Coworking-Anbieter Tochterunternehmen von WeWork Germany geht in die Insolvenz

WeWork-Büros in New York. Quelle: AP

Der Büroraum-Anbieter WeWork zählte einst zu den wertvollsten Start-ups, stellte vor Kurzem jedoch einen Insolvenzantrag in den USA. Jetzt ist auch eine deutsche Tochtergesellschaft insolvent.

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Die WeWork-Insolvenz hat offenbar auch Folgen für das Geschäft des US-Büroraumanbieters in Deutschland. Nach Informationen der WirtschaftsWoche hat mit der „25 Turmstraße Tenant GmbH“ eine Tochtergesellschaft von WeWork Germany Insolvenz angemeldet. Als vorläufigen Insolvenzverwalter setzte das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg den Juristen Florian Linkert, Partner der Kanzlei BBL, ein. 

Die Idee hinter WeWork ist, in sogenannten Co-Working-Spaces Büroräume mit gemeinsamer Infrastruktur an Start-ups und Unternehmer zu vermieten. Nach jüngsten Angaben kam die Firma zuletzt auf 660 solcher Standorte in 119 Städten rund um die Welt. In Deutschland ist WeWork unter anderem mit mehreren Standorten in Frankfurt und Berlin präsent, darunter auch in der Turmstraße 25 in Berlin-Moabit. Dort wollte WeWork nach früheren Angaben auf einem ehemaligen Brauereigelände 7500 Quadratmeter Fläche nutzen. Dem Vernehmen nach, konnte die Immobilie aber nie bezogen werden, was nun auch der Hintergrund des Insolvenzantrags ist. 

„Wir verhandeln weiterhin proaktiv mit unseren Immobilienpartnern auf der ganzen Welt, um hohe Kosten und unflexible Mietbedingungen zu vermeiden und WeWork bestmöglich für die Zukunft zu positionieren“, teilt eine WeWork-Sprecherin auf Anfrage der WirtschaftsWoche mit. „Als Teil dieser Verhandlungen haben wir beschlossen, das Projekt Turmstraße 25 nicht weiter zu verfolgen“. Die Insolvenzsituation sei aber „eine Ausnahme“ für den deutschen Markt.

Dokumente aus dem Handelsregister zeigen indes, dass sich die WeWork-Deutschlandchefin Katharina von Schacky bereits Ende Oktober aus der Geschäftsführung der Turmstraßen-Tochtergesellschaft zurückgezogen hat. Seither ist der Insolvenzjurist Carlos Mack hier Geschäftsführer. Seit Ende Oktober beziehungsweise Anfang November führt Mack zudem die Geschäfte der „19 Schillerstraße Tenant GmbH“, der „Neue Schönhauser Straße 3-5 Tenant GmbH“, der „Wilmersdorfer Strasse 59 Tenant GmbH“, der „Kurfürstendamm 11 Tenant GmbH“ und der „20 Heinrich-Heine-Allee Tenant GmbH“. Die Gesellschaften gehören ebenfalls zu WeWork. 

Laut einer Unternehmenssprecherin habe die Insolvenz der Turmstraßen-Tochtergesellschaft keine Auswirkungen auf die als „Mitglieder“ bezeichneten WeWork-Kunden. Deutschland sei weiterhin ein „Schlüsselmarkt“ für das Unternehmen. Bislang allerdings kein sonderlich lukrativer, geht aus dem im Bundesanzeiger hinterlegtem Jahresabschluss für 2021 hervor.

In dem von der Coronapandemie geprägten Geschäftsjahr verbuchte WeWork Germany demnach einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 33 Millionen Euro und bilanzierte einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag von rund 155 Millionen Euro. Die Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft wiesen schon damals darauf hin, dass „der Fortbestand der Gesellschaft von der Realisierung der der Konzernplanung zu Grunde gelegten Annahmen oder der Erschließung neuer externer Finanzierungsquellen abhängig ist“. 

47 Milliarden Dollar pulverisiert

Die US-Muttergesellschaft zählte einst zu den weltweit wertvollsten Start-ups, stellte vor Kurzem jedoch einen Insolvenzantrag mit Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts. Das Unternehmen will sich nun neu aufstellen und unter anderem das Angebot an Büroflächen verkleinern. Der Insolvenzantrag in Berlin habe aber nichts mit dem Chapter-11-Verfahren zu tun, heißt es im Unternehmensumfeld.

WeWork wurde vor einigen Jahren zu einem mahnenden Beispiel für maßlos überbewertete US-Start-ups: Zeitweise war das Unternehmen bis zu 47 Milliarden Dollar wert und strebte 2019 an die Börse. Doch der Gang aufs Börsenparkett floppte. Der tiefere Einblick ins Geschäft im Börsenprospekt veranlasste große Investoren, einen Bogen um die verlustreiche Firma zu machen. 

Teuer wurde das damalige Debakel vor allem für den japanischen Konzern Softbank des Milliardärs Masayoshi Son. Softbank und sein mit saudi-arabischen Geldern gestützter Vision-Investitionsfonds hatten sich für neun Milliarden Dollar einen Anteil von 29 Prozent an WeWork gesichert. Als der Börsengang 2019 platzte, nahm Softbank weitere 9,5 Milliarden Dollar in die Hand, um auf 80 Prozent aufzustocken und den umstrittenen Mitgründer und Chef Adam Neumann herauszudrängen.

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Doch auch unter der Regie von Softbank blieb WeWork glücklos. In der Corona-Pandemie leerten sich Büros weltweit, weil Menschen zu Hause arbeiteten. Auch nach Abklingen der Pandemie tat sich WeWork schwer damit, Büroflächen zu füllen. Zugleich mussten Mietkosten für Gebäude bezahlt und Schulden bedient werden.

Zuletzt häuften sich die Schwierigkeiten. Schon im August räumte das Unternehmen mit Blick auf seine Verluste und den erwarteten Geldbedarf „erhebliche Zweifel“ am Fortbestehen ein. 

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