Deutsche Bahn Die Baustellen des Rüdiger Grube

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Neue Fernverkehrsstrategie

Für Grube selbst soll die neue Fernverkehrsstrategie ein Signal des Aufbruchs werden. Er will beweisen, dass er das Zeug zum visionären Konzernchef hat. Möglich wird die Umsetzung, weil endlich die ersehnten neuen Züge eintreffen. Ende 2015 gehen die Doppelstockzüge von Bombardier in Betrieb, die die Intercitys ersetzen und im Unterhalt günstiger sind. Sie machen den Fernverkehr für die Bahn auch auf Nebenstrecken attraktiv. Den großen Durchbruch erhofft sich Grube aber von den neuen ICEs von Siemens, auch ICx genannt. Sie treffen von 2016 an ein. Mit den neuen Prestigezügen plant die Bahn eine Komfortoffensive für bequemeres Fahren.

Die Preise im ICE zu erhöhen, um den Gewinnrückgang zu stoppen, wird sich Grube in nächster Zeit kaum erlauben können. Dazu ist der Wettbewerb mit der Straße zu groß. „Die Bahncard 25, 50 und 100 werden nicht verändert“, so Grube. Vermutlich wird es neue Kundenbindungsprogramme und eine Bahncard mit kürzerer Laufzeit geben, erfuhr die WirtschaftsWoche. Sie soll Studenten locken, die zu den Bussen stürmen.

Vom Erfolg der neuen Strategie hängt nicht nur Grubes Zukunft bei der Bahn ab. Erst recht steht und fällt Personenverkehrschef Homburg, der den Plan ausgearbeitet hat, mit dem Ausgang des Unterfangens. Der 59-Jährige muss sich vorhalten lassen, die Konkurrenz durch Fernbusse unterschätzt zu haben. Zudem sind Aufsichtsräte von seinen vollmundigen Ankündigungen und seinem arg von sich selbst überzeugten Auftreten mitunter genervt. Grube dürfte nicht lange fackeln, Homburg auszutauschen, sollte die Strategie bei Politik und Kunden durchfallen.

Das Image der Bahn hat gelitten

Deutschlands höchstrangiger Eisenbahner sieht sich selbst vor einer Art Neuanfang. Er hat das hochtrabende Ziel, 2020 einen Umsatz von 70 Milliarden Euro zu erzielen, nach Kritik im Aufsichtsrat einkassiert. Gleichzeitig hat er die Politiker überzeugen können, dass der Bund mehr Geld ins Schienennetz steckt.

So sieht Grube nun die Chance, mit der neuen Strategie auch die Deutschen mit der Bahn zu versöhnen. Bei den Beschäftigten hat er damit Erfolg. Mit seinem „transformationalen Führungsstil“ gibt er nicht nur Ziele vor und prüft deren Einhaltung, sondern er will dafür sorgen, dass Führungskräfte von ihren Mitarbeitern als Vorbilder wahrgenommen werden.

So teuer ist der ÖPNV in Deutschland

Beim Versuch, das Image des Bahnfahrens zu verbessern, ist Grube nach dem Ausfall von Stellwerken und den Problemen mit den Zügen Realist. Es habe ihn „desillusioniert“, dass Prozesse bei der Bahn so lange dauerten, sagt er. Bis ein Zug, neue Achsen oder Repeater für den WLAN-Empfang vom Eisenbahnbundesamt durchgewinkt werden, vergehen oft Jahre. Für einen wie ihn, der von sich sagt, er möchte „am liebsten immer alles sofort machen“, ist das ein schweres Los.

Die Kunst, aufzustehen

Grube weiß, dass die Bahn viel gewinnen kann, wenn sie sich den Mühen der Ebene stellt. In einigen ICE-Zügen von Berlin nach Köln liegen hochwertige Handzettel aus, in denen sich das Personal für ein reduziertes Angebot „aufgrund technischer Einschränkungen in der Bordküche“ entschuldigt. Solche „Komfortstörungen“ werde die Bahn mit einem Investitionsprogramm von „rund 200 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren“ beheben, kündigte Grube an. Im Fokus stehe der „Kunde, Kunde und nochmals der Kunde“, sagte er im Januar auf einem Neujahrsempfang.

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Umso mehr ärgert Grube, dass er für sämtliche Mängel vom Aufsichtsrat in die Mangel genommen wurde. Auf Kritik an seiner Person reagiert er zunehmend gereizt. Er sei „dünnhäutiger geworden“, sagt ein Aufsichtsrat, der ihn seit Jahren kennt. Grube könne auch mal „explodieren“.

So schnell aufgeben will der Langstreckenläufer aber nicht. Sein Lieblingsmotto kommt vom einstigen britischen Premierminister Winston Churchill: „Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.“ Für Grube ist die neue Strategie wie ein zweites Aufstehen.

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