Deutsche Bahn Hilfreicher Skandal

Die Eisenbahnergewerkschaft EVG nutzt das Zugchaos in Mainz im Kampf gegen die Lokführergewerkschaft.

Vertreter der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Quelle: dpa

Bahn-Gipfel gab es viele in jüngster Zeit: zu Stuttgart 21, Zugausfällen im Winter, fehlenden ICE. Vergangene Woche folgte ein weiterer, in Frankfurt. Und diesmal machte Alexander Kirchner, Chef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Vize-Aufsichtsratschef bei der Bahn, aus den Stellwerkproblemen in Mainz das ganz große Bahn-Gipfel-Thema. „Es fehlen nicht nur rund 1000 Fahrdienstleiter in den Stellwerken“, bohrte der mächtige Gewerkschaftsmann das Thema auf, „sondern auch zahlreiche Lokführer, Zugbegleiter und Werkstattpersonal.“

Planzahlen der Netzsparte der Deutschen Bahn in Milliarden Euro Quelle: Deutsche Bahn

Weil die Hälfte der 15 Stellwerker in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt krank oder im Urlaub ist, fahren im August 40 Prozent der Züge tagsüber an Mainz vorbei. Für Kirchner ist die Personalplanung der Bahn nicht nur „hochnotpeinlich“. Das Zugchaos ist auch ein gutes Vehikel, um von eigenen Versäumnissen abzulenken und Verbandspolitik zu betreiben.

Seit Jahren schrumpft die Mitgliederzahl der Eisenbahnergewerkschaft, die bis 2010 Transnet hieß. Vor allem treibt die kleinere und aggressive Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) die EVG vor sich her. Mainz wird auch zum Kampfgebiet, auf dem Kirchner eine Art Alleinvertretungsanspruch gegenüber den Bahn-Beschäftigten zu formulieren versucht.

Die wichtigsten Spartengewerkschaften

Denn in einem Jahr läuft ein Friedensabkommen zwischen der großen EVG und der kleinen GDL aus. Der 2008 geschlossene Grundlagen-Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn sieht vor, dass die GDL nur Lokführer vertritt und die EVG alle anderen Berufsgruppen. Ab Juni 2014 darf jeder bei den anderen wildern. Die GDL fühlt sich durch ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts von 2010 bestärkt, das die Tarifeinheit im Betrieb kippte. „Wir wollen die Interessenvertretung für das gesamte Zugpersonal werden“, sagt GDL-Chef Claus Weselsky der WirtschaftsWoche. Dazu zählen Lokführer, Zugbegleiter und Servicekräfte in den Bordrestaurants. „Wir werden die Tarifverhandlungen dann für sämtliche Berufsgruppen des Zugpersonals führen.“

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