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DEAG-Hauptversammlung Beim Konzertveranstalter droht Ärger

Kritische Journalisten sind unerwünscht, wenn der börsennotierte Berliner Konzertveranstalter Deag am Donnerstag in Berlin seine Hauptversammlung hat. Kein Wunder: Bei der Deag sind viele brisante Fragen zu diskutieren, Anlegerschützer üben Kritik. Es dürfte turbulent werden.

Mit drei neuen Rockfestivals wollte die Deag um Vorstandschef Peter Schwenkow groß expandieren. Quelle: dpa

Die Deutsche Entertainment AG (Deag) hat vor ihrer Hauptversammlung kaum etwas im Angebot, was Anlegerherzen höher schlagen lässt. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen vor, dass die Dividende gestrichen wird – im Vorjahr hatte es noch zwölf Cent je Aktie gegeben.

Der Aktienkurs hat schwer gelitten, von 8,08 Euro Ende Februar ist er um rund 30 Prozent abgestürzt und pendelt aktuell um 5,60 Euro. Der Nettogewinn im zurückliegenden Geschäftsjahr 2014 lag mit 1,02 Millionen Euro nur marginal über dem Vorjahresergebnis (0,98 Millionen Euro), die Nettorendite auf den Umsatz somit 2014 bei schmalen 0,59 Prozent. Vor allem aber ist da diese dramatische Warnung im Geschäftsbericht.

Mit drei neuen Rockfestivals wollte die Deag um Vorstandschef Peter Schwenkow groß expandieren, am Nürburgring, in München und Wien sollten Rockfans neue Wachstumstreiber werden. Doch der Treiber wurde zur Bürde.

„Sollten die Umsätze und die damit verbundenen tatsächlichen Zahlungsmittelzuflüsse aus den Ticketverkäufen für die Festivals deutlich von den Prognosen abweichen“, warnt der Deag-Vorstand im Geschäftsbericht, könnte eine Liquiditätsunterdeckung eintreten und die Deag auf die Erschließung neuer Finanzierungsquellen wie Fremdkapital (zum Beispiel Kredite) oder Eigenkapital (etwa eine Kapitalerhöhung) angewiesen sein. „Sollte dies dann nicht in ausreichendem Maße gelingen, wären die Gesellschaft und der Konzern im Bestand gefährdet.“

Die zehn größten Musikfestivals nach Umsatz 2014

Ein Absatz, lauter und dramatischer als manches Gitarrensolo auf einem Hardrock-Konzert. Die Wirtschaftsprüfer schränkten aufgrund der aus ihrer Sicht unkalkulierbaren Risiken das Testat für den Jahresabschluss ein und nahmen die Warnung in ihren Bestätigungsvermerk auf. Der Satz hallt bis morgen nach, wenn sich die Aktionäre der Deag in Berlin zur Hauptversammlung treffen. Es dürfte turbulent werden, schließlich sind einige Punkte von Brisanz zu diskutieren.

Deag will keine Journalisten dabei haben

Die Bilder von den Festivals zeigen große Lücken auf den Tribünen, selbst in München, wo es verhältnismäßig noch am besten lief, insbesondere aber in der Arena Auf Schalke, wohin das Nürburgring-Festival nach einem Zerwürfnis mit dem Rennstreckenbetreiber kurzfristig verlegt wurde. Wegen des geplatzten Nürburgring-Festivals hat die Deag beim Landgericht Koblenz Schadenersatzklage gegen die Nürburgring-Betreiber eingereicht, es geht um rund zwei Millionen Euro, die Deag wirft dem einstigen Partner Vertragsbruch vor. Die Gegenseite hält den Anspruch für unbegründet und sieht sich ihrerseits von der Deag getäuscht.

Wie viele Tickets für die drei Festivals jeweils verkauft worden sind, welchen Gewinn oder Verlust es jeweils gab, ob nach Durchführung der Festivals das Risiko einer möglichen Bestandsgefährdung weiterhin besteht – all das sind spannende Fragen, auf die die Deag auf Anfrage aber keine Antworten geben will.

„Zu den von Ihnen gewünschten Auskünften darf ich anmerken, dass die DEAG in dem von Ihnen gewünschten Detailgrad bezogen auf einzelne Veranstaltungen bisher keine Informationen veröffentlicht hat und dies auch weiterhin so handhaben wird“, teilt ein Sprecher mit. Er fügt noch hinzu: „Bitte beachten Sie, dass die DEAG jedes Jahr rund 2.000 Veranstaltungen durchführt.“

Die Auskunftsbereitschaft hält sich in engen Grenzen, und überhaupt hat die Deag mit kritischem Journalismus so ihre Schwierigkeiten. Der WirtschaftsWoche, die mehrfach über die Probleme der Deag mit ihren neuen Festivals berichtet hatte, will die Deag keine Akkreditierung für die Hauptversammlung geben. Auch die Süddeutsche Zeitung, die ebenfalls kritisch über die Festivals geschrieben hatte, soll draußen bleiben.

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