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Deutsche Bahn Die Aufreger des Jahres 2014

Kaum ein Unternehmen fasziniert und frustriert seine Kunden mehr als die Deutsche Bahn. Ob Streiks, Funklöcher oder Preistricks: Zehn Bahn-Aufreger, die die Deutschen 2014 beschäftigt haben.

Deutsche Bahn: Die größten Aufreger 2014 Quelle: dpa

Gewerkschaftsschlacht gegen die Kunden: Für die meisten Bahnkunden war Claus Weselsky 2014 ein leibhaftiges rotes Tuch. Über Monate hinweg provozierte der Gewerkschaftsboss der Lokführer die Geduld der Fahrgäste. Seit Juli dieses Jahres will er auch Zugbegleiter und Bordbistromitarbeiter vertreten. Die Konkurrenztruppe der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ist entschieden dagegen. Die Bahn übrigens auch. Sie lehnt konkurrierende Tarifverträge ab. Gelöst ist nichts. Auch wenn schon vom großen Durchbruch die Rede ist. Das kann auch in 2015 noch heiter werden.

Was die GDL erreichen will

Wlan-Murks im Zug: Endlich hat auch die Bahn kapiert, wie wichtig ihren Kunden Wlan im Zug ist. Seit Mitte Dezember gibt es in den ICE-Zügen kostenlosen Zugang. Allerdings nur für diejenigen mit dem extra teuren Ticket, nämlich nur in der ersten Klasse. Der Klasse-2-Passagier bekommt diesen Standard erst ab 2016 geboten, also viel zu spät. Denn die Fernbusse bieten Wlan längst kostenlos zum Schnäppchenticket und oft in hervorragender Qualität an.
Der Bahn-Konzern hat die Technik aus lauter Monopolbequemlichkeit verschlafen. Nun rudert der Konzern hinterher, um die jungen Leute aus den Fernbussen irgendwann wieder in ihre 2. Klasse zu locken. Da merkt die Bahn mal selber, wie es sich anfühlt, wenn man den Anschluss verpasst.

Das sind die größten Fernbus-Anbieter
Platz 7 – Deutsche TouringBis 2005 gehörte die Deutsche Touring der Bahn, seitdem ist das Unternehmen eigenständig. In Deutschland haben die Busse gerade einmal 1,8 Prozent Marktanteil, die Deutsche Touring verdient seit jeher aber vor allem Geld mit internationalen Busverbindungen. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 5 – City2CityAuch die Briten wollen ein Stück vom deutschen Fernbus-Markt abhaben: National Express bedient mit seiner deutschen Tochter knapp fünf Prozent der Fahrplankilometer hierzulande. Die City2City-Busse sind der Studie zufolge sowohl zum Normalpreis (6,1 Cent pro Kilometer) als auch bei den Sparangeboten (3,3 Cent) günstiger als viele andere. Das ist beides deutlich unter dem Durchschnitt der Branche: Dieser liegt bei 9 bzw. 5 Cent pro Kilometer. Quelle: dpa
Platz 4 – PostbusAn vierter Stelle fährt ein junges Angebot ein: Die gelben Postbusse rollen erst seit dem 1. November 2013 durch Deutschland. Betrieben werden sie gemeinsam vom ADAC und der Deutschen Post. Die Postbusse decken mit 175 Fahrtenpaaren pro Woche 7,5 Prozent des Marktes ab. Dabei ist die Deutsche-Post-Mobility sogar günstiger als die großen Konkurrenten: 7,1 Cent kostet der Kilometer durchschnittlich. Bei den DB-Töchtern sind es 10, bei Mein Fernbus 9,5 Cent. Allerdings gilt das nur für die Normalpreise, mit Sparangeboten kann es deutlich günstiger werden. Der Postbus kommt dann auf durchschnittlich 5,2 Cent pro Kilometer, Mein Fernbus auf 4,3 und Flixbus sogar auf 3,7 Cent. Quelle: dpa
Platz 3 – FlixbusEbenfalls erst seit dem Jahr 2013 fährt Flixbus. Die Firma aus München steht auf Platz drei der größten Fernbusunternehmen in Deutschland mit knapp 15 Prozent der Fahrplankilometer. Pro Woche bietet Flixbus 324 Fahrtenpaare an. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Unternehmen Fernbusverbindungen anbieten. Ziel der Gesetzesänderung war es unter anderem, Konkurrenz zur Bahn zuzulassen und so den Fernverkehr erschwinglicher zu machen. Quelle: dpa
Platz 2 – Deutsche BahnSchon viel länger dabei sind Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wie die Gesellschaft BEX, die den Berlin-Linien-Bus betreibt. Vor der Liberalisierung durften die Unternehmen nur wenige Verbindungen anbieten, vor allem von und nach Berlin. Derzeit bedienen Tochterfirmen der Bahn knapp 22 Prozent des Fernbusmarktes gemessen an den Fahrplankilometern. Erhoben hat diese Zahlen die Mobilitätsberatungsagentur IGES in einer Studie von Dezember 2013 (PDF). In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Quelle: dpa
Platz 1 – Mein FernbusDer mit Abstand größte Anbieter von Fernbusverbindungen ist ein Branchen-Neuling: Die Meinfernbus GmbH mit Sitz in Berlin bedient fast 40 Prozent des deutschen Fernbusmarktes. Die markanten grünen Busse starteten erst kurz vor der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang des Jahres. Dennoch hat das Unternehmen erfahrene Konkurrenten hinter sich gelassen: Mittlerweile bietet Meinfernbus 826 Fahrtenpaare (also Hin- und Rückfahrt) pro Woche an, das entspricht mehr als 750.000 Kilometern pro Woche. Quelle: dpa

