Dating-Portale Mit dem Smartphone auf Partnersuche

Die Kontaktsuche per Smartphone boomt, die etablierten Partnervermittlungen im Internet spüren den Atem der Konkurrenz - und greifen zu Verzweiflungstaten.

So funkt es auch im Netz
Foto facebook-Startseite Quelle: REUTERS
Foto "Wer bin ich?"
Foto screenshot Log-in
Foto Modelleisenbahnen Quelle: dpa/dpaweb
Foto Duden Quelle: obs
Foto lachender Mann, lachende Frau Quelle: obs
Foto einer Statue der Justitia Quelle: dpa
Bild zum Thema "erster Kontakt" Quelle: obs
Foto gestresster Arbeitender
Vorsicht bei Fake-ProfilenIm echten Leben sind Sie noch nie von einem Supermodel angesprochen worden – im Flirtportal haben Sie aber schon zehn Nachrichten von jungen, attraktiven Personen erhalten? Seien Sie ehrlich zu sich selbst und gestehen Sie sich ein, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Wo geflirtet wird, sind auch immer Fake-Profile mit meist unseriösen Interessen vertreten. Quelle: dpa

Der Radar läuft, das Smartphone tastet die nähere Umgebung ab. Auf dem Bildschirm erscheint Anja, 26, braunes Haar, die Lippen rot und zum Kuss geformt – Entfernung: 150 Meter Richtung Westen. 300 Meter nördlich weilt offenbar Jacqueline, 24, blondes Haar, kurzes Oberteil. Ein paar Worte ins Handy getippt und abgeschickt, mal schauen, welche der beiden zuerst zurückschreibt.

Flirten mit dem Smartphone, das „Mobile Dating“, ist der große Trend im Geschäft mit der Partnersuche im Internet. Von null auf 25 Millionen Euro explodiert der Umsatz der blutjungen Branche in Deutschland in nur drei Jahren. Start-ups wie Lovoo in Dresden oder Tinder (zu Deutsch: Zunder) in den USA haben sich neue Funktionen wie einen Live-Radar einfallen lassen, um Kundschaft anzuziehen.

Benjamin Bak Quelle: Presse

Mit der Kontaktsuche per App in Echtzeit machen die Anbieter klassischen Kupplern im Internet gehörig Konkurrenz. „Für die etablierten Singlebörsen und Partnervermittlungen sind die neuen Apps der blanke Horror“, sagt Henning Wiechers, Betreiber des Branchendienstes Singlebörsen-Vergleich.de. Vor allem für Kontaktanzeigen-Portale wie neu.de oder FriendScout24 sei die Entwicklung zum mobilen spielerischen Flirten ein „Riesenproblem“.

Wiechers schätzt, dass die beiden Unternehmen zusammen bereits bis zu zehn Millionen Euro Umsatz an die neuen Wettbewerber verloren haben, weil deren Apps bei ähnlicher Leistung preisgünstiger sind. Auf den Web-Seiten von neu.de und FriendScout24 können Kunden zwar Single-Profile kostenlos durchforsten. Die Kontaktaufnahme aber kostet ab 35 Euro pro Monat – ein Mehrfaches von Lovoo.

„Natürlich spüren wir neue Anbieter wie Lovoo“, räumt Joachim Rabe ein, Geschäftsführer von neu.de. Dies sei „keine kurzfristige Mode, sondern eine langfristige Entwicklung“, die mit „dramatischen Veränderungen“ einhergehe. „Die Konsolidierung ist mitten im Gange.“

Das Potenzial für Kontakt- und Partnervermittler ist groß. Rund zwölf Millionen Erwachsene leben in Deutschland ohne feste Beziehung, Tendenz steigend. Vor allem auf die jüngeren, digital affinen Jahrgänge haben es die Mobile-Dating-Portale abgesehen. Denn von den 18- bis 30-Jährigen hierzulande hat nach einer repräsentativen Studie der Internet-Plattform ElitePartner jeder zweite keinen festen Lebensgefährten – je jünger, desto single.

