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BVB-Vorstand Cramer "Wichtig ist immer noch aufm Platz"

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"Wir wollen den unabhängigen Journalismus nicht ersetzen"

Dazu funkt der BVB praktisch auf allen Kanälen: Sie haben einen eigenen TV-Kanal, ihre Online-Seiten, die Spieltags-App und beeinflussen damit viel stärker als früher, wie die Öffentlichkeit den BVB wahrnimmt?

Es mag Medienvertreter geben, die uns teilweise schon fast als Konkurrenten sehen. Allerdings ist ja eins auch klar: unsere eigenen Medien, die zwangsläufig alles durch die schwarz-gelbe Brille sehen, werden niemals den unabhängigen Journalismus ersetzen, das sollen sie auch gar nicht. Ganz im Gegenteil, wir wollen ihn lediglich ergänzen. Aber unsere Möglichkeiten, eigene Plattformen zu besetzen und zu gestalten, haben sich in der Tat durch die Digitalisierung vollkommen verändert. Früher haben nur die anderen über uns berichtet. Heute verfügen wir über unsere eigenen Kanäle, für die wir genau festlegen, welche Inhalte wir wann und wo in welcher Form aufbereiten. Und weil wir wissen, wie wichtig gerade die Bildsprache in der digitalen Welt ist, betreiben wir eben mit BVB-total! unseren eigenen Sender und beschäftigen seit zwei Jahren darüber hinauseinen eigenen Fotografen, der die Mannschaft praktisch 24 Stunden am Tag begleitet.

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Auch die Spieler selber twittern und unterhalten ihre eigenen Plattformen – gehört das heute zum Vertrag?

Nein, wir halten niemanden direkt dazu an. Aber für viele Akteure dieser Generation von Spielern gehört es heute ganz normal zum Beruf, eigene Accounts zu unterhalten. Und dann vernetzen wir uns natürlich und helfen uns gegenseitig. Natürlich haben wir einige Spielregeln miteinander festgelegt – es wird zum Beispiel ohne Absprache nichts über Verletzungen, Aufstellungen oder zu privaten Dingen aus der Kabine nach außen getragen. Aber mit Hilfe der digitalen Medien können wir im Rahmen der Regeln auch so oft eine größere Nähe zu den Spielern herstellen als in der wirklichen Welt. Was meinen Sie, was bei einer Autogrammstunde mit Marco Reus los ist? Das ist sicherheitsmäßig kaum noch zu realisieren – aber digital ist er mindestens genauso anfassbar, als wenn ich anderthalb Stunden beim Training zuschaue und auf ein Autogramm warte.

Scannt der BVB die Webseiten der Spieler, ob da was schiefläuft oder lassen Sie da lange Leine?

Wir lassen ihnen die Freiheiten, alles andere passt auch nicht zu Borussia Dortmund. Wir sind nicht die, die alles formatieren und eingrenzen. Unsere Spieler müssen ja auch nicht alle Opel fahren oder uniformiert herumlaufen. Es gibt zwar Leitplanken, aber die digitale Welt lebt ja von ihrer Vielfältigkeit und ihrer Unberechenbarkeit und deshalb hat es keinen Sinn, von vornherein alles glatt zu bügeln.

Seit dieser Saison bietet der BVB seinen Zuschauern auch kostenloses WLAN im Stadion. Ist das nicht eine zweischneidige Sache, wenn die Fans bloß noch Selfies mit dem Smartphone verschicken statt die Mannschaft anzufeuern?

So weit kommt es sicher nicht ­ deshalb haben wir auch die Geschwindigkeit des WLANs während des Spiels gedrosselt. Denn entscheidend ist immer noch auf'm Platz. Und auch die Informationsdichte in unserer neuen Spieltags-App richtet sich deutlich danach, ob jemand im Stadion ist oder unterwegs.

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