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Coronavirus Bundesliga und Champions League unterbrechen die Saison – Debatte um Olympia

In der Formel 1 herrscht nach der Absage des Saisonauftaktes Chaos, der Fußball-Bundesliga droht dieses. Die Partien im Europapokal werden vorerst ausgesetzt.

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Coronavirus: Bundesliga und Champions League unterbrechen Saison Quelle: dpa

Die Folgen der Coronavirus-Krise werden auch im Sport immer dramatischer. Fußball-Bundesliga, Formel 1 oder Champions League bekommen die volle Wucht der Wirklichkeit zu spüren. Die Verschiebung der Europameisterschaft in das kommende Jahr scheint unausweichlich. Nur das IOC mit dem deutschen Präsidenten Thomas Bach an der Spitze hält scheinbar unausweichlich an seinem Hochglanz-Produkt Olympische Spiele in Tokio im Sommer fest.

Am Freitag setzte die Europäische Fußball-Union (Uefa) den Spielbetrieb in der Champions League und in der Europa League wegen der Verbreitung von Covid-19 vorerst aus. Die Bayern werden also nicht am kommenden Dienstag zu ihrem Achtelfinal-Rückspiel in der Königsklasse gegen den FC Chelsea antreten, dessen Stürmer Callum Hudson-Odoi zudem auch noch positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Die für den 20. März angesetzte Europapokal-Auslosung wurde ebenfalls verschoben.

Die Bundesliga hielt am Freitagvormittag noch an der Ausrichtung des 26. Spieltages an diesem Wochenende mit Partien von Freitag bis einschließlich Montag unter Ausschluss von Zuschauern fest. Ab Dienstag soll dann bis zum 2. April unterbrochen werden. Diesen Vorschlag des Präsidiums will die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Montag den Proficlubs unterbreiten.

„Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen - aus sportlichen Gesichtspunkten, aber insbesondere auch, weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Clubs existenzbedrohende Konsequenzen haben könnte“, hieß es von der DFL dazu.

Am Donnerstagabend hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Bevölkerung wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus zu drastischen Einschnitten aufgefordert und damit indirekt auch die Fußball-Verantwortlichen noch stärker in die Pflicht genommen. Die Liga hat für Montag eine Mitgliederversammlung anberaumt, um das weitere Vorgehen in der Coronavirus-Krise abzustimmen.

Auch der englische Profifußball stoppt seinen Spielbetrieb. Nach einer Krisensitzung am Freitagmorgen in Folge der positiven Coronavirus-Tests von Arsenal-Trainer Mikel Arteta und Chelsea-Profi Callum Hudson-Odoi beschlossen die Verantwortlichen der Premier League eine Pause bis mindestens zum 3. April. Das teilte die Liga mit. Trotz aller Herausforderungen plane man, die Partien nachzuholen, wenn es die Situation erlaube, hieß es weiter.

Der FC Arsenal hatte am Donnerstagabend mitgeteilt, dass eine „signifikante“ Anzahl von Personen, „einschließlich des gesamten Kaders und des Trainerteams der ersten Mannschaft“, von den nun nötigen Quarantäne-Maßnahmen betroffen sei. Dies dürfte auch die deutschen Profis Bernd Leno, Mesut Özil und Shkodran Mustafi betreffen. Der FC Chelsea, dessen Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den FC Bayern abgesagt wurde, hatte zuvor bereits die Erkrankung von Hudson-Odoi öffentlich gemacht.

Die Formel 1 zog bereits weitreichende Konsequenzen. Nach einer nächtlichen Krisensitzung infolge des ersten Positivtests im Fahrerlager bei einem McLaren-Mitarbeiter und dem Rückzug des englischen Traditionsteams rang sich die Formel-1-Führung zur Absage des Auftaktrennens in Australien durch. Mit stundenlangem Schweigen handelten sich die Bosse Kritik an ihrem Krisenmanagement ein und stehen bei der Kalender-Architektur vor einem Rätsel.

Fußball-EM auf der Kippe

Selbst ein möglicher Saisonstart beim Grand Prix von Aserbaidschan am 7. Juni in Baku gilt nicht mehr als ausgeschlossen. „In den nächsten Tagen werden wir uns natürlich mit den vor uns liegenden Events befassen“, versicherte Formel-1-Boss Chase Carey, der nach einem Gipfeltreffen zur Rettung der Grand-Prix-Premiere am 5. April in Hanoi aus Vietnam eingeflogen kam.

Die Pandemie lässt das Fernost-Rennen aber mittlerweile genauso unwahrscheinlich erscheinen wie den Grand Prix von Bahrain am 22. März. Das China-Event am 19. April wurde längst verschoben. Nachholtermin? Offen.

Massiv in Zweifel steht nach den Entscheidungen zu den europäischen Vereinswettbewerben eine planmäßige Ausrichtung der Fußball-Europameisterschaft (12. Juni bis 12. Juli). Bei der Uefa ist für den kommenden Dienstag eine Krisensitzung per Videokonferenz mit allen 55 Mitgliedsverbänden geplant. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gilt die Verschiebung des paneuropäischen Turniers in den Sommer 2021 inzwischen als erste Option.

Die US-Basketball-Profiliga NBA, die Tennis-Organisatoren, die Handball-Bundesliga - alle machen Pause und setzen vorerst aus. Nur in Japan und beim IOC geben sich die Verantwortlichen unbeirrt. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe konterte den Vorschlag von US-Präsident Donald Trump zu einer Verlegung der Olympischen Spiele.

Trotz der Coronavirus-Pandemie seien die Vorbereitungen für die Sommerspiele in Japans Hauptstadt weiter im Plan, sagte Abe einem Sprecher zufolge Trump in einem Telefonat am Freitag. Trump hatte zuvor in einer Medienrunde im Weißen Haus zu den Olympischen Spielen gesagt: „Vielleicht, aber das ist nur meine Meinung, verschieben sie sie um ein Jahr. Vielleicht ist das auch nicht möglich.“

Die Sommerspiele sollen vom 24. Juli bis zum 9. August stattfinden. „Wir arbeiten mit vollem Engagement auf den Erfolg dieser Spiele mit der Eröffnungsfeier am 24. Juli hin und tun alles dafür, damit sich auch die Athleten entsprechend vorbereiten können“, hatte IOC-Präsident Thomas Bach der ARD am Donnerstag gesagt.

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