Deag-Hauptversammlung Aktionäre vertrauen Chef Peter Schwenkow

Trotz schmaler Renditen und gestrichener Dividende: Die Deag-Hauptversammlung verlief unerwartet ruhig. Die Aktionäre vertrauen Vorstandschef Peter Schwenkow und seiner Mannschaft, der Vorstand wurde mit großer Mehrheit entlastet. Eine Überraschung aber gab es.

Peter Schwenkow Quelle: dpa

Selbst Wolf Gramatke staunte nicht schlecht. „So etwas hatte ich auch noch nicht“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutsche Entertainment AG (Deag). Der Grund: Kein einziger Aktionär hatte sich auf der von Gramatke geleiteten Hauptversammlung des börsennotierten Berliner Konzertveranstalters am Donnerstagvormittag zu Wort gemeldet. So schloss der Aufsichtsratschef die in der Tagesordnung vorgesehene Aussprache - ohne Aussprache. „Unüblich“ sei das, wiederholte Gramatke später noch zwei Mal.

Das Interesse war offenkundig gering: Nicht mehr als etwa 50 Aktionäre und Aktionärsvertreter hatten sich in Berlin eingefunden. Sie repräsentierten nur gut die Hälfte des stimmberechtigten Kapitals. Erst als Gramatke später schon die Abstimmungen erläuterte, meldete sich doch noch ein Aktionär zu Wort und fragte nach den Gründen für den Wechsel des Wirtschaftsprüfers. Bereits aus der Tagesordnung ging hervor, dass die BDO AG die Deag künftig nicht mehr prüfen wird, den Abschluss 2014 hatte sie kritisch unter die Lupe genommen und nur eingeschränkt testiert. Die Deag schlug den Aktionären in der Tagesordnung vor, künftig RoeverBroennerSusat prüfen zu lassen.

Das sind die beliebtesten Festivals
Platz 5: Nature One (64.000 Besucher)300 DJs legen alljährlich bei Nature One im Hunsrück auf. 64.000 Raver tanzten bei der letztjährigen Ausgabe des Electrofestivals unter anderem zu den Klängen von Paul van Dyk, Sebastian Ingrosso und Tom Novy. Quelle: Jochen Herrmann, Wikimedia Commons, CC BY SA 3.0
Platz 4: Hurricane Festival (73.000 Besucher)In der Lüneburger Heide wird es jeden Sommer laut: Beim Hurricane Festival traten letztes Jahr unter anderem Rammstein, die Arctic Monkeys und Paul Kalkbrenner auf. Dazu versammelten sich 73.000 Feiernde auf der Motorrad-Sandrennbahn Eichenring. Quelle: ASK, Wikimedia Commons, CC BY SA 3.0
Platz 3: Rock im Park (76.000 Besucher)Es ist der kleine Bruder vom Rock am Ring: Acht Jahre später gegründet, fand es 1993 zunächst unter dem Namen Rock in Vienna in Wien statt. Erst seit dem 1995 in München heißt es Rock im Park und findet seit 1997 in Nürnberg statt. Vergangenes Jahr zogen unter anderem The Killers, Green Day und 30 Seconds to Mars 72.000 Besucher an. Quelle: Heini Samuelsen, Wikimedia Commons, CC BY SA 2.0
Platz 2: Wacken Open Air (84.500 Besucher)Das Mekka der Heavy-Metal-Jünger liegt in Schleswig-Holstein. Das Örtchen Wacken zog allein vergangenes Jahr 84.500 Menschen an. Diese feierten bei „Wacken Open Air“ unter anderem zu den Auftritten von Anthrax, Motörhead und Rage against the Machine. Quelle: dpa
Platz 1: Rock am Ring (87.000 Besucher)U2, Chris de Burgh und Marius Müller-Westernhagen sorgten vor 29 Jahren bei der Erstauflage von „Rock am Ring“ für Stimmung. Seitdem entwickelte sich das Ereignis zu Deutschlands größtem Festival: 85.000 Menschen feierte vergangenes Jahr am Nürburgring zu Fettes Brot, Limp Bizkit, Moonbootica und Papa Roach. Das Foto zeigt den Auftritt der Sportfreunde Stiller. Dieses Jahr soll die Festivallegende ihr Ende finden: Der neue Nürburgring-Betreiber hat den Vertrag mit Veranstalter Marek Lieberberg gekündigt, der letzte Rock am Ring findet vom 5. Bis zum 8. Juni statt. Quelle: dpa

Der Grund für den Wechsel, den Gramatke dem Aktionär daraufhin nannte, hat es in sich: BDO selbst will die Deag nicht mehr prüfen. Man habe BDO eingeladen, ein Angebot zu machen, BDO habe aber keines abgegeben. Ein ungewöhnlicher Vorgang, dass Wirtschaftsprüfer ein börsennotiertes Unternehmen nicht mehr prüfen wollen.

BDO-Wirtschaftsprüfer wollen Deag nicht mehr prüfen

In ihren Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss 2014 hatten die BDO-Prüfer auch eine Warnung des Vorstands aufgenommen, dass bei deutlichen Abweichungen von den Prognosen für die drei neuen Deag-Rockfestivals eine Situation eintreten könne, die den Konzern im Bestand gefährdet. Auf diese Warnung ging Vorstandschef Peter Schwenkow in seinem Bericht nicht näher ein – die anwesenden Aktionäre gaben sich damit dennoch zufrieden und sprachen der Deag-Führung ihr Vertrauen aus. Mit gut 97 Prozent entlasteten sie den Vorstand, mit 94 Prozent den Aufsichtsrat. Selbst den Vorschlag, die Dividende zu streichen, akzeptierten die Anleger. Sogar nahezu einstimmig: 99,9 Prozent votierten mit Ja.

Die zehn größten Musikfestivals nach Umsatz 2014

Grund für kritische Nachfragen hätte es dabei genug gegeben. Schwenkow zeichnete zwar ein rosiges Bild der Lage, nannte aber nahezu keine Zahlen zu brenzligen Punkten. „Wir sind mit den Ergebnissen 2014 zufrieden“, sagte Schwenkow, die Deag habe „große Projekte auf den Weg gebracht“, 2015 wolle die Deag weiter wachsen. „Profitabel wachsen“, wie er hinzufügte. Dabei hatte die Deag den Gewinn 2014 um gerade mal 40.000 Euro von 0,98 Millionen Euro im Vorjahr auf 1,02 Millionen Euro gesteigert, was eine Nettorendite auf den Umsatz von nur 0,59 Prozent ergibt.

Doch Schwenkow konzentrierte sich auf andere Aspekte: Die großen Chancen des neuen, eigenen Ticketportals „myticket.de“, mit dem die Deag an den Tickets für ihre Veranstaltungen mehr verdienen will als wenn diese über Fremdanbieter verkauft werden. Und er sprach über die Vorzüge seiner Rockfestival-Strategie. Mit der Übernahme des britischen Konzertveranstalters Kilimanjaro Live und der Frankfurter Wizard Promotions, so Schwenkow, habe die Deag „ein deutsch-englisches Powerhouse für Festivals“ geschaffen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%