Mobilfunk-Loch im ICE: Zugegeben: Einfach ist es nicht, die Mobilfunksignale von außen in das Zug-Innere zu leiten. Die Signale schwächen sich auf ein Tausendstel ihrer Stärke ab. Grund dafür sind die Metallwände und aluminiumbeschichteten Fenster. Die Bahn setzt daher im ICE auf Repeater der Deutschen Telekom. Die Telefonqualität wird dadurch in allen Netzen besser. Gut so. Für die Datenübertragung gilt das allerdings nicht. Schlecht so. So verbessern die Signalverstärker zwar den Internetempfang im Telekom-Netz, gleichzeitig sinkt aber die Surfqualität der anderen. Kunden von Vodafone, O2 oder E-Plus haben also das Nachsehen - auch eine Möglichkeit, einen Wettbewerbsvorsprung zu sichern. Auf Kosten der Mehrheit der Bahn-Kunden. Unsympathisch.

Preistricks der Bahn: Fernbusse sind ein großes Ärgernis für die Bahn. Selber Schuld: Das Unternehmen hat die Markt-Dynamik völlig unterschätzt. In diesem Jahr kosten die Konkurrenten wie MeinFernbus, Flixbus, ADAC Postbus und der wieder auferstandene Wettbewerber DeinBus.de der Bahn bis zu 120 Millionen Euro Umsatz. Hat die Bahn nicht eigene Fernbusse? Doch, hat sie. Doch deren Marktanteil schwindet – von einst 30 Prozent im April 2013 auf 10 Prozent aktuell. Der Aufsichtsrat ist „not amused“. Und die Bahn reagiert mit heimlichen Preis-Tricks, verkauft etwa Sonderangebote für Bahnreisen auf Fernbus-Suchportalen. Merke: bahn.de ist nicht immer die beste Adresse für Preisbewusste.

Wo öffentlicher Nahverkehr am teuersten ist
Platz 10: San Francisco und Chicago Wer in der berühmten Cable Car von San Francisco (Foto) oder in der Hochbahn von Chicago unterwegs ist, muss zwei US-Dollar für das günstigste Ticket bezahlen. Das macht den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) dieser beiden Städte zum zehntteuersten der Welt, hat die Deutsche Bank ausgerechnet. Dafür hat sie die Preise des jeweils günstigsten Nahverkehr-Tarifs in Städten weltweit in US-Dollar umgerechnet und verglichen. Um einzuordnen, wie teuer oder günstig die Preise sind, hat die Deutsche Bank New York als Bezugspunkt gewählt: Die Preise in Chicago und San Francisco sind beispielsweise 20 Prozent günstiger als im Big Apple. Quelle: dpa
Platz 9: Berlin und ParisBerlin teilt sich den neunten Platz mit Paris. In beiden Städten kostet der günstigste ÖPNV-Tarif umgerechnet 2,06 US-Dollar. Das sind gerade mal 82 Prozent des New Yorker Preises. Quelle: dpa
Platz 8: SydneyWer im australischen Sydney im öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist, zahlt 2,14 US-Dollar für das günstigste Ticket – und damit 15 Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 7: Edinburgh und OttawaDen siebten Platz teilen sich wieder zwei Städte: Im schottischen Edinburgh und im kanadischen Ottawa (Foto) kosten die günstigsten ÖPNV-Tickets jeweils umgerechnet 2,48 US-Dollar. Das ist ein Prozent weniger als in New York. Quelle: AP
Platz 6: New YorkWer einmal in New York ist, muss in den Central Park, ins Empire State Buildung – und eine U-Bahn-Fahrt mitmachen. Ein Ticket des günstigsten Tarifs kostet 2,50 US-Dollar, was die Deutsche Bank als Bezugspunkt für alle anderen weltweiten Preise genommen hat. Quelle: REUTERS
Platz 5: TorontoIn der größten Stadt Kanadas kostet ein ÖPNV-Ticket des kleinsten Tarifs umgerechnet 2,73 US-Dollar. Damit zahlen Menschen in Toronto neun Prozent mehr als in New York. Quelle: dpa
Platz 4: FrankfurtAuch Deutschlands Bankenmetropole hat es ins Ranking geschafft: Wer mit der S-Bahn vom Hauptbahnhof zum Hauptsitz der Deutschen Bank fahren möchte, muss umgerechnet 2,88 US-Dollar zahlen. Das sind 15 Prozent mehr als der niedrigste Tarif in New York und platziert Frankfurt im weltweiten Vergleich auf Platz 4. Quelle: dpa

