WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

British-Airways-Mutter IAG Der Einstieg Qatar Airways ist ein Schlag für die Lufthansa

Seite 2/2

Was Air France und Lufthansa ändern müssen

Damit stehen Air France und Lufthansa vor ein paar unangenehmen Entscheidungen. Wenn sie mit IAG und Qatar mithalten wollen, haben sie im Grunde keine andere Wahl, als Walsh zumindest teilweise zu kopieren.

Konkret heißt das, sie können nicht einfach nur wie bisher weitermachen und mit einem Sparprogramm nach dem anderen den von den arabischen Preisbrechern gedrückten Tarifen hinterher sparen oder durch ein paar Serviceverbesserungen der Qualität der Golfer hinterherrennen. Sie müssen sich von Grund auf ändern.

Die beliebtesten Business-Flugzeuge Europas
Auf der Paris Airshow 2001 feierte die französische Antwort auf die Gulfstream G550 ihre Premiere. Der Jet ist das größte, schnellste und reichweitenstärkste Privatflugzeug des französischen Luftfahrtkonzerns Dassault. 2014 legte die Falcon F7X kräftig zu und verzeichnete 12,8 Prozent mehr Starts in Europa. (Platz 15 - Falcon F7X - 13.954 Starts im Jahr 2014) Die Rangliste basiert auf Daten des Marktforschungsinstituts WINGX Advance. Dafür wurden Daten der europäischen Luftverkehrskontrolle Eurocontrol ausgewertet. Quelle: Presse
Die kleinere Maschine der Challenger-Reihe von Bombardier hatte ihren Jungfernflug ebenfalls 2001. Die Kanadier wollen als Nachfolger die Challenger 350 auf den Markt bringen. Doch noch läuft es für die Challenger 300: Die Abflüge stiegen um 1,7 Prozent. (Platz 14 - Challenger 300 - 14.306 Starts) Quelle: Presse
Die Global-Serie von Bombardier setzt insbesondere in der Reichweite Maßstäbe. Je nach Ausführung können die Maschinen zwischen 9630 und 14.631 Kilometer weit fliegen. 2014 gab es 9,4 Prozent mehr Starts in Europa. (Platz 13 - Global Express - 16.573 Starts) Quelle: Presse
Die Gulfstream G500 des gleichnamigen US-Herstellers und das Vorgängermodell liegen ebenfalls im Trend. 2014 nahm die Zahl der Abflüge um 2,7 Prozent zu. Die G500 überzeugt vor allem durch ihre Reichweite von mehr als 9000 Kilometern. (Platz 12 - Gulfstream G500 - 17.828 Starts) Quelle: Presse
Bereits seit Mitte der Achtzigerjahre ist die Falcon 900 im Einsatz. Der dreistrahlige Dassault-Flieger war 2014 allerdings auf dem absteigenden Ast: Der Jet verzeichnete 4,4 Prozent weniger Abflüge in Europa. (Platz 11 - Falcon 900 - 18.086 Starts) Quelle: Presse
Der Flugzeugbauer Cessna ist gleich fünfmal in den Top 10 der Business-Flugzeuge in Europa vertreten. Den Anfang macht die Citation II. Zusammen mit ihrem Nachfolgemodell Citation Bravo verlor der zweistrahlige Jet aber 9,4 Prozent aller Abflüge. Die Citation II ging Ende der Siebzigerjahre erstmals in die Luft. (Platz 10 - Citation II - 18.957 Starts) Quelle: Presse
Im Jahr 1978 schickte Bombardier die erste Version des zweistrahligen Jets an den Start. Seitdem hat sich die Challenger zu einem der beliebtesten Privatjets gemausert. Zusammen gab es für die Flugzeuge der 600er-Reihe 2014 allerdings Einbußen – die Starts gingen um 4,2 Prozent zurück. (Platz 9 - Challenger 600 - 23.847 Starts) Quelle: Presse

Der erste Schritt könnte ein Ende des Wachstums sein. Denn bislang drücken Lufthansa und Air France ihre Kosten nicht zuletzt durch immer größere Flugzeuge oder durch Billigtöchter, die zumindest bei den neuen Lufthansa-Langstreckenprojekten nicht mal das ganze Topmanagement überzeugen.

Der Ansatz senkt zwar im Prinzip die Ausgaben pro Passagier. Aber nur dann, wenn die Maschinen zu einigermaßen vernünftigen Preisen gefüllt werden können. Müssen die Restplätze verschleudert werden, wie das dem Vernehmen nach besonders auf Flügen mit dem Superjumbo A380 oft der Fall ist, sind nicht nur die zusätzlichen Einnahmen gering. Die Schnäppchen geben den Reisenden mit normal bezahlten Tickets das Gefühl, zu viel bezahlt zu haben.

Ein Ausweg sind da kleinere Maschinen, bei denen eben weniger Plätze verschleudert werden müssen. Und weil neue Leichtbau-Modelle wie der Airbus A350 und Boeings Dreamliner pro Sitz ebenso günstig fliegen wie der A380 oder die jüngste Version des Jumbojets Boeing 747-8, passen sie besser zu den europäischen Traditionslinien. Das hat nicht zuletzt BA vorgemacht, die ihre alten Jumbos rauswirft und nur zu einem kleinen Teil durch den A380 ersetzt. Statt mit mehr Plätzen in der Holzklasse fliegt sie lieber mit mehr Premiumsitzen.

Dazu müssen Air France und besonders Lufthansa ihr Verhältnis zu den Golflinien überdenken. Bislang setzte Lufthansa hier auf Konfrontation und hat in den vergangenen Jahren am Rande der Hochnäsigkeit Kooperationsangebote abgewiesen. Selbst, wenn sie wie etwa mit Turkish Airlines zu einigermaßen vorteilhaften Bedingungen zu haben gewesen wären. Air France hatte immerhin eine Kooperation light mit Etihad. Doch beides wird sich auf Dauer nicht halten lassen, und das umso schneller, je stärker IAG und Qatar zusammenarbeiten.

Dienstleister



Ein Ausweg ist nicht leicht zu finden. Denn am Ende brauchen die Golflinien die Ex-Marktführer der alten Welt längst nicht mehr. Etihad hat mit Alitalia und Air Berlin genug und vor allem bescheidenere Partner um ihre Jets in Europa zu füllen. Dabei kommt sie letztlich auch fast ohne die zumindest ab der zweiten Management-Ebene und beim fliegenden Personal oft noch grundlos selbstbewusste Air France aus. Emirates und Turkish hingegen sind in Europa bereits so groß, dass selbst ein Partner Lufthansa eher Ablenkung als Hilfe wäre.

So bleibt Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Air-France-CEO Alexandre de Juniac nur ein dritter Weg, Walsh zu kopieren: nämlich einen eigenen, möglichst kühnen Plan zu entwickeln.

Und natürlich, sich dabei allem Spott zum Trotz nicht beirren zu lassen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%