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"Der Ring" nach Schalke Rock am Abgrund

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CNG bestreitet Vertragsbruch vehement

Deag-Chef Peter Schwenkow sieht sich über eine Ausfallversicherung gut abgesichert. Laut einer Ad-Hoc-Meldung des Unternehmens vom Montag hat diese eine Deckungssumme von 7,5 Millionen Euro. Nachdem im Oktober vergangenen Jahres ein russisches Konsortium die Mehrheitsanteile am Nürburgring vom Düsseldorfer Motorsportzulieferer Capricorn übernommen hatte, vereinbarte Deag mit der Versicherung eine „Breach of Contract“-Klausel.

Das bedeutet: Wenn der Vertragspartner vertragsbrüchig wird, greift die Versicherung. Die Deag wollte vorsorgen, da sie den neuen Nürburgring-Hauptgesellschafter nicht kannte. Entsprechend teilten die Berliner in ihrer Ad-Hoc-Meldung vom Montag mit: „Die DEAG Deutsche Entertainment Aktiengesellschaft stellt fest, dass die CNG ihren vertraglichen Verpflichtungen als Mitveranstalter und ihren Zahlungsverpflichtungen für das geplante Rock-Festival am Nürburgring nicht nachgekommen ist und damit Vertragsbruch begangen hat.“

Problembauten am Nürburgring
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Das ist die Auffassung der Deag. Ob sie zutreffend ist, wird sich aber vermutlich erst vor Gericht klären. Die CNG, so hat sie per Pressemitteilung erklärt, „weist Vorwürfe des Vertragsbruch entschieden zurück“. Sie bezichtigt stattdessen die Deag, den Vertrag nicht erfüllt zu haben. Deag sei „als Veranstalter für die gesamten Marketingaktivitäten und die Ticketverkäufe verantwortlich und hat letztlich die gesetzten Ziele eklatant verfehlt.“ Der Vorwurf des Vertragsbruchs sei ein „durchsichtiger Versuch der DEAG, von dem eigenen Misserfolg bei der Vermarktung abzulenken.“

Auslöser des Streits waren die millionenschweren Vorkosten für das Festival, bis Ende März fast 4,8 Millionen. Vorverkaufseinnahmen von nur 0,8 Millionen reichten bei weitem nicht aus, um diese zu decken. Die Deag forderte deshalb die CNG auf, die Hälfte der Kosten zu übernehmen, was diese allerdings nicht wollte. Dabei handelte es sich nur um die vorab fälligen Kosten, die Streitsumme insgesamt wird noch deutlich steigen.

Festivals kosten zweistellige Millionensummen

Bei der Vorgängerveranstaltung „Rock am Ring“, die Marek Lieberberg nun nach 29 Jahren im nahegelegenen Mendig weiter führt, waren 2012 und 2013 jeweils rund 12,5 Millionen Euro an Gesamtkosten angefallen (2014 waren sie etwas höher, sind aber kein guter Vergleich, da das Festival ausnahmsweise vier statt wie sonst drei Tage dauerte). Für das neue Festival in Mendig, so ist zu hören, seien die Kosten auf etwa 18 Millionen Euro gestiegen. Auch Schwenkow hatte sich in einem Interview mit der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ schon beklagt, das durch die „Festivalinflation“ die Musikergagen steigen.

Da CNG und Deag eine hälftige Aufteilung des Ergebnisses vereinbart haben spricht die Ausfallversicherung über 7,5 Millionen Euro bei Vertragsbruch des Partners dafür, dass auch die Deag mit Kosten von mindestens 15 Millionen Euro für das Festival kalkulierte. Wer am Ende für wie viel haftet, wird sich noch zeigen müssen, höchstwahrscheinlich vor Gericht.

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