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Chinesischer Investor Fosun greift auch nach BHF-Bank

Nach der Traditionsbank Hauck & Aufhäuser will die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun auch die Kontrolle bei BHF Kleinwort Benson übernehmen. Die Chinesen legten überraschend ein Übernahmeangebot vor.

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Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun mischt den deutschen Bankenmarkt auf. Quelle: REUTERS

Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun mischt den deutschen Bankenmarkt auf. Nach dem Frankfurter Institut Hauck & Aufhäuser will Fosun künftig auch die Kontrolle bei BHF Kleinwort Benson übernehmen. Die Chinesen, die bereits größter Aktionär des deutsch-britischen Instituts sind, kündigten am Freitag überraschend ein rund 500 Millionen Euro schweres Übernahmeangebot für die Bank an. Sie lassen es damit auf einen Machtkampf mit Aufsichtsratschef Leonhard ("Lenny") Fischer ankommen. Der ehemalige Dresdner-Bank-Vorstand hatte den Finanzdienstleister aus der Frankfurter BHF-Bank und mehreren britischen Geldhäusern geschmiedet. Mitte Juni zerstritt er sich jedoch mit Fosun wegen der abrupten Abberufung von BHF-Bank-Chef Björn Robens.

"Wir glauben fest an Europa und an Deutschland als den entscheidenden Wachstumsmotor des Kontinents", sagte Fosun-Chef Guo Guangchang, der auch "Chinas Warren Buffett" genannt wird. Durch die Übernahmen in Deutschland will Guo "Brücken zwischen Europa und Asien bauen" und die Kapital- und Investitionsflüsse zwischen beiden Kontinenten intensivieren. Falls der Deal gelingt, ist unter anderem die Eröffnung einer BHF-Bank-Repräsentanz in der Volksrepublik geplant. Eine Verschmelzung mit Hauck & Aufhäuser steht Insidern zufolge dagegen nicht auf der Agenda. Beide Marken sollen erhalten bleiben.

Auf Einkaufstour in Europa

Fosun will für alle Aktien, die der Konzern noch nicht besitzt, 5,10 Euro bieten. Der Gesamtpreis für die ausstehenden Papiere beläuft sich auf 498 Millionen Euro. Das Angebot liegt allerdings nur knapp zehn Prozent über dem letzten Kurs der BHF-Aktie, bevor sie am Freitag vom Handel ausgesetzt wurde.

Es steht deshalb in den Sternen, ob Fosun wie angepeilt mehr als 50 Prozent aller Aktien einsammeln kann. Ein Sprecher von Stefan Quandt (BMW ), der mit 11,3 Prozent der zweitgrößte strategische Anteilseigner ist, wollte sich ebensowenig zu der Offerte äußern wie die BHF-Bank.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

Aktuell hält Fosun 19,5 Prozent an BHF Kleinwort Benson. Zudem hat der Konzern angekündigt, die Beteiligung von Timothy Collins in Höhe von 9,1 Prozent zu übernehmen. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat dies bisher allerdings noch nicht genehmigt. Gleiches gilt für den Kauf von Hauck & Aufhäuser. Fosun hat sich vor zwei Wochen mehr als 80 Prozent an der Traditionsbank gesichert.

In Europa ist Fosun bereits seit einiger Zeit auf Einkaufstour. Das Unternehmen hat sich einen Versicherer in Portugal einverleibt und hält außerdem Anteile am Ferienclub-Betreiber Club Med sowie am Reisekonzern Thomas Cook. Fosun hat es vor allem auf Unternehmen abgesehen, die für chinesische Kunden interessant sind und deren Geschäft sich in der Volksrepublik ausbauen lässt.

Banken



Dass Fosun seine Ziele mit einer Minderheitsbeteiligung nur schwer durchsetzen kann, bekam der Konzern vor einem Monat zu spüren. Gegen Fosuns Willen setzte der von Lenny Fischer geleitete BHF-Aufsichtsrat Vorstandschef Robens vor die Tür. Fosun kritisierte die Entlassung mit deutlichen Worten und kündigte Widerstand an. Der von Fischer geführte Finanzinvestor RHJ International hatte die BHF 2014 nach jahrelangem Tauziehen mit der BaFin übernommen. Für den 340 Millionen Euro teuren Kauf holte Fischer damals Fosun, Quandt und RHJ-Mitgründer Collins als Investoren an Bord. Nach der Übernahme benannte er RHJ in BHF Kleinwort Benson um.

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