Corona „Gleichzeitig gegen Omikron und Grippe impfen“

Quelle: imago images

In diesen Tagen kommen die Omikron-Impfstoffe von Biontech und Moderna in den Arztpraxen an. Ulrich Weigeldt, Chef des Hausärzteverbandes, beklagt das „Hin und Her bei der Kommunikation“. Die Nachfrage nach den neuen Impfstoffen sie überschaubar – dennoch hätten die Hausärzte einiges zu erklären.

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WirtschaftsWoche: Herr Weigeldt, die Omikron-Impfstoffe sind nun vorrätig. Wie groß ist die Nachfrage der Patienten?
Ulrich Weigeldt: Die Nachfrage nach den Impfstoffen hält sich sehr in Grenzen. Von einem Ansturm sind wir weit entfernt.

Also ist es ein eher ruhiger Job für die Hausärzte?
Nein, auf keinen Fall. Denn die Patientinnen und Patienten sind verunsichert und haben viele Fragen zu den neuen Impfstoffen. Der Beratungsaufwand für die Hausärztinnen und Hausärzte ist sehr hoch, insbesondere durch das ständige Hin und Her bei der Kommunikation. Das zieht sich leider wie ein roter Faden durch die gesamte Pandemie: Die Kommunikation zum Thema Impfstoffe ist in großen Teilen schlecht gelaufen. Es ist leider während der gesamten Zeit zu wenig darüber nachgedacht worden, wie man die Menschen am besten für eine Impfung erreichen kann. Es gab noch nicht mal eine gute Werbekampagne. Am Ende mussten dann die Ärztinnen und Ärzte den Großteil der Aufklärung übernehmen. Und auch unabhängig vom Impfen sind die Praxen im Moment gut gefüllt und werden sich angesichts der anstehenden herbstlichen Infektionswelle weiter füllen.

Zur Person

Welche konkreten Fragen haben die Impfwilligen?
Derzeit werden Impfstoffe ausgeliefert, die an die Omikron-Variante BA.1 angepasst sind. In einigen Wochen kommen dann die Impfstoffe, die auf die derzeit vorherrschende Variante BA.5 abgestimmt sind. Die Patientinnen und Patienten fragen sich da schon: Soll ich mich jetzt impfen lassen oder auf den BA.5-Impfstoff warten?

Die USA machen es anders – sie setzen ausschließlich auf den BA.5-Impfstoff, der offensichtlich noch etwas wirksamer ist, weil er an die vorherrschende Variante angepasst ist.
In Deutschland ist das nicht glücklich gelaufen. Aber es ist jetzt auch müßig, darüber zu diskutieren. Nach dem, was man bisher weiß, liegen keine Welten zwischen dem BA.1- und dem BA.5-Impfstoff und beide sind sicher und wirksam.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat auch noch keine Empfehlung zu den Omikron-Impfstoffen abgegeben. Hält das viele Patienten ab, sich impfen zu lassen?
Die Stiko arbeitet nun mal sehr gründlich. Klar wünscht man sich manchmal, dass es schneller gehen würde. Wirklich ärgerlich ist, dass wir in Deutschland scheinbar nicht in der Lage sind, zeitnah ausreichend Studiendaten für die Impfstoffe zu erheben. Dem stehen meist Datenschutzgründe entgegen. Also bedienen wir uns in England oder Israel, wo geeignete Daten zur Verfügung stehen und werten diese dann aus. Auch das beschleunigt nicht gerade den Prozess.

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Haben Sie einen Vorschlag, wie sich die Verabreichung der Impfstoffe noch verbessern ließe?
Gleichzeitig gegen Omikron und gegen die Grippe impfen – das wäre wünschenswert. Denn leider lassen sich viel zu wenige Menschen gegen Grippe impfen, bei den über 60-Jährigen sind es nur knapp 40 Prozent, wenn überhaupt. Die Zielvorgabe der Europäischen Union liegt bei 75 Prozent, das wird in Deutschland nicht annähernd erreicht. Leider wird über die Grippe-Schutzimpfung – im Gegensatz zur Omikron-Impfung – viel zu wenig gesprochen. Würden beide Impfstoffe gleichzeitig verabreicht, wäre das eine sehr effektive Lösung. So müssten die Patientinnen und Patienten nicht mehrere Impftermine vereinbaren, was gerade für Ältere nachvollziehbarerweise eine zusätzliche Hürde ist.

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