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BrandIndex

Neue Zahlungsdienstleister müssen an Paypal vorbei

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Ein Verbund aus Banken will einen neuen Zahlungsdienst für den Online-Handel entwickeln. Das wird nicht leicht: Paypal kennen viele und ist überaus beliebt.

Startbildschirm der PayPal-App in einer Lebensmittelabteilung Quelle: dpa

„Die Kunden verstehen nicht, warum das immer noch nicht vernünftig funktioniert. Geben Sie den Endkunden endlich ein wirklich gutes Mobile-Payment-Verfahren, und sie werden es Ihnen aus der Hand reißen.“ Das hat vor einem Jahr der Wirtschaftsinformatiker Key Pousttchi gesagt, der an der Universität Potsdam unter anderem zum Thema Mobiles Bezahlen forscht. Heute ist das einfache Bezahlen mit dem Smartphone in Deutschland immer noch nicht möglich, jedenfalls nicht flächendeckend. Im Supermarkt bleiben als Zahlungsmittel Bargeld, EC-, manchmal Kreditkarte.

Ein Verbund aus privaten Banken, Genossenschaftsbanken und wohl auch Sparkassen wollen das jetzt ändern und ein System für das Bezahlen im Netz entwickeln. Und wenn das gut funktioniere, könne man das auch auf das mobile Bezahlen im Supermarkt ausweiten, heißt es. Die Ankündigung klingt vielversprechend, auch der Entwicklungsetat von 100 Millionen Euro.

Bezahlen per PayPal

Kunden erkennen bislang keinen Sicherheitsmangel

Ein großes Problem haben die Banken aber jetzt schon – und das heißt Paypal. Fast jeder zweite Einkauf im Internet läuft über den Zahlungsdienstleister von Ebay, unter Internetnutzern kennen 90% Paypal. Und: Der Service ist überaus beliebt. Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex erreicht die Marke in fast allen Kategorien Spitzenwerte: Auf unserer Skala von -100 bis +100 Punkte verbucht Paypal beim allgemeinen Eindruck +39 Punkte. Ing-Diba, Visa und Sparkasse liegen mit Werten um die 20 Punkte mit einigem Abstand dahinter. Auch würde Paypal von den Verbrauchern am häufigsten aller Marken des BrandIndex-Sektors „Finanzen“ weiterempfohlen. Das lässt vermuten, dass Paypal noch keinen Banken-Malus mit sich trägt, was ein neuer Anbieter, von der Banken-Allianz gegründet, wahrscheinlich vom Start weg hätte.

