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BrandIndex

Streiks kommen und gehen, die Kunden aber bleiben

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Tausende Kunden sind vom Streik der Lufthansa-Piloten betroffen, viele von ihnen haben kein Verständnis für die Arbeitsniederlegung. Für die Marke Lufthansa ist das dennoch nicht weiter schlimm.

Was Piloten bei Lufthansa, Condor & Co. verdienen
Pilot müsste man sein: Die ganze Welt sehen und dafür noch ordentlich Geld bekommen. Doch Pilot ist nicht gleich Pilot. Zwischen den einzelnen Fluggesellschaften gibt es ein deutliches Preisgefälle. Laut Pilotenvereinigung Cockpit bekommt ein Erster Offizier oder Kopilot anfangs ein Monatsgehalt zwischen 1500 Euro und 5000 Euro brutto. „Ein Kapitän – das wird man nach etwa 3 bis 20 Jahren als Erster Offizier – erhält je nach Luftverkehrsgesellschaft ein Anfangsgehalt zwischen 3000 Euro und 10.000 Euro“, so die Gewerkschaft. Quelle: dpa, Handelsblatt, Unternehmen Quelle: dpa
RyanairDie Piloten des irischen Billigfliegers gehören im Vergleich eher zu den Niedrigverdienern der Branche. 25.000 Euro bezahlt Ryanair seinen Kopiloten zu Beginn. Flugkapitäne ab dem 12. Berufsjahr erhalten anfangs 53.000 Euro. Ihr Maximalgehalt beläuft sich auf 85.000 Euro. Quelle: dpa
Air BerlinDie zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft zahlt seinen Kopiloten zum Einstieg 45.000 Euro. Piloten bekommen bei Air Berlin zu Beginn 80.000 und in der Spitze bis zu 115.000 Euro. Quelle: dpa
Condor5050 Euro bekommt ein Condor-Kopilot zum Einstieg im Monat. Das macht eine jährliche Gesamtvergütung von 60.600 Euro. Ein Kapitän verdient zunächst 8700 Euro im Monat beziehungsweise 104.400 Euro im Jahr. In der Spitze kann sein Gehalt auf 135.600 Euro klettern. Quelle: dpa
British AirwaysDas Einstiegsgehalt der BA-Co-Piloten liegt bei 61.000 Euro. Piloten ab dem 12. Berufsjahr erhalten zunächst 77.000 Euro im Jahr. Im Laufe der Zeit kann ihr Gehalt auf bis zu 181.000 Euro steigen. Quelle: REUTERS
LufthansaLufthansa-Kapitäne gehören zu den Bestverdienern und können in der Spitze ein Jahresgehalt von bis zu 255.000 Euro bekommen – Zulagen inklusive. Schon zum Einstieg verdient ein Erster Offizier / Kopilot rund 55.500 Euro, mit Zulagen bis zu 73.000 Euro. Das Einstiegsgehalt eines Flugkapitäns ab dem 12. Berufsjahr beträgt 120.000 Euro. Quelle: dpa

Mit der Abwicklung von Streiks hat die Lufthansa inzwischen genauso Übung wie die Medien, die vor ziemlich genau einem Jahr Überschriften getextet haben, die man auch heute wieder liest: „Lufthansa streicht ihren Flugplan zusammen“ / „Für so was habe ich kein Verständnis“ / „Lufthansa streicht am Donnerstagmorgen fast alle Flüge“. Das sind Schlagzeilen aus dem April 2013.

Und genau wie vor einem Jahr ist sich die Bevölkerung in Umfragen nicht einig, ob der Streik nun gerechtfertigt ist oder nicht. Auch Kommentatoren in den Medien vertreten unterschiedliche Standpunkte, von „jeder darf streiken, auch gut verdienende Piloten“ bis „überzogene Forderung, die schadet dem ganzen Unternehmen“. Die Kollegen vom Handelsblatt schreiben: „Lufthansa-Piloten verprellen mit ihren Streiks die besten Kunden.“

Image erholt sich schnell

Die aktuellen sowie die Archiv-Daten des YouGov-Markenmonitors BrandIndex zeigen: Wenn die Airline Lufthansa massiv bestreikt wird, verliert die Marke kurzfristig an Beliebtheit – doch sie erholt sich schnell wieder. Auch belegen die Zahlen nicht, dass die Streiks Kunden langfristig verprellen.

Besonders deutlich waren die Auswirkungen auf die Beliebtheit der Fluggesellschaft beim Streik der Flugbegleiter im Jahr 2012 zu sehen. Binnen eineinhalb Monaten fiel die Beliebtheit der Lufthansa um knapp 20 Indexpunkte (auf einer Skala von -100 bis +100 Punkte). Und auch der Buzz, der anzeigt, wie positiv oder negativ eine Marke aktuell im öffentlichen Gespräch ist, brach ein – so sehr, wie es selten passiert. Doch sowohl der Buzz als auch das Gesamtimage erholten sich erstaunlich schnell. Anfang des Jahres 2013 – drei Monate nach dem Streik – hatten beiden Werte fast das Ausgangsniveau erreicht.

Der nächste Streik folgte bald. Im April 2013 legte das Lufthansa-Bodenpersonal die Arbeit nieder, wieder fielen hunderte Flüge aus. Und wieder verlor die Marke Lufthansa an Beliebtheit – doch diesmal war der Einbruch viel schwächer. Und nach nur zwei Monaten war die Fluglinie genauso beliebt wie vor dem Streik.

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Lufthansa ist die beliebteste Fluglinie

Nun also der aktuelle Streik, diesmal die Piloten mit ihren Forderungen. Was zeigt der BrandIndex? Der Buzz-Wert von Lufthansa verliert wieder rasant: die Marke ist weniger positiv im öffentlichen Gespräch. Auch haben die Verbraucher jetzt einen weniger guten allgemeinen Gesamteindruck von der Marke, dafür sprechen Sie über sie mehr als vor dem Streik. Aber: Genau so viele (potenzielle) Kunden würden sich für die Marke Lufthansa entscheiden wie vor dem Streik. Auch das Gesamtimage, bei dem alle Einzelkategorien zusammengefasst werden, hat signifikant verloren. Aber, das zeigt die Vergangenheit: Ein Streik bei der Lufthansa schadet dem Image nur kurzfristig. Ob das immer so bleiben wird, ist schwer zu sagen. Aber solange die Forderung der Piloten als frech dargestellt werden können, hat das Image der Airline selbst wenig zu befürchten.

Lufthansa ist und bleibt somit die beliebteste Fluglinie Deutschlands, nach wie vor mit großem Abstand auf Emirates, Etihad und Condor.

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