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Deutsche Bahn Warum Rüdiger Grube Ronald Pofalla braucht

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Ronald Pofallas Baby: Fernverkehrsstrategie der Bahn

Im Idealfall läuft es so wie zwischen Stuttgart und Zürich: Ab Dezember 2017 bietet die Deutsche Bahn auf der Strecke stündliche Verbindungen mit Intercity-Zügen an. Kunden des Regionalverkehrs können mit ihrem Nahverkehrsticket ohne Aufpreis einsteigen. Das Land zahlt der Bahn einen Ausgleich für die Nahverkehrstickets – ein Modell ganz nach dem Geschmack der Fernverkehrsstrategen.

Die Manager im Bahn-Tower diskutierten lange, ob sie den Fernverkehr auf Nebenstrecken nur anbieten, wenn die Länder in die Finanzierung einsteigen. In ihrer alten Bahn-Welt war die Logik klar. Zahlen die Länder nicht, spendiert die Bahn kein besseres Angebot. Pofalla forderte jedoch eine Expansionsstrategie ohne Wenn und Aber. Sein Argument: Die Länder wollten nicht gegängelt werden. „Er hat wirklich frischen Schwung in die Debatte gebracht“, sagt Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium.

So werden Schwarzfahrer auf der ganzen Welt bestraft
Schwarzfahren in Deutschland Quelle: dpa
Schwarzfahren in Griechenland Quelle: dpa
SpanienIn Madrid ist das Schwarzfahren für viele ein politisches Motiv. Aus Protest gegen die konservative Regierung rufen Fahrgäste dazu auf, nicht zu zahlen ("Yo no pago"). Dabei ist es gar nicht mal so einfach, ohne Fahrkarte in die U-Bahn einzusteigen. Die Drehkreuze, die von Sicherheitsleuten überwacht werden, lassen sich nur mit entwerteter Fahrkarte passieren. Zudem werden die Gänge kontrolliert. Wer ohne Fahrschein angetroffen wird, muss ein Bußgeld von 20 bis 30 Euro zahlen, das 20-fache des einfachen Tickets. Eine Smartphone-App dient spanischen Großstadt-Missetätern untereinander dazu, sich gegenseitig vor Kontrolleuren zu warnen. Quelle: Fotolia
Schwarzfahren in Japan Quelle: dpa
Schwarzfahren in den USA Quelle: fotolia
Schwarzfahren in London Quelle: REUTERS
Schwarzfahren in Schweden Quelle: dpa Picture-Alliance

Nun ist die Fernverkehrsstrategie „Pofallas Baby“, sagt ein Vertreter der Nahverkehrsbranche. In Flyern wirbt er für „mehr grüne Mobilität für Deutschland“ und dafür, dass „nahezu alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern“ einen Fernverkehrsanschluss erhielten. Auf der Verkehrsministerkonferenz der Länder in Rostock im April stellte er das Konzept gemeinsam mit Personenverkehrvorstand Ulrich Homburg vor. Abends, nach zweistündigem Dinner auf einem Dampfer nach Warnemünde, klärte Pofalla rauchend an der Reling mit Landesministern die Details.

Pofalla nutzt seine alten Drähte

Pofalla ist Grubes Scharnier zur Politik. Die beiden kennen sich seit Jahren, sie schätzen und sie duzen sich. Viele Jahre war Pofalla Grubes Ansprechpartner Nummer eins in der Politik – und er stützte das umstrittene Bauprojekt Stuttgart 21 auch dann noch, als die Kosten längst explodierten.

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    Nun nutzt Pofalla seine alten Drähte für die Bahn. Er leitet ein Team von rund einem Dutzend Konzernbevollmächtigten, die in den Bundesländern den Kontakt zu den jeweiligen Landesregierungen halten. Sie kümmern sich um Ausbauprojekte auf der Schiene, den Zustand der Bahnhöfe, zusätzliche Wetterhäuser und um die Beziehungen ins benachbarte Ausland. Und Pofalla hält sie auf Trab, der Ex-Top-Politiker will partout zeigen, dass er Eisenbahn kann.

    Neue Züge der Deutschen Bahn

    Pofalla sei ein „permanenter Optimierer“, sagen Mitarbeiter, immer darauf aus, „sofort einen Transformationsprozess in Gang zu setzen“. Von Gesprächen mit Dritten fertige er stets Gesprächsnotizen an, um sie gleich an Untergebene weiterzuleiten, ergänzt durch konkrete Arbeitsaufträge. Am Wochenende lässt Pofalla gar die Woche kritisch Revue passieren und brütet etwa über die Taktung von Terminen auf Dienstreisen. „Terminökonomisierung und Terminoptimierung“, nenne er das, berichtet ein Mitarbeiter.

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