Deutsche Bahn Fernbusse stoppen Preisanstieg im ICE

Dank der starken und noch immer deutlich günstigeren Konkurrenz auf der Straße, verzichtet die Deutsche Bahn auch in diesem Jahr auf Preiserhöhungen - mit einer einzigen Ausnahme.

Ein Fernbus steht am Bahnhof in Freiburg (Baden-Württemberg) neben einem ICE-Zug der Deutschen Bahn. Quelle: dpa

Angenommen, die vorherige Bundesregierung hätte beim Fernbusmarkt 2013 alles so gelassen wie gehabt. Es würde heute keine Startups wie Meinfernbus, Flixbus, Deinbus und Postbus geben. Die Deutsche Bahn hätte, wie das bis 2012 Routine war, die Fahrpreise für den kommenden Fahrplan ab Dezember auch in diesem Jahr um rund zwei bis drei Prozent erhöht. Garantiert. 

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Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Fernbuskonkurrenz auf der Straße zwingt die Bahn nun schon zum dritten Mal in Folge zum Verzicht auf Preiserhöhungen in großem Stil. Sparpreise und Bahncardrabatte bleiben erhalten. Nur auf ICE-Fahrten, die über die neue Strecke Erfurt-Leipzig-Halle führen, verlangt die Bahn künftig bis zu sieben Euro mehr pro Ticket. Allerdings sind die Züge dann auch schneller unterwegs. Von Frankfurt nach Leipzig verkürzt sich die Fahrt um 23 Minuten auf drei Stunden. 

Die Bahn reagiert damit auf den harten Wettbewerb auf der Straße. Die Fernbusse "haben das Spiel verändert", sagt der neue Personenverkehrsvorstand Berthold Huber. Zum einen hätten sich zahlreiche Kunden für die preiswerten Fernbusse entschieden. Zum anderen habe sich "die Preiswahrnehmung verändert".

Unter Zugzwang durch Fernbusse

Hubers Aussagen machen deutlich, dass die Bahn in der Vergangenheit viel zu teuer war. Im Fernverkehr verfügte das Unternehmen über ein Quasi-Monopol. Natürlich gibt es Flieger und Autos. Doch die bewegen sich in einem ähnlichen Preisgefüge. Unter Zugzwang kam die Bahn erst, als es mit den Fernbussen deutlich preiswertere und flexiblerer Alternativen gab, die mit kostenlosem WLAN sogar teils besseren Service geboten haben. 

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Kostenloses WLAN will die Bahn frühestens ab Mitte 2016 anbieten. Grund sind die technischen Hürden bei der Entwicklung und dem Betrieb leistungsfähiger Mobilfunk-Verstärker. Doch die Handschrift des neuen Personenverkehrsvorstands Huber ist zu erkennen. Er will auf mehr Service setzen und die Bahn flexibler machen. Die Drei-Monats-BahnCard habe sich bewährt. Andere kurzfristige Preisangebote wolle er immer wieder neu im Markt testen. 

Der neu entfachte Wettbewerb um Mobilitätskunden ist damit ein Musterbeispiel, wie Konkurrenz das Geschäft belebt. Die Bundesregierung hätte alle Möglichkeiten, den Wettbewerb im Personenfernverkehr noch weiter anzuheizen. Sie könnte dafür sorgen, dass die Trassenpreise, die Bahnunternehmen für den Betrieb von Zügen zahlen müssen, sinken. Diese Maßnahme würde der Deutschen Bahn auch auf der Schiene Konkurrenz machen können. 

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