 

Bahncard-Panik: Die Meldung schlug ein wie eine Bombe. Der Hessische Rundfunk meldete vor ein paar Wochen, die Bahn wolle die Bahncard abschaffen – der Deutschen liebste Plastikkarte. Die fünf Millionen Besitzer befürchteten Schlimmes. Der Konzern konterte: Die Bahncard werde nicht abgeschafft, nur reformiert. Vor allem die 50-Prozent-Variante der Rabattkarte für Vielfahrer scheint dem Konzern ein Dorn im Auge. Auch die Anzahl der Bahncard-Neukunden unter Studenten ist stark rückläufig. Nun könnte ein altes Konzept, das einst für Wut unter den Fahrgästen sorgte und deshalb wieder in der Schublade verschwand, zehn Jahre später zur Blaupause einer wahren Systemrevolution werden.

Trauer in Trier: Auch der letzte Aufmarsch der Frustrierten brachte keinen Erfolg. Mit weißen Rosen und Trauerkränzen verabschiedeten sich mehrere Bahnreisenden im Dezember vom letzten Intercity in Trier. Künftig wird die Stadt in Rheinland-Pfalz nur noch mit Nahverkehrszügen angefahren. Der Abzug der IC- und ICE-Züge aus Trier ist nur ein Beispiel, was sich in den kommenden Jahren anbahnt. Die Bahn arbeitet intern an einem Fernverkehrskonzept mit politischer Sprengkraft: mehr ICE auf den Hauptstrecken, weniger auf Nebenstrecken. Lichtblick: Die neuen Intercity-Züge versprechen den Komfort einer ICE-Reise.

 

Gute Nacht, Nachtzug: Die Fernbusse bauen die Nachtverbindungen aus, die Bahn streicht sie zusammen. Verbindungen nach Paris und Kopenhagen fallen dem Rotstift zum Opfer, andere Strecken wie nach Amsterdam werden ausgedünnt. Das sorgt für Empörung bei Bahn-Liebhabern. Die Grünen halten das Geschäft für rentabel - sofern die Regierung Wettbewerbsnachteile abbaut. Fakt ist: Die Bahn hat in den vergangenen Jahren so gut wie nichts mehr in die Nachtzugflotte investiert. Dabei könnte eine Nachtzugreise eigentlich eine richtig exklusive Angelegenheit sein. Gut reisen, gut speisen, gut schlafen. Aber eben nicht in Deutschland.

Das sind die größten Baustellen der Bahn
Fernverkehr Quelle: dpa
Güterverkehr Quelle: dpa
Pünktlichkeit Quelle: dpa Picture-Alliance
Infrastruktur Quelle: dpa
Privatisierung Quelle: dpa Picture-Alliance
Stuttgart 21 Quelle: dapd

Adieu, Autozug:  Die Bahn verabschiedet sich von einem Teil deutscher Bahn-Kultur. Nach 2017 werden keine Autozüge mehr durch Deutschland rollen. Der Grund: Die Betriebserlaubnis der Züge erlischt und neue wären zu teuer. Stattdessen setzt die Bahn auf eine Alternative: Sie transportiert Autos und Motorräder per Lkw ans Ziel – die Besitzer fahren parallel mit dem Zug. Pilotprojekte liefen erfolgreich, sagt die Bahn.

 

Siemens schämt sich: Der ICE ist nicht nur der Vorzeigezug der Bahn, sondern auch von Siemens. Eigentlich. Doch der Münchener Hersteller blamierte sich über beide Ohren. Die verspätete Lieferung der 16 ICE-Züge an die Bahn (geplante Übergabe Ende 2011) bezeichnete Siemens-Chef Joe Kaeser vor gut einem Jahr als “Mega-Peinlichkeit”. Erst eine Handvoll Züge konnte er dieses Jahr ausliefern. Die restlichen warten noch immer in der Werkshalle - und auf Zulassung, weil sie irgendwann auch ins Ausland fahren sollen. Es bleibt also peinlich. Warum nur trennt sich Siemens vom Geschäft mit Kaffeemaschinen und Staubsaugern? Das können sie doch.

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Das Cargo-Kartell: Es war das Aufregerthema für die Bahn – und ist es nun auch für die Lufthansa. Jahrelang kassierte die Cargo-Sparte der Airline nachweislich zu hohe Preise von der Logistiktochter der Bahn. Jetzt verlangt der Berliner Konzern Schadensersatz in Milliardenhöhe. Verklagt werden auch weitere Fluggesellschaften. Interna zeigen, wie dreist das größte Komplott aller Zeiten vorging. Möge dem Staatskonzern im Sinne der Steuerzahler Gerechtigkeit widerfahren.

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