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Bundesweite Zugausfälle Bahn-Streik trifft am Montag ganz Deutschland

Anzeigetafel der Deutschen Bahn Quelle: dpa

Bei der Deutschen Bahn sollen Beschäftigte am Montagmorgen zwischen 5 Uhr und 9 Uhr ihre Arbeit niederlegen. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft hat zu einem bundesweiten Warnstreik aufgerufen.

Millionen Berufspendler müssen am Montagmorgen mit Zug-Ausfällen und Verspätungen rechnen. Die Bahn-Gewerkschaft EVG will mit einem bundesweiten Streik S-Bahnen wie auch Regional- und Fernzüge lahmlegen, wie ein Sprecher am Sonntag nach dem Scheitern von Tarif-Verhandlungen ankündigte. Der Ausstand werde gegen 05.00 Uhr morgens beginnen und bis 09.00 Uhr dauern. Die Auswirkungen würden sich voraussichtlich über den Tag hinziehen. Auch die Güterbahn sei betroffen. Regionale Schwerpunkte nannte er nicht. Die Deutsche Bahn kritisierte den Warnstreik als völlig unnötig. Reisende sollten möglichst schon vor Montag oder aber nach Streik-Ende die Fahrt antreten. Die Zugbindung bei Tickets sei aufgehoben, die Fahrscheine könnten beispielsweise schon am Sonntagabend genutzt werden. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte am Samstag die seit zwei Monaten laufenden Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert erklärt. Zuvor war die ganze Nacht in Hannover verhandelt worden. Die Bahn sprach daraufhin von einer völlig überflüssigen Eskalation. Man habe ein Paket im Volumen von insgesamt sieben Prozent in Aussicht gestellt. „Bei diesem Angebot den Verhandlungstisch zu verlassen, ist nicht nachvollziehbar und verunsichert völlig unnötig unsere Kunden mitten in der Weihnachtszeit“, sagte Personalvorstand Martin Seiler.

Aufgrund von Personalmangel, fehlenden Zügen sowie Engpässen im Netz haben sich Verspätungen besonders bei Fernzügen zuletzt ohnehin schon gehäuft. Fast ein Drittel aller ICE und IC waren verspätet. Das Pünktlichkeitsziel von über 80 Prozent kann die Bahn eigenen Planungen zufolge erst 2025 erreichen.

Die Bahn ist in einer schwierigen Verhandlungslage, da der Staatskonzern auf der einen Seite allein in den nächsten fünf Jahren rund elf Milliarden Euro zusätzlich für Fahrzeuge, Personal und das Schiennetz braucht, die er aus eigener Kraft nicht aufbringen kann. In internen Konzernunterlagen wird zudem bemängelt, dass die Lohnerhöhungen für die Beschäftigten in der Vergangenheit zu hoch waren und die Bahn in Deutschland in Schwierigkeiten brächten. Auf der anderen Seite braucht das Unternehmen dringend neue Mitarbeiter und will in diesem und nächstem Jahr jeweils über 20.000 einstellen.

Gewerkschaft: Vertagung kam nicht infrage

Die Verhandlungsführerin der EVG, Regina Rusch-Ziemba, nannte das Bahn-Angebot jedoch unzureichend. Auch eine vorgeschlagene Vertagung sei nicht akzeptabel gewesen. Sie kritisierte, dass die Bahn eine Laufzeit des Vertrages von 29 Monaten wolle, während die EVG auf 24 Monaten bestehe. Daher habe auch die Tarifkommission der EVG das Bahn-Angebot einstimmig abgelehnt.
Laut dem Staatskonzern wurde eine Lohn-Erhöhung von insgesamt 5,1 Prozent in zwei Stufen und eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro angeboten. Anstelle der zweiten Stufe sollte den Mitarbeitern wie im letzten Tarifvertrag die Wahl zu mehr Freizeit gegeben werden. Außerdem sei vorgesehen gewesen, dass der Arbeitgeberbeitrag zur betrieblichen Altersvorsorge um 1,1 Prozent steigt.

Parallel zu den Verhandlungen mit der EVG führt die Bahn Gespräche mit der Lokführergewerkschaft GDL. Auch hier wurde zwar noch keine Einigung erreicht, beide Seiten sprachen jedoch von Fortschritten. Die Gespräche sollen am Dienstag fortgesetzt werden. „Wir sind auf einem guten Weg und kurz vor dem Ziel“, sagte Bahn-Personalchef Seiler. GDL-Chef Claus Weselsky nannte es jedoch ungewöhnlich, dass mit Blick auf die Lohn-Erhöhung noch kein konkretes Angebot vorliege. Diese müsse jetzt kommen. Er warnte, das Zugpersonal sei derzeit nicht zu Überstunden verpflichtet. Würden die Beschäftigen sie verweigern, „wäre die Auswirkung für unsere Kunden gravierend“. Dies gelte besonders angesichts des Personalmangels bei der Bahn.

Beide Gewerkschaften hatten 7,5 Prozent mehr Lohn gefordert sowie weitere Verbesserungen bei Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen. Die Bahn will mit beiden Gewerkschaften vergleichbare Ergebnisse für rund 160.000 Beschäftigte in Deutschland erreichen.

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