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Container-Transport „Hyperloop ergibt auf kurzen Strecken wenig Sinn“

Hyperloop: Hamburger Hafen plant Containertransport mit Kapseln Quelle: dpa

Der Hamburger Hafen baut eine Hyperloop-Pilotstrecke am Containerterminal Altenwerder. Doch Kritiker bezweifeln, dass sich der Einsatz der Technologie in der Logistik überhaupt rechnet.

Paukenschlag in Hamburg: Der Hamburger Hafen will künftig Seecontainer mit Hochgeschwindigkeit per Hyperloop-Technologie befördern. Dazu hat die Betreibergesellschaft von Deutschlands größtem Hafen HHLA ein Gemeinschaftsunternehmen mit der US-Firma Hyperloop Transportation Technologies (HTT) gegründet.

Das Joint Venture namens Hyperport Cargo Solutions soll in einem ersten Schritt bis zum Jahr 2021 einen Übergabepunkt an einem Seeterminal im Hamburger Hafen entwickeln. Das ist eine Art Rangierbahnhof, an dem die Container in eine noch zu entwickelnde Transportkapsel übergeben und in das Röhrensystem weitergeleitet werden. Für den Testbetrieb will das Unternehmen zudem eine 100 Meter lange Röhrenstrecke bauen, um die Beschleunigung der Container-Transportkapsel zu erproben.

Die Idee für die Hyperloop-Technologie geht zurück auf Tesla- und SpaceX-Gründer Elon Musk. Er hat das Transportsystem mit schwebenden Kapseln ersonnen, die im Fast-Vakuum durch Röhren mit Geschwindigkeiten von 1000 Kilometern pro Stunde und mehr sausen. Musk selbst will damit den Personentransport revolutionieren und baut einen entsprechenden Tunnel in Kalifornien. Die unabhängig von Musk agierende Firma HTT betreibt unter anderem eine eigene Teststrecke für Personentransporte im französischen Toulouse.

Containertransport per Hyperloop-Kapsel im Hamburger Hafen geplant Quelle: HHLA/Thies Rätzke

Hyperport Cargo Solutions unternimmt nach Aussage des Hamburger Hafens den weltweit ersten Versuch, die Hyperloop-Technologie für den Transport von Gütern einzusetzen. So habe sich HHLA gegen andere prominente Häfen rund um den Globus durchgesetzt, die ebenfalls mit HTT verhandelt hätten. „HTT hat sich bewusst für HHLA entscheiden, weil wir eigenes Know-how für automatisch fahrende Containersysteme haben“, sagt HHLA-Sprecher Hans-Jörg Heims. So setzt der Hamburger Hafen am Containerterminal Altenwerder bereits selbstfahrende Transportfahrzeuge ein, die Seecontainer nach dem Abladen vom Schiff autonom zum Containerlager transportieren. Am dortigen Standort soll in den kommenden zwei Jahren auch die neue Hyperloop-Übergabestation entstehen.

Bleibt die Frage, ob es wirklich Sinn ergibt, Container auf eine Geschwindigkeit von bis zu 1200 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen – das ist Schallgeschwindigkeit – um diese 20 Kilometer quer durch Hamburg zu schießen. Denn Elon Musks ursprüngliche Idee sollte vor allem Reisezeiten auf Langstrecken – wie etwa die knapp 600 Kilometer zwischen Los Angeles und San Francisco – auf eine gute halbe Stunde verkürzen.

„Eigentlich ergibt die Hyperloop-Technologie mit Vakuum auf kurzen Strecken wenig Sinn“, sagt Florian Janke, einer von drei Projektleitern eines Studententeams von der TU München, das im Juli zum dritten Mal in Folge den Hyperloop-Wettbewerb von Elon Musk gewonnen hat. Außerdem verfügt die Technologie im Cargo-Einsatz über eine Reihe von Nachteilen: Für Container muss der Röhrendurchmesser sehr groß sein. „Das wiederum macht das System teuer“, sagt Janke.

Dadurch könnten die Kosten pro Kilometer teurer werden als beim herkömmlichen Transport. „Das aber wäre genau das Gegenteil dessen, was man in der Logistik eigentlich haben will – nämlich möglichst niedrige Kilometerkosten“, so Janke. Aus diesem Grund müsse man sehr genau untersuchen, ob ein Hyperloop-System zum Transport von Gütern sinnvoll sei.

Derartige Bedenken wischt man in Hamburg beiseite: „Wir wollen mit innovativen Ansätzen einen Beitrag zur Entlastung der Verkehrsinfrastruktur im und um den Hamburger Hafen leisten“, so HHLA-Chefin Angela Titzrath bei der Vorstellung des Gemeinschaftsunternehmens. Aus Sicht des Hamburger Hafens hat die Hyperloop-Technologie viele Vorteile: Die Technik sei schon sehr ausgereift und stamme zu wichtigen Teilen aus Deutschland – beispielsweise das Pumpensystem für das Vakuum in der Röhre.

Zudem soll das Hyperloop-System für Container nach erfolgreichem Abschluss der Pilotphase in den kommenden zwei Jahren an andere Häfen vermarktet werden. Damit das gelingt, stecken beide Partner insgesamt sieben Millionen Euro in das Joint Venture. Der Betrag sei überschaubar und lasse sich im Erfolgsfall einfach refinanzieren.

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