So bezahlen die Deutschen im Netz
Das Electronic-Commerce-Center Handel vom Kölner Institut für Handelsforschung und die Hochschule Aschaffenburg haben in ihrer aktuellen Payment-Studie "Der Internetzahlungsverkehr aus Sicht der Verbraucher", den Online-Kunden auf die Finger geschaut: Womit zahlen die Deutschen am liebsten, wenn sie online einkaufen? Und gibt es Unterschiede beim Bezahlverhalten, wenn der Kunde mit dem Smartphone oder am Computer shoppt? Für das Ranking haben sich die Wissenschaftler 7.958 Bezahlvorgänge von 993 Webshoppern angeschaut. Das Ergebnis: 0,7 Prozent nutzen giropay, ein Online-Bezahlverfahren, das auf der Überweisung des Online-Bankings basiert und von verschiedenen deutschen Banken angeboten wird. Hinter der Die giropay GmbH stehen Postbank, Sparkassen und Volksbanken Raiffeisenbanken. Eine Registrierung bei giropay ist nicht nötig, es genügt ein Girokonto, das für Online-Banking per TAN-Verfahren freigeschaltet ist. Bei Online-Einkäufen per Smartphone gaben 13,2 Prozent an, schon einmal giropay benutzt zu haben, 41,2 Prozent können es sich zumindest vorstellen, mit dem Smartphone per giropay zu zahlen. Quelle: Screenshot
Prepaid-Karten nutzen ein Prozent der Online-Shopper zum Bezahlen im Netz. Die Prepaidkarten gibt es, wie auch Handy-Prepaidkarten, im stationären Handel zu kaufen. Das jeweilige Guthaben kann dann bei Online-Einkäufen ausgegeben werden. Bei den Smartphone-Einkäufen haben immerhin 17,2 Prozent schon einmal auf eine solche Guthabenkarte zurückgegriffen. Quelle: Fotolia
Viele Geschäfte, die einen Online-Shop betreiben, bieten ihren Kunden an, die Ware online zu bestellen und in der Filiale abzuholen. Bezahlt wird dann bar oder mit EC-Karte bei Abholung. Das Prinzip widerspricht zwar dem Gedanken des E-Commerce, wird aber von Online-Kunden akzeptiert: 1,2 Prozent nutzen diese Option. Bei den Usern, die ihre Einkäufe per Smartphone tätigen, haben 18,2 Prozent schon per Handy bestellt und die Ware dann persönlich abgeholt und bezahlt. Quelle: dpa
Auf das Bezahlsystem ClickandBuy greifen 1,4 Prozent zurück. Bei den Smartphone-Shoppern ist das Bezahlsystem weiter verbreitet als bei den PC-Nutzern. 15,2 Prozent der Handy-Kunden haben das Bezahlsystem von der Telekomtochter schon einmal benutzt. Laut Unternehmensangaben kann weltweit bei mehr als 16.000 Online-Shops per Clickandbuy bezahlt werden. Bekannte Shops sind unter anderem T-Online Musicload, der Apple iTunes Store, Spiegel Online, Parship, Media Markt und buch.de. Quelle: Screenshot
Immer noch weit verbreitet ist die vergleichsweise teure Nachnahmezahlung, bei der der Kunde die Ware plus eine Gebühr beim Paketzusteller bezahlt. Zwei Prozent wählen diese Option beim Online-Einkauf. Mit dem Smartphone entschieden sich 17,6 Prozent für die Bezahlung bei Lieferung. Quelle: Presse
Das System Sofortüberweisung ist umstritten, weil beim Bezahlen mit diesem Dienstleister neben der Kontonummer auch die Online-Banking-Pin und die entsprechende Tan eingegeben werden müssen. Sofortüberweisung tätigt dann quasi die Online-Überweisung für den Kunden - mit dessen Daten. Eine solche Weitergabe der Pin und Tans verbieten viele Banken ihren Kunden in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Die Firma Sofort AG versichert, dass mit den Daten kein Schindluder getrieben wird und die Kunden scheinen dem Unternehmen zu vertrauen. 3,6 Prozent der Transaktionen, die die Studie untersucht, wurden mit Sofortüberweisung bezahlt. Bei den Einkäufen, die mit dem Smartphone getätigt wurden, waren es 22,1 Prozent. Quelle: Screenshot
Mit Amazon Payments können User ihre Amazon-Kundenkonten auch bei Onlineshops nutzen, die nicht zu Amazon gehören und müssen keine Zahlungsdaten wie Kontonummer und Bankleitzahl offenlegen. Für Händler, die diesen Dienst anbieten, müssen allerdings eine Transaktionsgebühr an Amazon zahlen. Für Amazon-Kunden ist das Modell kostenlos. Dementsprechend nutzen 5,3 Prozent ihr Amazon-Konto beim Online-Einkaufsbummel, auch wenn sie gar nichts bei Amazon einkaufen. Quelle: Screenshot

Dass Paypal einen nicht ausreichend hohen Sicherheitsstandard biete, ist ein Vorwurf, den die neue Banken-Allianz zuversichtlich werden lassen könnte, dass das eigene Produkt dem aktuellen Marktführer Konkurrenz machen kann. Für eine Zahlung bei Paypal reicht schließlich die Anmeldung mit Benutzername und Passwort aus – eine Transaktionsnummer wie beim Online-Banking ist nicht notwendig.

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Doch das scheint für die Verbraucher kein wirklich präsentes Thema in Bezug auf Paypal zu sein. Auch in der BrandIndex-Kategorie Qualität positioniert sich Paypal mit großem Abstand auf Platz eins. Die Daten zeigen: Paypal genießt Vertrauen, und es gibt keine Anzeichen, dass sich das demnächst ändern könnte. Im Gegenteil: Seit einem Jahr hat Paypal im Index, der mehrere Kategorien wie Qualität und Kundenzufriedenheit zusammenfasst, nochmal um fünf Punkte zugelegt. Mit +40 Punkten ist der Zahlungsdienstleister jetzt auf einer Stufe mit den – zum Beispiel – sehr beliebten Marken Dr. Oetker oder Audi. Ähnlich beliebt ist Paypal in Großbritannien und den USA.

Marktlücke Mobiles Bezahlen

Doch so sehr die Deutschen Paypal mögen: Für das einfache Verschicken von Geld von privat an privat, wie es etwa der in den USA beliebte Service Venmo anbietet, sowie das Bezahlen mit dem Smartphone im Supermarkt oder in der Straßenbahn hat sich Paypal in Deutschland noch nicht etabliert. Ein neuer Service könnte hier eine Marktlücke füllen, ohne große Konkurrenz fürchten zu müssen. Entwickelt der neue Bankenverbund aber erst einmal nur ein Produkt für den klassischen Online-Handel, wird er gute Argumente haben müssen, um die Kunden zu überzeugen, nicht mehr mit Paypal zu bezahlen. Das Thema Sicherheit alleine wird nicht ausreichen.

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