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Bundesliga Der Fußball würde von einer Öffnung für Investoren profitieren

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Die Heimatfreunde, die Soliden und die Ungeliebten

Bekenntnis zum Standort: Daimler

Gerne zeigt sich Dieter Zetsche, mit Käppi und im weißen Poloshirt, in der Boxengasse bei Formel-1-Rennen. Im Stadion, beim VfB Stuttgart, ist der Daimler-Chef deutlich seltener anzutreffen. Obwohl der Autobauer auch dort Sponsor ist: Die hauseigene Mercedes-Benz Bank zahlt geschätzte fünf bis acht Millionen Euro für den Schriftzug auf der Brust der VfB-Kicker. Das Namensrecht an der Mercedes-Benz Arena hat der Autobauer bis zum Jahr 2038 sicher, nachdem Daimler 2008 rund 20 Millionen Euro für den Stadionumbau beisteuerte. Doch die Fußball-Bühne überlässt der Daimler-Boss eher den Kollegen; statt Zetsche sitzen Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth und der langjährige Mercedes-Vertriebschef Joachim Schmidt im Aufsichtsrat des VfB.

Der Unterschied zur Formel 1: Der Rennstall um Lewis Hamilton und Nico Rosberg ist deutlich erfolgreicher als die VfB-Kicker, die in der vergangenen Saison lange gegen den Abstieg spielten. Der Beinahe-Zweitligist passt nicht recht zum Anspruch des Premium-Autobauers, der gerade wieder einen Rekordgewinn einfuhr. Doch auch in der Not steht der Konzern zum VfB: „Für Daimler ist das ein Standortbekenntnis, an dem auch nicht gerüttelt wird“, sagt der Sponsoring-Experte Ganesh Pundt, Chefredakteuer des Fachmagazins „Stadionwelt“, „für den Abstiegsfall hat Daimler sicherlich auch geringere Zahlungen vereinbart.“

Noch hat sich Daimler auch nicht endgültig festgelegt, ob der Autobauer denn Anteile am heimischen Ballsportverein zeichnen will. Für rund 20 Millionen Euro dürften sechs bis acht Prozent zu haben sein. Ein finanzielles Engagement als Anteileigner werde man „zu gegebener Zeit wohlwollend prüfen“, teilt der Autobauer auf Anfrage mit. Im Weltkonzern Daimler hat der Fußball aber nicht nur Freunde.

Mehr als nur Namensrechte: Allianz

Ursprünglich hatte Uli Hoeneß mal an Siemens gedacht, doch der Münchner Mischkonzern winkte ab. Also überredete der damalige bayerische Ministerpräadient Edmund Stoiber um die Jahrtausendwende den damaligen Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle, die Namensrechte an dem neuen Stadion zu kaufen. Geschätzte sechs Millionen Euro pro Jahr lässt sich das der Versicherungskonzern kosten, der Vertrag läuft bis 2041. Anfangs waren viele Allianz-Vorstände dagegen. Doch inzwischen klar, dass die Allianz Arena mit mit ihren leuchtenden Folienfassade die Bekanntheit und Beliebtheit des namensgebenden Assekuranzunternehmens in aller Welt gesteigert hat.

Die Arena ist die mit rund 3,2 Millionen Gästen im Jahr bestbesuchte Attraktion Bayerns – noch vor Schloss Neuschwanstein. Und eines der meistverschickten Postkartenmotive aus München. „Es ist die erfolgreichste Einzelmaßnahme im Marketing der Allianz“, sagt Bernd Heinemann, Vorstand für Marktmanagement bei Allianz Deutschland; über genaue Daten schweigt er sich aus. „Die Namensrechte passen zu den Attributen einer Versicherung: Man verbindet das Stadion mit einer Trutzburg“, sagt Christoph Breuer, Professor am Institut für Sportökonomie in Köln.

