Deutsche Bahn in der Krise Watsche für den Vorstand

Bahnchef Rüdiger Grube verkündet auf einer eigens anberaumten Pressekonferenz Reformen für pünktliche Züge. Doch die einzelnen Maßnahmen sind Selbstverständlichkeiten. Und der Aufsichtsrat ist empört.

Der Vorstand der Deutschen Bahn hat die Ziele der Deutschen Bahn für das kommende Jahr verkündet Quelle: dpa

Man muss sich fragen, ob Bahnchef Rüdiger Grube und die Aufsichtsräte gestern tatsächlich zusammen getagt und miteinander gesprochen haben. Fragt man den Konzernchef, so sei die Stimmung auf der gestrigen Aufsichtsratssitzung „harmonisch und konstruktiv“ gewesen, so Grube heute in Berlin. Die Kontrolleure hätten das Reformprogramm „Zukunft Bahn“ bestätigt, fuhr Grube fort. Alles gut, so scheint es. Restrukturierung präsentiert, diskutiert, akzeptiert.  

Doch so eindeutig ist das nicht. Hinter den Kulissen brodelt ist. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sah sich gleich nach der Veranstaltung der Bahn zur Klarstellung genötigt: „Die Arbeitnehmervertreter der EVG im Aufsichtsrat widersprechen der Darstellung der Deutschen Bahn, wonach der Aufsichtsrat in seiner gestrigen Sitzung ‚grünes Licht für die grundlegende Erneuerung der Eisenbahn in Deutschland‘ gegeben habe“, heißt es in einer Presseerklärung der EVG. Tatsächlich habe der gesamte Aufsichtsrat beschlossen, den Vorstand damit zu beauftragen, eine langfristige Strategie etwa für den Nah- und Güterverkehr sowie für die Instandhaltung zu entwickeln, erklärte Alexander Kirchner, stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates und Vorsitzender der EVG - und das noch in diesem Jahr.

Wer nach Grubes Umbau im Bahn-Vorstand sitzt
VorstandsvorsitzenderRüdiger Grube (64) ist seit Mai 2009 Vorsitzender des Vorstands. Sein Vertrag läuft bis Ende 2017. Quelle: dpa
FinanzvorstandRichard Lutz (51), zuständig für Finanzen und Controlling, verantwortet zusätzlich für die internationale Bustochter Arriva und die Gütertransporte jenseits des Schienenverkehrs zuständig sein (Lastwagen, Schiff, Flugzeug). Quelle: REUTERS
Vorstand für Infrastruktur und DienstleistungenVolker Kefer (60) ist seit Herbst 2009 im Vorstand. Er fungiert inzwischen als Stellvertreter Grubes und wie zuletzt das Ressort Infrastruktur und Dienstleistungen leiten, ergänzt um Teilbereiche der Technik. Die Aufgaben der Techniksparte wurden nach dem Weggang ihrer Chefin Heike Hanagarth verteilt Quelle: dpa
PersonalvorstandUlrich Weber ( 66), Personalvorstand, ist aus dem langen Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL bekannt. Er durfte bleiben. Quelle: dpa
RechtsvorstandRonald Pofalla (56), löste Gerd Becht (63) als Konzernvorstand für Regeltreue, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit ab. Außerdem behält der Ex-Kanzleramtschef seine bisherige Aufgabe bei der Bahn: die Kontaktpflege zu Politikern im Bund und bei der EU in Brüssel. Quelle: dpa
Vorstand Personen- und GüterverkehrBerthold Huber (52), war bis August 2015 Chef der Bahntochter DB Fernverkehr. Seitdem leitet er als Vorstandsmitglied nicht nur den gesamten Personenverkehr, sondern auch die Güterbahn. Quelle: dpa
AusgeschiedenUlrich Homburg (60) schied im August 2015 als Vorstand für den Personenverkehr aus dem Gremium aus. Berthold Huber ersetzt aber nicht nur Homburg, sondern auch... Quelle: dpa

Für den Vorstand der Deutschen Bahn wirkt  die Erklärung der EVG wie eine peinliche Klatsche. Eigentlich sollten am heutigen Tag die Maßnahmen im Vordergrund stehen, wie der Vorstand den Konzern aus der Krise führen will. Die Bahn schreibt in diesem Jahr erstmals seit Jahren einen Verlust, weil sie zwei Milliarden Euro an Sonderbelastungen einplant: für Abschreibungen auf die marode Güterbahnsparte und Restrukturierungskosten, die für den Konzernumbau nötig sind. Doch von einer breiten Unterstützung im Aufsichtsrat kann keine Rede sein.

Viel gehörte Versprechen

Ohnehin klingt das, was die Deutsche Bahn heute als Zukunftsprogramm vorgestellt hat, nicht wie der große Wurf. Zwar soll die Güterbahn kernsaniert werden, indem Verladestellen geschlossen und Arbeitsplätze gestrichen werden. Diese Maßnahmen gehen ans Eigemachte. Doch ansonsten haben Grube und sein Stellvertreter Volker Kefer Selbstverständlichkeiten präsentiert und als neue Strategie verkauft. Und sie haben viele Versprechen wiederholt, die man schon oft von ihnen gehört hat. Viele Aussagen lassen Zuhörer ratlos werden.

  • „Um mit dem Wichtigsten anzufangen“, begann Infrastrukturvorstand Kefer seine Rede, „wir glauben an die Zukunft der Bahn“.  
    Nichts anderes sollte man von einem Vorstand erwarten können.

  • Grube ergänzte: „Wir werden konsequenter. Und zwar vor allem im Hinblick auf Produktqualität und Kundenzufriedenheit.“
    Was anderes sollte ein Unternehmen in den Vordergrund stellen?
  • "Die Pünktlichkeit soll steigen", so Grube.
    Ist das nicht die DNA eines jeden Eisenbahnunternehmens?
  • Immerhin: Die Bahn richtet die internen Prozesse auf das Ziel der „Reisekettenpünktlichkeit“ aus. Denn, so Kefer, die überwiegende Mehrheit wolle eine „ungestörte Reisekette“ erleben.
    Doch fordern das Fahrgastverbände nicht schon seit Jahren?
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