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Deutsche Bahn Was hinter dem Führungschaos im Bahntower steckt

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Deutsche Bahn: Wird der Weg frei für Nikutta?

Die mächtige Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stellte sich ebenfalls gegen Jürgen Wilder. Sie kämpfte von Anfang an gegen die Sanierungsmaßnahmen von Wilder bei der Güterbahn. Doch nicht nur wegen der harten Einschnitte lehnte die EVG Wilder als Konzernvorstand ab. Die Gewerkschaft wollte nicht auf eine Frau als Personalvorstand festgelegt sein, wenn sie 2018 traditionell das Vorschlagsrecht für Webers Nachfolger ausüben wird. Denn auch die EVG will mindestens zwei Frauen im Bahnvorstand sehen. Doch die Arbeitnehmer favorisieren offenbar den Telekommanager Martin Seiler als Personalvorstand. Ein Konzernvorstand Wilder hätte die Benennung eines weiteren Mannes in den Bahnvorstand erschwert.

Wird nun der Weg frei für Sigrid Nikutta? Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) führt den Nahverkehr in der Hauptstadt seit Jahren erfolgreich. Außerdem hat sie Erfahrung als Güterbahnmanagerin. Sie gilt als Favoritin der Arbeitnehmerseite für den Logistik-Vorstandsposten. Doch es gibt zahlreiche Mitglieder im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, die Nikutta nicht für eine Top-Besetzung halten.

Die Personalquerelen lähmen nun vor allem die Güterbahn, die eine sichere Führungshand mehr denn je bitter nötig hätte. Zwar hat sich die Geschäftslage nach Informationen der WirtschaftsWoche in diesem Jahr etwas stabilisiert. Der Niedergang scheint gestoppt. Doch nach wie vor fährt DB Cargo Millionenverluste ein. Die Güterbahn ist noch meilenweit davon entfernt, der Krise, in der sie seit vielen Jahren steckt, zu entrücken. Hinzu kommen millionenschwere Sonderbelastungen durch die zweimonatige Vollsperrung der Rheintalstrecke.

Das Führungschaos bei der Deutschen Bahn wirft aber vor allem erneut ein desaströses Licht auf den Aufsichtsratsvorsitzenden Utz-Hellmuth Felcht. Der ehemalige Chemiemanager sah nicht nur bei dem überraschenden Abtritt von Ex-Bahnchef Rüdiger Grube Anfang des Jahres unglücklich aus. Er konnte auch nicht verhindern, dass bereits im Juli eine Sondersitzung des Aufsichtsrates, auf der die Personalentscheidungen eigentlich getroffen werden sollten, abgeblasen werde musste. Nun wackelt auch die geplante Aufsichtsratssitzung für Donnerstag.

Der jetzige Rücktritt von Wilder ist eine abermalige Blamage für Felcht, der den Aufsichtsrat überhaupt nicht im Griff zu scheinen hat. Dessen Vertrag läuft noch bis 2021. Felcht wurde vom damaligen Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) berufen. Ob Felcht noch mehr als zwei Jahre zu halten ist, dürfte sicher auch die Koalitionsverhandlungen von Union, FDP und Grüne beschäftigen.

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