Snapchat bietet nun auch Chat-Funktion
Facebook-MessengerZwar kaufte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg den Messenger-Giganten WhatsApp, der mittlerweile eine Milliarde Nutzer hat. Trotzdem schafft es auch der Facebook-Messenger unter die beliebtesten Nachrichtendienste. Er hat mittlerweile 800.000 User und soll bald auch die Grenze von einer Milliarde knacken. Quelle: AP
SkypeSkype ist für fast alle Plattformen verfügbar und funktioniert sogar plattformübergreifend. Dabei kann der Anwender mit anderen nicht nur die Videochat-Option nutzen, sondern auch einfache Textnachrichten verschicken. Seit Mai 2011 gehört der Dienst zu Microsoft. Skype hat nach Schätzungen von Trefis.com weltweit etwa eine Milliarde Nutzer. Quelle: dpa
SnapchatDie App, die mit automatisch verschwindenden Fotos einen Trend auslöste, bietet künftig auch Textnachrichten und Videochats an. Getreu dem Snapchat-Grundprinzip verschwinden die ausgetauschten Nachrichten nach dem Ende der Konversation, wie die Entwickler im Blogeintrag " Putting the Chat into Snapchat" erläuterten. Über Snapchat wurden nach Angaben der Firma im Jahr 2014 mehr als 700 Millionen Bilder pro Tag geteilt. Die Fotos verschwinden wenige Sekunden, nachdem der Adressat sie geöffnet hat. Die Popularität des Dienstes lockte bereits Facebook an: Laut Medienberichten schlug Snapchat-Mitgründer und Chef Evan Spiegel ein drei Milliarden Dollar schweres Kaufangebot des weltgrößten Online-Netzwerks aus. Quelle: dpa
Threema Quelle: dpa
HoccerDer deutsche Messenger Hoccer ist Testsieger der Stiftung Warentest. Der Dienst verschlüsselt die Nachrichten, der Server des Start-ups steht in Deutschland. Die Nutzer müssen bei der Nutzung keine Daten über sich preisgeben. Im Herbst 2015 hatte Hoccer eine halbe Million aktive Nutzer. Quelle: Presse
Line Quelle: AP
TinderTinder zeigt an, wer sich gerade in der Nähe befindet und nutzt dabei alle Daten, die bei Facebook hinterlegt sind – auch auf die Freunde. So soll auch erreicht werden, dass vor allem Menschen gefunden werden, die gut zum Suchenden passen. 2015 nutzten zwei Millionen Deutsche die App. Quelle: Screenshot
WeChatIn Asien ist ein neuer Messenger auf Erfolgskurs. Das chinesische Unternehmen Tencent hat die Software WeChat entwickelt und an den Markt gebracht. In China ist es auch unter dem Namen Weixin bekannt. Textnachrichten sind darüber genauso möglich wie Sprach- und Videonachrichten. Der Clou: Alle Kommunikationsarten lassen sich auch auf Gruppen ausweiten. Seit Januar 2011 ist WeChat online und seit dem exponentiell in China gewachsen. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg ist, dass die Firewall der chinesischen Regierung  Facebook und Twitter blockiert. Ende 2015 nutzten fast 700 Millionen Menschen WeChat. Quelle: Presse
ViberViber ist eigentlich eine VoIP-Software, mit der aber auch Textnachrichten verschickt werden können – ähnlich wie bei Skype. Viber ist kostenlos. Eine Registrierung ist nicht nötig. Über WLAN oder UMTS können kostenlose Gespräche mit anderen Viber-Nutzern geführt werden. Im April 2015 hatte Viber laut Unternehmen weltweit 249 Millionen Nutzer. Quelle: Screenshot
Reporter Diese App greift auf ziemlich viel zu - auf Wetterdaten, den Fotostream und auch das Mikrofon. Denn diese App stellt dem Nutzer mehrmals am Tag fragen, was er gerade tut, wer bei ihm ist und wie er sich dabei fühlt. Das Ziel dieser App ist es über einen langen Zeitraum festzustellen, wann man sich wohlfühlt und mit wem man die meiste Zeit verbringt. Die Daten werden lokal abgespeichert und können auf Wunsch auch in eine Dropbox-Cloud hochgeladen werden. Quelle: Screenshot
WazeEine klassische Community-App mit der sich Nutzer gegenseitig vor Staus und Blitzern warnen können. Google hat das israelische Startup für über eine Milliarde Euro gekauft, auch weil ein Grund für Baustelle oder Straßensperrung eingegeben wird. Die Besonderheit: Es werden Bewegungsdaten der Smartphone aufgezeichnet, damit der Dienst weiß, wo es gerade stockt. Bislang fehlen aber Nutzer. Quelle: Screenshot
eBuddy2003 ging eBuddy, damals noch unter dem Namen e-Messenger, als weltweit erster browserbasierter Instant-Messenger an den Start. 2006 erfolgte die Umbenennung in eBuddy. Das Programm erlaubt Nutzern von MSN, Google Talk,  ICQ, AOL sowie der Facebook und Yahoo Messenger, über ein einziges Interface kostenfrei Nachrichten auszutauschen. Quelle: Screenshot
IM+IM+ ist ein All-in-One-Messenger. Er bietet die Möglichkeit, in nur einem Fenster verschiedene Messenger-Dienste wie MSN, Facebook, Google Talk, Skype, ICQ und einige weitere zu bedienen. IM+ ist erhältlich für iPhone, iPad, Android, Blackberry und Windows Phone. Quelle: Screenshot
KakaoTalkKakaotalk ist ein Instant Messenger aus Südkorea. Kakaotalk funktioniert genau wie alle gängigen Messenger: Es können Textnachrichten, Videos, Fotos und Sprachmitteilungen übermittelt werden. Die zugehörige App ist für die Betriebssysteme Android, iOS, Bada, Windows Phone und Windows 10 Mobile verfügbar. In vereinfachten Varianten gibt es KakaoTalk auch für Windows und OS X. Quelle: Screenshot