Was Bundesliga-Fans für ihren Verein ausgeben
DFL Sky Quelle: dpa
VfL Wolfsburg – 388,45 EuroDie Fans des VfL Wolfsburg haben Grund zur Freude: Nach dem fulminanten 4:1 Sieg gegen den Spitzenreiter FC Bayern scheint es möglich Vizemeister zu werden – hält das Formtief des FC Bayern an, könnte sogar noch mehr drin sein. Meister ist der VfL Wolfsburg in puncto Fanausgaben – bei keinem anderen Klub kommen die Fans so billig davon: Die günstigste Dauerkarte kostet 130 Euro – kein Verein in Deutschland verlangt weniger. Das Kappa-Trikot gibt es für 79,95 Euro, damit liegt der VfL im Durchschnitt. Für einen Liter Veltins blecht der VfL-Fan 7,80 Euro und für die Bratwurst gegen den kleinen Hunger zahlt er 2,70 Euro – hochgerechnet auf 17 Heimspiele macht das 178,50 Euro. Quelle: AP
1. FC Köln – 416,85 EuroDer Kölner Fußball ist endlich wieder erstklassig – der Start in die Rückrunde kann sich mit vier Punkten in zwei Spielen durchaus sehen lassen. Bei den Heimspielen lief es bis jetzt für die Kölner allerdings nicht allzu gut – dafür müssen die Fans für die Dauerkarte auch nicht so tief in die Tasche greifen: 165 Euro kostet die günstigste. Das aktuelle Trikot gehört mit einem Preis von 69,95 Euro zu den preiswerteren. Die Bratwurst kostet 2,90 Euro und liegt damit knapp unter dem Durchschnittspreis. Wer einen Liter Bitburger oder Gaffel Kölsch trinken will, muss dafür noch einmal 7,80 Euro zahlen – die Verpflegung für eine Saison kostet damit im Schnitt 181,90 Euro. Quelle: dpa
1899 Hoffenheim – 417,50 EuroAm zweitgünstigsten in der Bundesliga ist das Fan-Sein in Sinsheim. Die Dauerkarte ist bei einem Preis 150 Euro eine der günstigsten. Auch das Trikot des Sportherstellers Lotto ist mit 74,95 Euro vergleichsweise preiswert. Der Liter Bitburger kostet im Stadion 8,25 Euro; die Bratwurst dazu 3,10 Euro – nur in Stuttgart und München ist sie teurer. Quelle: AP
SC Freiburg – 423,30 EuroDie günstigste Dauerkarte in Freiburg kostet 180 Euro. Dafür gibt es das Nike-Trikot für relativ günstigste 69,96 Euro. Auch die Bratwurst gehört mit 2,70 Euro zu den preiswerteren der Liga. Für den Liter Rothaus zahlen die Fans 7,50 Euro – nirgendwo in der Liga ist das Bier so günstig. Für die Dauer einer Saison kostet die Verpflegung 173,34 Euro. Quelle: dpa
FSV Mainz 05 – 427,85 EuroIn der Bundesliga führt der FSV Mainz 05 aktuell das untere Tabellendrittel an – was die Preise angeht ist er das Schlusslicht des oberen Tabellendrittels. Die Dauerkarte schlägt mit 181 Euro zu Buche. Das Nike-Trikot gehört mit einem Kaufpreis von 64,95 Euro zu den günstigsten Trikots der Liga. Auch die Bratwurst mit einem Preis von 2,90 Euro und der Liter Bitburger für 7,80 Euro sind nicht allzu teuer. Quelle: dpa
Bayer 04 Leverkusen – 431,80 EuroIn der Bundesliga spielt Leverkusen aktuell noch um die Spitzenplätze mit – was die Kosten für die Fans angeht, liegt Leverkusen nur im Mittelfeld. Wer eine Dauerkarte will, zahlt 170 Euro – das Adidas-Trikot dazu schlägt noch einmal mit 79,90 Euro zu Buche. Die Preise für den Verzehr liegen mit 7,80 Euro für den Liter Bitburger oder Gaffel Kölsch und 2,90 Euro für die Bratwurst im Mittelfeld. Quelle: AP

Längst hat die Allianz ihre Verbindung zum FC Bayern ausgebaut: Für 110 Millionen Euro erwarb der Versicherer 8,33 Prozent der Anteile am ewigen Meister.

Heinemann hat natürlich auch einige spezielle Versicherungsprodukte rund um das Fußballengagement im Angebot: „Geld gegen Logo – das reicht nicht mehr“, sagt der Allianz-Vorstand, „ich suche nach Methoden, um uns an die Startrampe für das nächste Geschäft zu bringen.“ Eine Mini-Police für Stadionbesucher, die etwa für im Getümmel verlorene Schlüssel verspricht, war allerdings nicht der erhoffte Renner, sondern wurde nur rund 1000 Mal gebucht.

Heinemanns neueste Idee: Die „Rente ab 35“ – eine Police für Profisportler, die sich für die Zeit nach der aktiven Karriere finanziell abzusichern möchten. Kostenpunkt: ein siebenstelliger Einmalbetrag oder eine regelmäßige Zahlung. Wieviel Sportler oder auch Jungstars aus dem Showgeschäft die Police nutzen, mag Heinemann nicht verraten. Zwischen 32 und 40 Jahren beginnt jedenfalls, je nach Wunsch, die Auszahlung – eine lebenslange Rente oder eine Einmalzahlung. Da trifft sich jedenfalls gut, dass die Allianz auch an der Säbener Straße in der Klubzentrale ein Büro eingerichtet hat – und einmal pro Woche für drei Stunden Angestellte des Klubs in Versicherungsfragen berät.

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