Deutsche Bahn Sammeltaxis und stabiles Internet sollen Kunden glücklich machen

Millionen Kunden haben täglich etwas an der Deutschen Bahn auszusetzen. Die hat verstanden und will Deutschland mit einer Offensive an neuen Services verblüffen. Was der Konzern so alles plant.

Bahn-Chef Grube Quelle: dpa

Als Bahnchef Rüdiger Grube am Mittwoch dieser Woche die Bilanz für das Jahr 2015 vorstellte, war die Stimmung bedröppelt. Die Güterbahn hat 29 Prozent der transportierten Menge verloren. Sturm und Streik kosteten den Konzern 310 Millionen Euro. Am Ende bilanzierte Grube ein Minus von 1,3 Milliarden Euro - der erste Verlust seit zwölf Jahren. Selbst ein Umsatzwachstum von zwei Prozent kann nicht darüber hinweg täuschen, dass auch dieser nur durch Wechselkurseffekte erzielt wurde. Tatsächlich stagnierten die Einnahmen. Die Bahn rumpelt durch eine Krise. 

Fakten zum Personenverkehr der Deutschen Bahn

Und nun? Das Management verspricht eine Wiederauferstehung. Das tut der Vorstand schon seit Jahren, das muss er tun. Doch bei aller Kritik und Fehler in der Vergangenheit gibt es tatsächlich Lichtblicke. Vor allem aus Kundensicht könnte sich einiges verbessern in den nächsten Monaten. Und guter Service ist die Basis für positive Geschäftsergebnisse. Was sich ändern soll:

Das Sammeltaxi: In einem Nebensatz sprach Grube bei der Bilanzpressekonferenz in Berlin von Clever Shuttle, einem Startup aus Berlin. Die Bahn kooperiert künftig mit dem jungen Unternehmen. Die Idee: ein Tür-zu-Tür-Service mit Elektroautos. Bald sollen Kunden der Deutschen Bahn beim Kauf eines Tickets den Taxi-Transport zum Bahnhof dazu buchen können. Ein Pilotprojekt von Clever Shuttle startet im April in Leipzig. Es folgen Hamburg, Berlin und Frankfurt. Die Preise sollen unter denen von Taxis liegen. Ein spannendes Projekt, das die Taxi-Branche mal wieder zittern lassen könnte. 

Anteil pünktlicher Züge der Deutschen Bahn im Personenverkehr

Der Internetzugang: Es wäre ein kleines Bahn-Wunder. Er sei "zuversichtlich", dass WLAN bis Ende dieses Jahres in allen ICEs zur Verfügung stehen werde, sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber in Berlin. Er klang auch mal ein bisschen anders, als er 2017 für einzelne Züge für möglich hielt, doch dann von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt zurück gepfiffen wurde. Nun also doch 2016. Und dann auch kostenlos in der zweiten Klasse. Eine neue Idee passt allerdings nicht zum von der Bahn viel beworbenen rollenden Büro: Es wird wohl eine kostenlose Datenflatrate mit begrenztem Downloadvolumen geben. Ist die Grenze erreicht, wird gedrosselt oder der Kunde muss doch ein paar Euro zahlen. Viele Burgerbuden bieten da mehr. 

Die Reservierungsgebühr: Sie soll irgendwann ganz wegfallen. Doch wann, bleibt unklar. Immerhin verdient die Bahn nach Informationen der WirtschaftsWoche damit pro Jahr rund 100 Millionen Euro. Deshalb müsse ein Streichen der Gebühr "in die Preisarchitektur passen". Das wird wohl eher was für 2017.

Der Self-Check-In: „Für Kunden mit Smartphones und Online-Tickets ist es künftig möglich, sich selbst im Zug anzumelden", heißt es in Strategiepapieren. "Die Fahrkartenkontrolle kann dadurch entfallen.“ Ein Traum also für all diejenigen, die gleich nach dem Einstieg in den Zug erst mal eine Runde dösen wollen. Den Self-Check-In wird es wohl aber erst ab 2018 geben. Das Ziel: Die Zugbegleiter sollen künftig mehr Zeit für Service am Platz haben - auch in der zweiten Klasse. Zur Frage aller Fragen aber schweigt die Bahn noch: Woher weiß der Schaffner, wer an Bord schon eingecheckt ist?


Sitzplatzreservierung im Nahverkehr: Das dürfte Pendler begeistern. Die Deutsche Bahn will bald auch eine Sitzplatzreservierung in ihren Regionalexpresszügen einführen. Auf welchen Strecken, steht noch nicht fest. Aber es gab bereits erfolgreiche Pilotprojekte. Außerdem plant die Bahn Push-Benachrichtigungen bei Verspätungen im Nahverkehr. Eine App mit dem Namen Streckenagent soll dann noch 2016 Pendler in Schleswig-Holstein, NRW und Baden-Württemberg über verspätete Züge informieren. In Bayern - der Pilotregion - nutzen bereits 55.000 Kunden die Funktion. So hat man schwarz auf weiß, was alles schief läuft. 

Feedback-App: Wem die Verspätungen die Laune verderben, kann sich künftig direkt bei der Bahn beschweren. Eine Feedback-App soll Kritik und Lob einsammeln und "direkt an die verantwortlichen Stellen im DB-Konzern“ weiterleiten. Ein Job für Kommunikationsprofis mit dickem Fell. Noch in diesem Jahr soll die App kommen.

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