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Deutsche Bahn Dobrindt drängt Bahn ins Online-Zeitalter

Die Deutsche Bahn führt in diesem Jahr kostenloses WLAN in der zweiten Klasse ein. Der Schritt ist überfällig. Und er kommt, weil es ein Minister es so wollte.

Nahverkehrszug Quelle: obs

Die Worte von Bahnchef Rüdiger Grube lassen erahnen, dass es zwischen ihm und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nicht immer harmonisch zugeht. "Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie nicht locker lassen", sagte Grube heute Morgen bei der Vorstellung der Digitalisierungsstrategie der Deutschen Bahn in Berlin. Dankbar dafür, "dass Sie auch unangenehm sein können, wenn es etwa um WLAN im Zug geht".

Die Bahn stellte 150 Ideen "zum Wohle des Kunden" vor. Dazu gehörte die Fortentwicklung des DB Navigators, die Verknüpfung von Zug und Carsharing, WLAN am Bahnhof und digitale Fahrplanunterstützung. Das alles ist nicht revolutionär, das meiste auch schon bekannt. Spannender war deshalb das Bild, das Grube und Dobrindt voneinander zeichneten.

Denn es muss öfters mal gerauscht haben zwischen den beiden. Ganz offenbar hat es Dobrindt als Vertreter des Bundes geschafft, den hundertprozentigen Staatskonzern in Bewegung zu bringen. Nach der Bundestagswahl 2013 und damals frisch im Amt wurde er noch für seine Thesen belächelt, die Bahn solle endlich funktionierendes WLAN im Zug anbieten. Doch das Thema war draußen. Heute gibt Grube zu, dass die Bahn erst vor zwei Jahren begonnen habe, die Digitalisierung ernst zu nehmen. Der Bahnchef bezeichnete Dobrindt als "Antreiber".

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Solche Worte lassen tief blicken. Sie sind ein Eingeständnis, dass die Bahn den Trend zu Smartphone und Tablets verschlafen hat. Die Fernbusse waren plötzlich auf der Straße und boten kostenloses WLAN an. Die Bahn zog nach. Dobrindt hatte mit seiner Penetranz, kostenloses WLAN zu fordern, einen guten Riecher.

Und nun soll auch der nächste Schritt kommen: WLAN in Nahverkehrszügen. Dobrindt weiß, dass er das nicht par ordre du mufti umsetzen kann. Er braucht die Länder, die den Nahverkehr bestellen. Die dürften dafür mehr Geld fordern. Dobrindt hingegen weist auf die laufenden Verhandlungen zu den Regionalisierungsmitteln. Irgendwas zwischen sieben und acht Milliarden Euro würden schon dabei rum kommen. "Damit sollte man in der Lage sein, die WLAN-Leistungen zu bezahlen."

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Dobrindt hat bei seinen Themen eine gute Antenne für das Volk. Bei der Maut mögen die Politikbeobachter motzen, die Leute mögen den Verstoß dennoch. Beim WLAN hat er auch so ein Thema entdeckt: Den Hunderttausenden Pendlern gehen die Funklöcher auf den Strecken gehörig auf die Nerven.

Bei der Ausschreibung der neuen Mobilfunkfrequenzen müssen sich die Telekommunikationsunternehmen verpflichten, einen Großteil der Schienenwege mit Mobilfunkempfang hochzurüsten. Die so genannte digitale Dividende, also die Einnahmen aus der Versteigerung, könnte am Ende auch auf das Sympathiekonto des CSU-Politikers einzahlen: Dobrindt, der WLAN-Minister.

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