Brasilien Was deutsche Unternehmer von Jogis Elf lernen können (1)

Das Image der Deutschen Fußballer in Brasilien hat sich gewandelt. Sie haben sich angepasst und gelten deshalb nicht mehr als Snobs. Davon könnten sich die deutschen Unternehmen eine Scheibe abschneiden.

Diese Unternehmen profitieren von der Fußball-WM
AB InBevWer in einem brasilianischen WM-Stadion ein Bier zischen will, muss zu Budweiser aus dem Konzern AB InBev greifen. Für den weltgrößten Bierhersteller und WM-Sponsor hat die Fifa extra das Ausschankverbot in Stadien aufgehoben. Auch zwei Kilometer um die Stadien herum darf nur Budweiser getrunken werden. Außerhalb dieser Bannmeilen ist es ebenso schwer, um AB-InBev-Produkte herum zu kommen. Ob Brahma, Skol oder Antarctica – fast alle gängigen Biermarken in Brasilien gehören längst zu AB InBev. Quelle: dapd
AdidasDer fränkische Sportartikelhersteller Adidas stellt mit dem
Hyundai und KiaBrasilien ist mit 1,6 Millionen Neuzulassungen von Januar bis April 2014 dem Verband der Autoindustrie (VDA) zufolge der fünftgrößte Automobilmarkt der Welt. Daraus erhofft sich vor allem die koreanische Hyundai Kia Automotive Group einiges rauszuholen. Als Fifa-Sponsor stellt der Konzern mit 1.021 Fahrzeugen die offizielle WM-Flotte während des Großereignisses. Quelle: dapd
ContinentalWährend in den WM-Stadien der Ball rollt, sollen in den Straßen Brasiliens die Reifen von Continental rollen. Schon jetzt hat der Reifenhersteller aus Hannover einen Marktanteil in Brasilien von zehn Prozent. Als Sponsor der WM soll dieser Anteil steigen - nicht nur in Brasilien, sondern weltweit. Quelle: dpa
Deutsche ArchitektenbürosZahlreiche WM-Spiele werden in deutschen Designobjekten stattfinden. Die Planungsentwürfe der Stadien Manaus (Foto), Belo Horizonte und Brasilia stammen aus dem Hamburger Architektenbüro
Coca-ColaCoca Cola darf sich rund um die WM über einen hohen Absatz freuen - vor allem im heißen Brasilien. Laut dem Marktforschungsinstitut YouGov gibt jeder vierte Brasilianer Coca Cola als seine beliebteste Getränkemarke an. In Deutschland ist es jeder Neunte. Um außer die Fans in den WM-Stadien auch die Zuschauer rund um den Globus zu erreichen, will das Unternehmen dieses Jahr seine größte WM-Kampagne aller Zeiten aufstellen: Dazu gehören YouTube-Videos, TV-Spots, die Original-WM-Trophäe, die in einer PR-Aktion für Coca Cola um die Welt reiste und der neue
SonyViele Fans kaufen zur WM gerne neue Fernseher, um das Fußballspektakel in Top-Qualität zu erleben. An diesem Geschäft will WM-Sponsor Sony mit verdienen und hat mit dem 55 Zoll großen Sony 4K (Foto) den „offiziellen WM-Fernseher“ herausgebracht. Quelle: dpa

Für wen sind eigentlich die Brasilianer, wenn Deutschland gegen Portugal, Ghana oder die USA spielt? Das fragten mich viele vor Beginn der WM. Doch das war nicht klar zu sagen. Etwa beim Spiel gegen Portugal. Viele Brasilianer haben portugiesische Wurzeln, besitzen sogar den Pass der ehemaligen Kolonialmacht. Doch inzwischen ist eindeutig: Die Brasilianer fiebern für die Deutschen mit. Und das liegt nicht nur am berauschenden 4:0 gegen Portugal. Das liegt auch an der überraschend sympathischen Ausstrahlung der deutschen Spieler in ihrem Quartier im Süden Bahias. Schon vor dem Eröffnungsspiel der WM erhielt ich zahlreiche Mails und Anrufe von Freunden, die unisono meinten: Ihr Deutschen seid dieses Mal Sympathieträger!!!

Jubelstürme von Rio bis ans Brandenburger Tor
Die prominenteste Anhängerin am Montagabend: Bundeskanzlerin Angela Merkel. In Salvador fieberte sie mit dem deutschen Team. Quelle: dpa
Schon vor dem Anpfiff erschien die Kanzlerin sichtlich stolz auf „ihre Jungs“. Quelle: AP
Jubel auch bei Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen im deutschen Generalkonsulat in New York. Quelle: REUTERS
Eine große Gruppe deutscher Fans schaute das Spiel an der Copacabana. Am Strand jubelt es sich zweimal so schön. Quelle: AP
Hier trifft Thomas Müller auf der Leinwand gerade zum 3:0 für Deutschland. Quelle: AP
Und dieses Szene beweist: Der brasilianische Winter hat derzeit mehr Wärme zu bieten als der deutsche Sommer. Quelle: AP
Natürlich ließen sich auch die Fans im Stadion Fonte Nova in Salvador nicht lumpen. Quelle: REUTERS

Was ist geschehen? In den brasilianischen Nachrichten tauchten die deutschen Spieler vor ihrem ersten Testspiel auf mit einer Indiogruppe, mit denen sie tanzten. Mit einem etwas süffisanten Lächeln kündete der Globo-Sprecher die Freundschaftstänze an. So nach dem Motto: Na, das finden ja nur Gringos gut. Tanzen mit Indianern! Doch von Kurzbericht zu Kurzbericht verbesserte sich die Stimmung: Die Deutschen kickten mit Kindern aus dem Dorf hinter ihrem Quartier.

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Die Deutschen gaben bereitwillig lange Interviews. Schweinsteiger und Neuer streiften sich die Trikots vom Erstligaverein und Lokalmatador Bahia über, welche ihnen der brasilianische Nationalspieler und Bayern-Innenverteidiger Dante mitbrachte. Selbst die Wahl des Domizils erweist sich in der brasilianischen Öffentlichkeit inzwischen als ein Plus. Jetzt sind sie nicht mehr die Deutschen, denen alle Hotels in Brasilien nicht gut genug sind. Nein, jetzt sind es die Deutschen, die das ursprüngliche Brasilien zu schätzen wissen.

Wenn man die Probleme mancher deutscher Konzerne in Brasilien betrachtet, dann lässt sich sagen: Von Jogis Elf könnten eine ganze Reihe von Unternehmen lernen, wie man effizient soziale Akzeptanz aufbaut.

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