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Cloud Computing „Wir sind sowas wie Netflix für digitale Unternehmen“

Der neue ServiceNow-Chef Bill McDermott Quelle: ServiceNow

Der frühere SAP-Chef Bill McDermott steht seit Kurzem an der Spitze des amerikanischen Cloud-Anbieters ServiceNow. Im Interview erläutert er, wie er dort den Umsatz in absehbarer Zeit verdreifachen will.

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WirtschaftsWoche: Herr McDermott, im Gegensatz zu Ihrem alten Arbeitgeber SAP kennt außerhalb der IT-Szene kaum jemand Ihr neues Unternehmen, ServiceNow.
Bill McDermott: Bei ServiceNow geht’s uns vor allem darum, die Abläufe in den Unternehmen für die Menschen besser zu machen: Wir brechen die Silos zwischen den verschiedenen Abteilungen und unterschiedlichen Software-Anwendungen auf.

Das klingt noch ziemlich wolkig.
ServiceNow kann beispielsweise den gesamten Weg, den ein Mitarbeiter im Unternehmen durchläuft, von der Einstellung über die Einrichtung seines Rechners am Arbeitsplatz bis hin zur Gehaltsabrechnung managen. Ähnliches gilt für Kunden, für die Unternehmen sämtliche digitalen Kontakte verbessern und sie so etwas zufriedener und loyaler machen können. ServiceNow ist also eine Plattform, die verschiedene IT-Systeme durchgängig miteinander unter einer einheitlichen Oberfläche verbindet – ich bezeichne es gerne als: Die Plattform der Plattformen.

Also richtet sich ServiceNow sowohl nach innen ins Unternehmen wie auch nach außen zu Kunden und Lieferanten?
Ja, ServiceNow hat seine Wurzeln in der IT-Abteilung, indem wir ein automatisiertes Service-Management und ein durchgängiges Management der Geschäftsprozesse ermöglichen. Von dort sind wir in andere Bereiche wie etwa das Personalwesen oder das Management von Kunden und den Vertrieb hineingewachsen. 80 Prozent der Fortune-500-Unternehmen in den USA setzen ServiceNow mittlerweile in irgendeiner Form ein. Das wollen wir jetzt auf einen globalen Maßstab expandieren.

Hierzulande dürfte die Quote aber noch deutlich darunter liegen. Was haben Sie in Deutschland vor?
Ich habe mir vorgenommen, hier viel Zeit zu verbringen. Gerade im öffentlichen Sektor in Deutschland sehe ich große Wachstumschancen – das haben wir in anderen Märkten bereits bewiesen. Und ich möchte viele Vorstandschefs treffen; Siemens etwa nutzt ServiceNow bereits heute. Aber auch im Mittelstand sehe ich noch Potenzial. Zudem könnte ich mir Partnerschaften mit SAP oder anderen IT-Anbietern vorstellen.

An was genau denken Sie da?
SuccessFactors, die SAP-Software fürs Personalwesen, nutzt ServiceNow bereits heute, um das eigene Angebot zu verbessern – denken Sie an einen durchgängigen Prozess bei der Einstellung von Mitarbeitern, den wir mit einer einfachen mobilen App bereitstellen. Derartige Kooperationen sind auch in anderen Bereichen denkbar, dafür sind wir offen.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, von einem Unternehmen wie SAP mit einem Umsatz von zuletzt rund 30 Milliarden Dollar zu ServiceNow mit 3,5 Milliarden Dollar – also gut einem Zehntel – zu wechseln?
Das ist sehr einfach. Also ich bei SAP vor 17 Jahren startete, war das Unternehmen ebenfalls viel kleiner. Genau genommen ist ServiceNow gar nicht so weit weg von SAP bei meinem Einstieg im Jahr 2002. Das ist genau das, was zu mir passt: Ich bin jemand, der aufbaut. Und nebenbei: Wir sind bereits heute der am schnellsten wachsende Cloud-Anbieter der Welt.

Reden Sie sich das nicht etwas schön?
Nein, denn Sie müssen sich ja auch noch Folgendes vergegenwärtigen: Wenn ein Cloud-Unternehmen wie ServiceNow einen Umsatz von zehn Milliarden Dollar erreicht – und auf dieses Ziel haben wir uns bereits verpflichtet – dann ist der wahre Umsatz mehr als doppelt so hoch: Das ist der Rückstand an Monatsgebühren, zu denen sich Kunden verpflichtet haben, die aber noch nicht offiziell verbucht wurden. Dieser Backlog beträgt bei ServiceNow also bereits heute rund sieben Milliarden Dollar. Das ist die Magie eines Cloud-Geschäftsmodells, die viele nicht realisieren.

Wann wird ServiceNow die Schwelle von zehn Milliarden Dollar Umsatz erreichen – und vor allem: wie?
Das wird nicht allzu lange dauern. Dazu werden wir unter anderem neue Märkte wie etwa einige europäischen Länder, Südkorea oder Japan verstärkt ins Visier nehmen. Auch in China haben wir noch gar nicht richtig losgelegt. Da gibt es also noch viel Wachstumspotenzial. Ein weiterer Punkt: Bisher haben wir uns fast ausschließlich Großunternehmen gerichtet – und bewegen uns nun auch schnell in Richtung kleinere und mittlere Firmen.

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