spargel: Statt Kochschinken landet gerne das billige Formfleisch oder Schinkenimitat auf dem Teller. Letzteres besteht aus einem schnittfesten Gel, das 40 bis 60 Prozent Fleischstücke, Wasser, Stärke und Soja enthält. Zu erkennen sind die Imitate nur mit Hilfe eines Mikroskops. Wer künstlichen Schinken serviert, müsste das als "Pizzabelag aus Vorderschinkenanteilen nach Brühwurstart zusammengefügt" oder "Formfleischschinken aus Schinkenteilen zusammengefügt" deklarieren. Bei Tests sind im letzten Jahr 40 bis 50 Prozent des in Restaurants servierten Schinkens beanstandet worden. Quelle: dpa/dpaweb
SchnitzelDer gängige Schnitzelbetrug ist da noch deutlich weniger unappetitlich: Wer ein Wiener Schnitzel bestellt, erwartet ein speziell paniertes Kalbsschnitzel. Alles andere müsste als "Schnitzel Wiener Art" bezeichnet werden. Tester bekamen stattdessen sowohl panierte Puten- als auch Schweineschnitzel. Quelle: dpa
KartoffelgerichteStatt frischer Kartoffeln finden - ebenfalls aus Kostengründen - oft Kartoffeln aus dem Glas den Weg in deutsche Restaurantküchen. Auch bei Bratkartoffeln oder Gratins ist die Variante aus der Tüte ein oft verwendeter Ersatz. Quelle: dpa
WeinbergschneckenUnd auch in Feinkostrestaurants sind Gäste nicht vor Mogelpackungen gefeit: Statt den verhältnismäßig teuren Weinbergschnecken verirrt sich auch die ein oder andere günstige Achatschnecke in Pfannen und Töpfe. Quelle: dpa

Sorgen machen könnte McDonald’s Deutschland auch die hauseigene Marke McCafé, die nach der Einführung zunächst eine beeindruckende Entwicklung gezeigt hat. Die steht generell mit über 20 Imagepunkten im Vergleich zur Muttermarke relativ gut da. Doch auch hier ist ein deutlicher Abwärtstrend zu erkennen. Vor einem Jahr wurde McCafé mit +35 Imagepunkten bewertet, inzwischen sind es zwölf weniger. Einziger Trost: Auch Kaffeehaus-Konkurrent Starbucks gehört zu den Imageverlierern.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%