Deutsche Bahn Mit Grubes Radikalkur geht's ans Eingemachte

Vorstandschef Rüdiger Grube will die Deutsche Bahn verschlanken und so beweglicher machen. Ein Börsengang des Staatskonzerns ist final vom Tisch.

Bahn-Chef Grube auf dem Weg zum Umbau Quelle: dpa Picture-Alliance

Utz-Hellmuth Felcht ist bekannt für flapsige Sprüche. Auf einer Mitarbeiterversammlung Mitte Juni in der Bolle Meierei, einem historischen Veranstaltungskeller im Berliner Bezirk Alt-Moabit, beantwortete der Aufsichtsratschef der Deutschen Bahn die Frage von Konzernlenker Rüdiger Grube, ob der Börsengang noch ein Thema sei: Nein – und das sei auch für die Vorstandsmitglieder eine gute Nachricht, denn unter dem Druck von Investoren gäbe es den einen oder anderen von ihnen möglicherweise nicht mehr. Die mehreren Hundert Mitarbeiter staunten.

Felchts Botschaft klang wie eine Ohrfeige für Grube: zwar als Scherz eingeleitet, aber in seiner Kritik unverhohlen. Doch tatsächlich hatten Grube und Felcht zu diesem Zeitpunkt schon gemeinsam einen Konzernumbau beschlossen. Der Dreiklang: Verschlankung, Managementumbau, Einsparungen. So will die Bahn von der Defensive in die Offensive kommen. Und das Thema Börsengang soll endgültig ad acta gelegt werden.

Neue Züge der Deutschen Bahn

Grube arbeitet nun an den Details, die er Ende Juli der Öffentlichkeit und „unmittelbar davor“ den Führungskräften präsentieren werde, heißt es in einem Schreiben an die Top-Entscheider im Konzern. Auch eine Sondersitzung des Aufsichtsrats wird angesetzt. Denn der Umbau geht ans Eingemachte.

Wichtigster Punkt: Grube will die separate Aktiengesellschaft Deutsche Bahn Mobility Logistics (DBML), die den Personen- und Güterverkehr sowie das Logistikgeschäft bündelt und einst zu einem Viertel an die Börse gebracht werden sollte, in den Bahn-Konzern integrieren. Künftig könnte die Deutsche Bahn also aus einer Holding bestehen, unter der mehrere Sparten nebeneinander agieren.

Angst vor der Mitfahrzentrale

Das spart teure Doppelfunktionen ein. Grube ist Vorstandschef der Deutschen Bahn und der DBML. Beide Aktiengesellschaften halten mehrere Aufsichtsratssitzungen pro Jahr ab – mit unterschiedlicher Besetzung. Das lähmt und kostet Geld. Insgesamt könnte die Integration Millionen sparen, weil Ausgaben für Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer und Geschäftsberichte wegfallen.

Grube will zudem die Bahn wettbewerbsfähiger machen. Dazu dürften die einzelnen Sparten mehr Verantwortung bekommen, um schneller auf Veränderungen im Markt reagieren zu können. Genau das unterblieb etwa nach dem Erfolg der Fernbusse.

Die wichtigsten Baustellen der Bahn 2015

In der Folge sank der operative Gewinn im ICE-Geschäft 2014 um ein Drittel auf 212 Millionen Euro. Im Konzern geht zudem die Angst vor der französischen Mitfahrzentrale Blablacar um, die in ihrem Heimatmarkt der Staatsbahn SNCF zusetzt. Im April kaufte Blablacar den deutschen Konkurrenten Carpooling.

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Für die neue Struktur setzt Grube auch auf neue Manager. Logistikchef Karl-Friedrich Rausch geht zum Jahresende in den Ruhestand, Personalchef Ulrich Weber könnte später folgen. Als Wackelkandidat gilt Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg, der neben Problemen im Fernverkehr auch den Verlust von Großaufträgen im Nahverkehr zu verantworten hat. Auch die Zukunft von Heike Hanagarth im Vorstand ist unsicher. Ihr Technikressort ist relativ klein.

Das dritte Element in Grubes Agenda sind Einsparungen in der Verwaltung am Potsdamer Platz, damit verbunden dürfte auch ein Stellenabbau sein. Die Maßnahmen sollen bis 2019 allein 620 Millionen Euro bringen. In der Hauspostille „DB Welt“ rief er die Mitarbeiter im Mai schon zur „Jagd nach Bürokratiemonstern“ auf.

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