WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
BrandIndex

Tankstellen: Spritpreis runter, Beliebtheit rauf

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Kraftstoff ist so günstig wie lange nicht. Für die Tankstellen bedeutet das einen messbaren Imagegewinn. Doch es zählen auch andere Kriterien als der Preis.

Wer vom billigen Öl profitiert – und wer verliert
Jemand arbeitet an einer Tragfläche eines Flugzeugs Quelle: PR
Autos Quelle: AP
Jemand greift nach Körperpflegeprodukten in einem Regal Quelle: REUTERS
Containerschiff Quelle: dpa
Lastwagen der Deutschen Post Quelle: dpa
Packungen mit Medikamenten Quelle: dpa
Anlage mit Tank, auf dem BASF steht Quelle: dpa

Einen Liter Diesel für unter einen Euro. Das hat es seit sechs Jahren nicht mehr gegeben – und ist einigen Medien eine Schlagzeile Wert. Überhaupt wird derzeit viel über die Spritpreise geschrieben, und im Gespräch mit den Kollegen ist es auch gerne Thema.

Freuen über den Umstand des billigen Kraftstoffs können sich natürlich die Autofahrer und Verkäufer von Autos mit hohem Verbrauch – aber auch die Tankstellen. Selbst, wenn die Nachfrage nach Benzin und Diesel trotz günstiger Preise nicht steigen sollte, profitieren sie von der Wirtschaftslage und der hohen Erdölförderung. Denn mit sinkendem Spritpreis steigt ihr Image – beziehungsweise erholt sich ihr Image.

Der Verfall des Ölpreises kommt beim Verbraucher an

Nachweisbarer Zusammenhang zwischen Spritpreis und Markenimage

Im YouGov-Markenmonitor BrandIndex ist der Zusammenhang deutlich zu erkennen: Der Aufwärtstrend für fast alle im BrandIndex gelisteten Tankstellenmarken begann ungefähr Mitte November. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Kraftstoffpreise zu sinken begannen – von rund 1,30 Euro auf heute 1,10 Euro (für Diesel).

Seitdem stiegen die Index-Werte (die mehrere Kategorien wie allgemeiner Eindruck oder Kundenzufriedenheit zusammenfassen). Die Marke HEM erreichte zum Beispiel am 17. November +17 Punkte (auf einer Skala von -100 bis +100). Heute: +26 Punkte. Star verbuchte damals +18 Punkte. Heute: +22. Und die OMV-Tankstellen stiegen von +9 auf heute +14 Index-Punkte.

Dass Tankstellen an Beliebtheit gewinnen, wenn die Spritpreise sinken, ist kein Zufall. Es liegt auch nicht in erster Linie an plötzlichen Werbemaßnahmen oder Gewinnspielen. Die Marktforscherin Franziska Paßon hat das Phänomen an der Fachhochschule Köln im Studiengang „Markt- und Medienforschung“ mit Daten von YouGov in ihrer Masterarbeit untersucht. Ihr Ergebnis: Es gibt einen statistisch nachweisbaren, deutlichen Zusammenhang zwischen dem Verlauf des Markenimage von Tankstellen und den Veränderungen des Kraftstoffpreises. Die Analysen wurden auf Basis von gemittelten Wochenwerten des Kraftstoffpreises und der BrandIndex-Daten für den Untersuchungszeitraum Anfang 2009 bis Ende 2012 durchgeführt.

Aral wird höchste Qualität bescheinigt

Der Benzinpreis hat also einen deutlichen Einfluss auf das Markenimage – das heißt allerdings nicht, dass andere Kriterien nicht auch eine Rolle spielen. So sind HEM und Jet mit +26 Punkten die beliebtesten Tankstellen-Marken im Index (unter denjenigen, die angeben, die Marken zu kennen). Tankstellen wie Westfalen oder OMV kommen dagegen nur auf +14 Punkte, obwohl der Kraftstoff dort nicht teurer ist. Bei Aral kosten Benzin und Diesel in der Regel etwas mehr als bei den sogenannten Billig-Tankstellen, doch auch diese Marke ist durchaus beliebt. Es muss also weitere Gründe für die Entstehung eines Markenimages von Tankstellen geben als den Preis, auch wenn der eine zentrale Rolle spielt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%