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Coronafolgen Nahverkehr: Hohe Kosten, kaum Möglichkeit zu sparen

Nahverkehr in der Coronakrise: Hohe Kosten, kaum Möglichkeit zu sparen Quelle: dpa

Busse und Bahnen fahren in der Coronakrise weiter – auch ohne Gäste. Das kostet viel Geld. In den Strukturen des Öffentlichen Schienennahverkehrs, wo selten Einigkeit herrscht, ruft man nun gemeinsam den Bund um Hilfe.

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In der Coronakrise stehen die Unternehmen und Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) vor enormen finanziellen Schwierigkeiten. Trotz der Krise sei es gelungen, „deutschlandweit auch in dieser sehr angespannten Phase durchschnittlich 84 Prozent des Regelangebots zu fahren, sagte Susanne Henckel, Chefin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Aufgabenträger des Schienenpersonennahverkehrs (BAG-SPNV).

Der Einbruch der Fahrgastzahlen ist allerdings deutlich größer. Der Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) ging am Donnerstag davon aus, dass derzeit nur noch 30 Prozent des sonst üblichen Fahrgastaufkommens erreicht werden.

Weil die Ticketpreise rund die Hälfte der Einnahmen im Schienenpersonennahverkehr ausmachen, fehlt den Ländern und Unternehmen nun ein wichtiger Teil der Finanzierung. Daher hatte unter anderem die für die Schieneninfrastruktur verantwortliche Bahn-Tochter DB Netz vor einigen Wochen mitgeteilt, während der Coronakrise keine Stornogebühren für die Abbestellung von Trassen zu erheben.

Stationsentgelte für die Nutzung der Bahnhöfe der Deutschen Bahn können zudem gestundet werden. Die Branche schätzt, dass unter anderem mit solchen Maßnahmen insgesamt 175 Millionen Euro eingespart werden können. Dem stünden aber Umsatzverluste in Höhe von 5 bis 7 Milliarden Euro gegenüber. Aufgrund des Nachfrageeinbruchs könnte die Deutsche Bahn sogar gezwungen sein, den Bund um finanzielle Unterstützung zu bitten, erfuhr die WirtschaftsWoche aus Unternehmenskreisen.

Die Bundesländer, die mithilfe von sogenannten Regionalisierungsmitteln vom Bund für die Finanzierung des Schienen-Nahverkehrs mitverantwortlich sind, hatten deshalb vor wenigen Tagen gemeinsam einen Hilferuf an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geschickt und weitere Unterstützung gefordert.

Es müssten „zusätzliche öffentliche Mittel zweckgebunden für die Bewältigung der finanziellen Folgen der Corona-Pandemie im ÖPNV zur Verfügung gestellt werden“, heißt es darin, damit es „auch während und nach der Krise einen leistungsfähigen ÖPNV gibt“.

Mehrere Verkehrsverbände und Unternehmen hatten sich den Forderungen angeschlossen – in einer Branche, in der Wettbewerbssituation und starke Konkurrenz selten zu Einigkeit führen. „Normalerweise ist die Branche nicht geübt, gemeinsame Forderungen zu stellen“, räumte Henckel ein und lobte den Vorstoß.

Sie forderte, dass die Unterstützung zusätzlich zu den bereits beschlossenen Geldern fließen müsse, die etwa im Rahmen des Klimapakets der Bundesregierung vor allem der Infrastruktur und Instandhaltung des Bahnnetzes zugute kommen sollen. „Wir können jetzt natürlich nicht sagen, wir nehmen das ganze Geld, das fürs Bauen vorgesehen war und finanzieren damit jetzt die Einnahmeverluste. Denn dann würden wir noch länger die gravierenden Mängel in der Infrastruktur behalten“, sagte Henckel.

Angesichts der ersten Lockerungen in den Bundesländern beobachteten die Unternehmen derzeit wieder eine Zunahme der Fahrgastzahlen. Henckel zog ein positives Fazit mit Blick auf die Einhaltung der Maskenpflicht in Bussen und Bahnen. „Viele Fahrgäste haben sich gleich am ersten Tag dran gehalten“, sagte sie. „Die Menschen sind sehr vorsichtig unterwegs und setzen sich auf Abstand in den Verkehrsmitteln.“ Stärkere Kontrollen sowie die Steuerung des Fahrgastaufkommens etwa über Reservierungspflichten sehe sie daher skeptisch.

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