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Bundesliga Der Fußball würde von einer Öffnung für Investoren profitieren

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KKR: Die Heuschrecke

Heuschrecke auf dem Bolzplatz: KKR

Chinesen, Iraner und Australier kicken schon länger mit in der Liga. Doch mit dem Finanzinvestor KKR erlebte der deutsche Profi-Fußball im Januar vergangenen Jahres eine echte Exoten-Premiere - zum ersten Mal beteiligte sich ein Private-Equity-Investor, vulgo: eine Heuschrecke an einem Kicker-Klub. KKR gehören heute 9,7 Prozent der Hertha-Anteile.

Sportlich hat die Hertha seitdem wenig Furore gemacht. Mit Mühe und Not hielt sich der Klub von der Spree im Fußball-Oberhaus; am Saisonende rangierte die alte Dame Hertha gerade mal auf Rang 15 und damit hauchzart über der Abstiegszone. Entsprechend enttäuscht war mancher Fan darüber, dass der 61 Millionen Euro schwere Einstieg der US-Geldgeber scheinbar so gar keine Früchte trug.

Doch der Blick hinter die Kulissen zeigt, warum Hertha-Finanzchef Ingo Schiller schwärmte, der Einstieg von KKR sei der „schönste Tag, seit ich bei Hertha BSC in der Verantwortung stehe“. Tatsächlich steht Hertha dank KKR finanziell so gut da wie lange nicht mehr. Drückten den Klub vor drei Jahren noch 42 Millionen Euro an Verbindlichkeiten, kündigte Schiller an, zum 30. Juni sei Hertha schuldenfrei. Dazu setzte er einen Teil der KKR-Millionen ein. Die direkte Folge: 2,6 Millionen Euro, die bislang an Zinsdienst anfielen, kann der Verein jetzt in andere Dinge stecken. Fast die Hälfte des KKR-Geldes floß zudem in den Rückkauf von TV-, Marketing- und Cateringrechten – das beschert der Hertha künftig Zusatzeinnahmen.

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    Und auch wenn die Berliner sportlich weiter kleine Brötchen backen und konservativ planen – für realistisch halten sie einen Tabellenplatz im Niemandsland zwischen Rang zehn und 15 – könnte sich der Ausflug auf den Bolzplatz auch für KKR lohnen: „Beim Antritt von KKR haben wir gesagt, dass es sich um einen Mehr-Jahres-Plan handelt“, sagt Hertha-Finanzchef Schiller, „entscheidend ist nicht, wo wir jetzt stehen, sondern im Sommer 2020.”

    Die Hebel, mit denen KKR innerhalb dieser fünf Jahre mehr machen kann aus seinem Investment, liegen auf der Hand: Jeder Tabellenplatz, den Hertha noch oben klettert, beschert dem Klub am Saisonende Mehreinnahmen von 1,2 Millionen Euro aus der gemeinsamen TV-Vermarktung der Liga. Zu erwarten ist zudem, dass der Betrag ab der Saison 2017/18 mit einem neuen, höher dotierten Medienvertrag steigt. Hinzu kommt die Chance auf zusätzliche Prämien von den Klub-Sponsoren. Krönung wäre Herthas Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb wie der Europa League, der zusätzliche Einnahmen durch TV-Übertragungen, Tickets, Sponsoren und UEFA-Prämien bescheren würde. Weniger planbar und ein zweischneidiges Schwert sind dagegen Spielerverkäufe – sie können die Kasse füllen, aber die sportlichen Chancen mindern.

    Unklar bleibt allerdings, was passiert, wenn die Hertha 2021 jene 36 von 61 Millionen Euro zurückzahlen muss, die KKR dem Klub als eigenkapitalähnliches Darlehen gewährt hat. Zahlt Hertha nicht zurück, kann KKR das Darlehen in Anteile umwandeln und wäre mit 33 Prozent Hertha-Großteilhaber. Zwar hat der Verein ein Vorkaufsrecht.

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