Deutsche Bahn Jetzt kommt der harte Kurswechsel

Bahn-Chef Rüdiger Grube will den Staatsriesen durch Konzentration aufs Kerngeschäft sanieren. Dafür bricht er mit der Geschäftspolitik der vergangenen 15 Jahre. Kritikern geht der Umbau dennoch nicht weit genug.

Bahn-Chef Grube Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Wenn Vorstandschef Rüdiger Grube öffentlich über die Deutsche Bahn redet, macht er gern wohlfeile Versprechungen: „Schlanker, schneller, effizienter, noch kundenfreundlicher“ solle die Bahn werden.

Intern, im Aufsichtsrat des Staatskonzerns, wählt Grube andere Worte. Dort verwendet er seit Neuestem ein Kürzel, das außer ihm nur Eingeweihte und seine Kontrolleure kennen: „EiD“. Die drei Buchstaben stehen für „Eisenbahn in Deutschland“ und finden sich auf den Papieren, die Grube dem Gremium Ende Juli präsentierte.

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Die Abkürzung ist keine banale Neubeschreibung der Deutschen Bahn, sondern markiert eine Abkehr von der Geschäftspolitik der vergangenen 15 Jahre. Um seine Versprechungen einlösen zu können, kassiert Grube gerade die Strategie seines Vorgängers Hartmut Mehdorn, die er seit seinem Amtsantritt 2009 noch bis vor Kurzem fortführte, nun aber umkehren will:

  • Statt Geld und Managementkapazitäten in Auslandstöchtern zu binden, soll die Deutsche Bahn (DB) laut Grubes interner Präsentation den Schwerpunkt künftig auf das klassische Eisenbahngeschäft legen, also auf den Personenverkehr auf der Fern- und Kurzstrecke, den Gütertransport auf der Schiene sowie das Gleisnetz mitsamt der Bahnhöfe. Dort hinein sollen künftig „rund 90 Prozent aller DB-Investitionen“ fließen, ließ Grube seine Kontrolleure wissen.
  • Das Auslandsgeschäft wird, so die neue Linie, zur Randaktivität degradiert. „Wir müssen uns neu aufstellen“, sagt Grube. Die Verantwortung für die Konzernableger liegt künftig bei Finanzvorstand Richard Lutz, der diese als Beteiligung betreut und selbst nie im Eisenbahngeschäft operativ tätig war.
  • Gleichzeitig stellt Grube mit „EiD“ die Zukunft der Speditionstochter Schenker sowie des europaweiten Nahverkehrsablegers Arriva unter dem Dach der Bahn infrage.

Wichtigster Repräsentant des Kurswechsels ist der bisherige Fernverkehrschef Berthold Huber, der fortan sowohl für den Personen- als auch für den Güterverkehr zuständig ist – ein Novum im Bahn-Betrieb. Zudem adelt Grube Infrastrukturvorstand Volker Kefer zum Stellvertreter, weil durch dessen Hände in den nächsten Jahren Investitionen von mehr als 50 Milliarden Euro fließen: etwa in die Inbetriebnahme der Hochgeschwindigkeitsstrecke Halle–Erfurt, den unterirdischen Bahnhof Stuttgart 21 sowie die Sanierung und den Ausbau des Schienennetzes.

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Zurück zu den Anfängen

Mit seiner neuen Losung „EiD“ führt Grube die Bahn an ihre Anfänge 1994 zurück, als die christlich-liberale Koalition die damalige Bundesbahn in eine Aktiengesellschaft umwandelte. Der erste Vorstandschef Heinz Dürr hatte damals einen großteils entschuldeten Konzern erhalten, der Fern-, Regional- und Güterzüge sowie hier und da Busse über die Lande schickte und das Schienennetz sowie die Bahnhöfe bewirtschaftete.

Diese Beschränkung fiel, nachdem Rot-Grün 1998 in Berlin ans Ruder gekommen war und der damalige Kanzler Gerhard Schröder (SPD) 1999 Hartmut Mehdorn zum Vorstandschef ernannt hatte. Der versprach den Politikern, die Bahn im Wege eines Börsengangs zu privatisieren und auf diese Weise viele Milliarden in die Staatskasse zu spülen. In der Folgezeit übernahm Mehdorn (Motto: „Die Bahn macht mobil“) zahlreiche Verkehrs- und Logistikunternehmen, um die Bahn gegenüber potenziellen Geldgebern als lohnendes Investment erscheinen zu lassen. Schon damals gab es intern Kritik: Mehdorn entziehe dem Eisenbahngeschäft Finanzmittel und türme einen riesigen Problemberg für die Zeit nach seiner Ära auf.

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