China-Zug Deutsche Bahn halbiert Transportzeit

Die Deutsche Bahn etabliert sich als ernsthafte Alternative zur See- und Luftfracht für Asientransporte.

DB Schenker Rail Quelle: dpa

Im sogenannten China-Zug fährt der Konzern Waren von Asien nach Deutschland und umgekehrt über die Schiene in nur 20 bis 23 Tagen, teilweise nur 19 Tagen. Damit reduziert sich die Laufzeit der Güter im Vergleich zum Seeweg um etwa die Hälfte.

Schon seit Herbst 2011 transportiert die Konzerntochter DB Schenker Rail für den Autohersteller BMW Zulieferteile für den Geländewagen X1 und X3 bis zur Fertigungsstätte in Shenyang. Bis zu sieben Mal pro Woche pendelt der China-Zug so zwischen Leipzig und der Millionenmetropole an der Ostküste Chinas. Bei der Bahn gilt das Projekt als Erfolg.

Ursprünglich ging das Management in der Planung von zwei bis drei Fahrten pro Woche aus. Für den Druckerhersteller Hewlett-Packard fährt die Deutsche Bahn zudem einmal pro Woche Elektronikgeräte von der 2.500 Kilometer südlich gelegenen Stadt Chongqing nach Leipzig.

Die größten Logistikkonzerne der Welt
Platz 10: China Railway (China) Der Güterverkehr von China Railway macht über zwei Drittel des gesamten Verkehrsaufkommens aus. Hauptsächlich transportiert der Staatsbetrieb Kohle, Stahl, Erz und landwirtschaftliche Erzeugnisse. 2010 betrug der Logistik-Umsatz nach Angaben des Statistik-Portals Statista 14 Mrd. Euro. Daten für das Jahr 2011 sind noch nicht verfügbar.
Platz 9: CMA CGM (Frankreich) Auf Platz 9 des Rankings landet das größte französische Schifffahrtsunternehmen CMA CGM mit einem Logistik-Umsatz von 14,3 Mrd. Euro im Jahr 2010. Die Reederei wurde 1978 gegründet und ist an mehr als 650 Standorten in 150 Ländern vertreten. Auf dem Foto ist eines der größten Containerschiffe der Welt zu sehen, die CMA CGM Christoph Colomb, die bis zu 13.800 Standardcontainer transportieren kann. Quelle: dpa
Platz 8: Nippon Express (Japan) Der Konzern mit Sitz in Tokio wurde 1937 als halbstaatliches Transportunternehmen gegründet. Nippon Express verfügt über ein global gespanntes Transportnetz, dass mehr als 389 Orte in 37 Ländern miteinander verbindet. Spezialisiert ist das Unternehmen auf Dienstleistungen rund um den Transport von Waren, wie etwa IT-Technik, den Luft- und Seegüterverkehr sowie auf Spezialtransporte. 2010 betrug der Umsatz 15 Mrd. Euro.
Platz 7: Kühne + Nagel (Schweiz) 2010 war ein gutes Jahr für den Logistikdienstleister Kühne & Nagel aus der Schweiz. Der Frachtspezialist steigerte seinen Logistik-Umsatz auf 16,2 Mrd. Euro. Der Konzern will weiter wachsen: Kühne + Nagel plant das Transportgeschäft auf der Schiene auszubauen.
Platz 6: NYK Line (Japan) Die japanische NYK Line ist Teil des Mitsubishi-Konzerns und zählt zu den größten Reedereien der Welt. Seit 1968 ist das Unternehmen auch im Bereich der Containerschifffahrt etabliert - die einen Großteil des Gesamtgeschäfts ausmacht. Die Reederei betreibt auch den sogenannten Atlantic Express Shuttle (AES), das Waren zwischen Hamburg, Antwerpen und New York Waren verschiebt. 2010 erwirtschaftete der Konzern einen Logistik-Umsatz von 16,5 Mrd. Euro.
Platz 5: DB Schenker (Deutschland) Die Logistikgeschäfte der Deutschen Bahn, DB Schenker Logistics und DB Schenker Rail, sind unter dem Dach DB Schenker zusammengefasst. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 91.000 Mitarbeiter an etwa 130 Standorten. 2010 erwirtschaftete die DB Schenker einen Logistikumsatz von 18,5 Mrd. Euro.
Platz 4: Maersk (Dänemark) Das Jahr 2010 hatte nicht gut begonnen für A.P. Moeller Maersk. Vor allem durch die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Tochtergesellschaft Maersk, der größten Containerschiffsreederei der Welt, schrieb der dänische Mischkonzern erstmals in der Unternehmensgeschichte rote Zahlen. Doch dann zog die Konjunktur an und die Frachtraten für Containerschiffe legten kräftig zu. Das Ergebnis: 2010 lag der Logistik-Umsatz von Maersk bei 29, 1 Mrd. Euro - und das Unternehmen konnte einen Rekordgewinn, einen Nettoertrag von 3,8 Mrd. Euro, vermelden.
Platz 2: Fedex (USA) Mit einem Logistik-Umsatz von 34,7 Mrd. Euro im Jahr 2010 geht Platz 2 der weltgrößten Logistikdienstleister an den US-Konzern Fedex. Auch die Zahlen 2011 dürften gut ausfallen - insbesondere zum Jahresende profitierte Fedex kräftig vom steigenden Onlinehandel. Angesichts des guten Geschäfts investierte das Unternehmen jüngst in die Modernisierung seiner Flugzeugflotte und bestellte bei Boeing mehrere Dutzend Maschinen.
Platz 3: UPS (USA) Etwas weniger Umsatz als der heimische Konkurrent Fedex machten die Männer in den braunen Uniformen. 2010 erwirtschaftete UPS 31,4 Mrd. Euro. Unternehmenssitz des United Parcel Service ist Atlanta. Die Europa-Zentrale hat ihren Sitz in Brüssel, die deutsche Niederlassung, die große Teile der europäischen Verwaltungsarbeit übernimmt und die größte Niederlassung außerhalb der USA ist, befindet sich in Neuss. Das schicke Braun der Mitarbeiteruniformen und der Transporter hat übrigens einen ganz einfachen Grund: Man sieht Staub und Schmutz nicht sofort.
Platz 1: DHL (Deutschland) Gemessen am Umsatz von 41,6 Mrd. Euro im Jahr 2010 ist DHL der größte Logistikdienstleister weltweit. Die Deutsche-Post-Tochter beschäftigt 275.000 Mitarbeiter in 220 Ländern. Wie viele Wettbewerber konnte das Unternehmen zuletzt im vergangenen Weihnachtsgeschäft zulegen: DHL transportierte 2011 deutlich mehr Sendungen zu Weihnachten als im Jahr zuvor.

