Deutsche Bahn Bei Verspätungen soll Grube weniger Gehalt bekommen

Der Aufsichtsrat des Konzerns will das Gehalt von Vorstandschef Rüdiger Grube künftig an die Pünktlichkeit der Züge koppeln. Für die Erfolgsprämien von Grube und seinem Vorstandsteam wäre das heikel.

Auch Bahn-Chefs Grubes Vergütung soll bald davon abhängen, wie pünktlich Züge kommen. Quelle: dpa

Rund eine Million Euro verdient Bahn-Chef Rüdiger Grube pro Jahr. Wenn es gut läuft, sind es mit Erfolgsprämien sogar rund 2,5 Millionen Euro. Doch solche Gehaltssummen dürften für den Manager künftig kaum noch erreichbar sein: Nach Informationen der WirtschaftsWoche will der Aufsichtsrat die Höhe von Grubes Gehalt künftig von der Pünktlichkeit der Züge abhängig machen.

Eine entsprechende Entscheidung will das Gremium in seiner Sitzung am Mittwoch treffen. „Die Erfolgsprämien sämtlicher Vorstände sollen ab 2016 an Pünktlichkeitswerte geknüpft werden“, heißt es aus Aufsichtsratskreisen der Eigentümerseite. Bislang galten solche Kriterien nur für Vorstände im Personenverkehr und der Infrastruktur, für Grube und andere Spartenchefs hingegen nicht.

Anteil pünktlicher Züge der Deutschen Bahn im Personenverkehr

Die Vergütung der Manager ist dem Aufsichtsrat schon lange ein Dorn im Auge. Dabei geht es weniger um die Höhe, die im Vergleich zu Dax-Unternehmen maßvoll erscheint. Anstoß nehmen die Bahn-Kontrolleure vielmehr an der Leichtigkeit, mit der Erfolgsprämien bisher ausgezahlt werden. So sanken 2014 beispielsweise Umsatz und Gewinn. Dennoch verdoppelten sich die Boni für den gesamten Vorstand auf insgesamt mehr als sieben Millionen Euro.

Pünktlichkeits-Versprechen werden oft nicht eingehalten

Die angestrebte Vergütungsreform auf Basis von Pünktlichkeitswerten ist für Grube und sein Vorstandsteam heikel. So waren nur 74 Prozent der ICEs und Intercitys in diesem Jahr weniger als sechs Minuten verspätet – und damit nach Bahn-Rechnung pünktlich. Für Umsteiger ist selbst bei sechs Minuten Verspätung der nächste Zug dann oft schon abgefahren. Grube will die Pünktlichkeitsquote in den kommenden Jahren auf 85 Prozent steigern. So steht es in einem Strategiepapier mit dem Titel „Zukunft Bahn“, das Grube dem Aufsichtsrat auf der kommenden Sitzung erläutern will. Doch solche Aussagen hat der Bahn-Manager schon häufig getroffen und nicht eingehalten.

Fakten zum Personenverkehr der Deutschen Bahn

Die geplante Boni-Anpassung trifft auch bei den Arbeitnehmern auf Zustimmung. „Die Eisenbahn in Deutschland zeichnete sich in der Vergangenheit durch kluge Vernetzung, ein von Jahreszeiten unabhängiges Beförderungsangebot und eine hohe Pünktlichkeit aus“, sagt Claus Weselsky, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL). „Leider sind Netzqualität und Pünktlichkeitswerte derzeit absolut nicht akzeptabel.“

Das müsse besser werden. Daher will auch die GDL auf Pünktlichkeitsklauseln in den Boni-Vereinbarungen der Vorstände drängen. „Sämtliche Vorstände müssen sich künftig an der Qualität der Infrastruktur messen lassen“, sagt Weselsky. „Die Boni aller Vorstände müssen deshalb an die Pünktlichkeitswerte der Züge im Nah-, Fern- und Güterverkehr gekoppelt werden.“

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