Die Offenheit dieser Altersklasse sowohl für mobile Dienste als auch für die Balz war für Benjamin Bak vor drei Jahren der Grund, Lovoo zu gründen. Der Dresdner, damals 24 Jahre jung, hatte mit seinem Unternehmen dampfer.net – einer Art Facebook für Ostdeutschland – schon Erfahrung mit sozialen Netzwerken gesammelt. Dann hörte er von einer App, die es Schwulen ermöglicht, mit dem Smartphone über die Funktion der Standortbestimmung Gleichgesinnte in der Nähe zu finden.

„Ich war fasziniert von dieser neuen Möglichkeit des digitalen Flirtens, aber für Heteros gab es so was noch nicht“, sagt Bak. Also entwickelte er mit sieben anderen Gründern ein Portal, auf dem sich Singles per Smartphone finden können. Lovoo war geboren. Auf den Namen kamen die Dresdner durch ein YouTube-Video, in dem ein Husky die Worte „I love you“ jault.

Heute flirten mit Baks App weltweit mehr als 11,3 Millionen junge Leute, davon die Hälfte in Deutschland. Die Nutzer sind im Schnitt 24 Jahre alt und zu zwei Dritteln männlich. Das Unternehmen mit 65 Mitarbeitern erlöst eine siebenstellige Summe im Monat, ist nach eigenen Angaben profitabel und gehört Bak und seinen sieben Kompagnons komplett, ohne dass sie fremde Geldgeber benötigen.

Laut Bak kommt der Umsatz von Lovoo je zur Hälfte aus Werbung und aus Einnahmen von den Nutzern. Wer den vollen Umfang des Liebeslotsen in Anspruch nehmen will, muss als Premium-Mitglied acht Euro im Monat überweisen. Rund 15 Prozent der Lovoo-Kunden tun das.

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