Ziel der Bahn ist es, den Zugtransport für andere Kunden als Alternative zur See- und Luftfracht zu etablieren. Der Seeweg gilt zwar als langsame, aber dafür extreme preiswerte Transportvariante. Die Bahn kostet Spediteuren etwa zwei bis vier Mal so viel. Der See-Transport von Asien nach Deutschland dauert dafür je nach Endziel etwa 40 bis 45 Tage und damit doppelt so lange. Cargo-Airlines sind mit drei bis fünf Tagen zwar schneller, aber dafür deutlich teurer als die Bahn.

Fahrtzeit könnte weiter reduziert werden

Noch kämpft die Deutsche Bahn um Anerkennung des Angebots. BMW und Hewlett-Packard sind derzeit die einzigen Kunden. Allerdings werde die Deutsche Bahn zunehmend von Unternehmen aufgefordert, bei Logistikausschreibungen auch die Bahnvariante zu berechnen. „Für weitere Kunden haben wir zudem schon Testverkehre aus Chongqing nach Deutschland durchgeführt“, sagte Projektchef Daniel Wieland. „Ich bin zuversichtlich, dass wir noch in diesem Jahr weitere Kunden verkünden können.“

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Für den China-Zug wäre das wichtig, denn bislang fahren die Züge meist nur in eine Richtung mit vollen Wagen – für BMW nach China und für HP aus China. Um die Auslastung zu erhöhen, fährt der Konzern die Wagen daher zum Teil von Shenyang leer in das 250 Kilometer entfernte Chongqing. Doch um die Transporte dauerhaft wirtschaftlich betreiben zu können, braucht die Bahn zusätzliche Neukunden.Die Fahrtzeit könnte in Zukunft noch weiter reduziert werden. China baut das Schienennetz derzeit massiv aus. „Wenn die geplanten Projekte abgeschlossen sind, gewinnen wir weitere zwei Tage an Fahrtzeit“, sagt Wieland. Neuralgische Punkte seien weiterhin die Grenzübergänge zwischen China und Russland oder Kasachstan. Dort müssen die Container auf Züge für eine andere Spurweite verlegt werden. Dafür fehlen wichtige Terminalkapazitäten.

Erfreut und überrascht zeigt sich Wieland dagegen über das Transitland Kasachstan. Der Bahntransport läuft dort „wie ein Uhrwerk“. Teilweise schafften die Züge dort 1000 Kilometer pro Tag.

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